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Zittau

Das erste Haus steht

Christine Schneider und Olaf Kommol sind in das neue Zuhause an der Chopinstraße eingezogen. Weitere Nachbarn folgen bald ins generationsübergreifende Wohnen.

Christine Schneider und Olaf Kommol wohnen im ersten Haus an der Chopinstraße.
Christine Schneider und Olaf Kommol wohnen im ersten Haus an der Chopinstraße. ©  Matthias Weber

Christine Schneider sitzt auf der Terrasse ihres neuen Zuhauses und genießt die Ruhe. So entspannt ist die 60-Jährige in den vergangenen Monaten nicht immer gewesen. "Es gab Zeiten, wo mir das Herz in die Hose gerutscht ist", sagt sie. Auch vor gut eineinhalb Monaten. Da stand der neue Bungalow noch immer nicht an der Chopinstraße. Gleichzeitig hatte sie aber ihr Eigenheim in Oybin verkauft und wollte am 1. Juni dem neuen Besitzer die Schlüssel übergeben. Der Möbelwagen war außerdem für den 28. Mai bestellt. "Und auf dem Grundstück hier stand nur die Bodenplatte", sagt sie. Mit ihrem Partner Olaf Kommol malte sie sich bereits aus, was im schlimmsten Fall passieren könnte: Sie müssen aus dem Oybiner Haus raus und in Zittau steht der Bungalow noch nicht. "Zum Glück haben wir ja noch ein Wohnmobil, dann hätten wir dort vorerst übernachten müssen", so Christine Schneider.

Dazu ist es nicht gekommen, die Module fürs neue Haus wurde doch noch vor dem Umzug geliefert. Zwei Tieflader kamen am 17. Mai mit je einem Teil im Gepäck. Eines der Module war 4,20 Meter breit, das Werkstor aber nur 4,30 Meter. Es blieben auf jeder Seite fünf Zentimeter. Eine Millimetersache für die Tieflader. "Sie haben eine Stunde gebraucht", sagt Olaf Kommol. Der Aufbau des Hauses an der Chopinstraße erfolgte dann im Vergleich dazu recht schnell. "15 Uhr begann die Entladung, 18 Uhr war es fertig", berichtet der 65-Jährige. Eigentlich sollte das Haus einen Tag früher geliefert werden. Doch dann ging der Kran kaputt und aus Meißen musste erst ein neuer organisiert werden.

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Dass das Haus später als gedacht ankam, lag an der Auslieferung der vorherigen Module nach Bayern. Dort standen die Fahrer der Tieflader plötzlich vor dem Problem, dass eine Brücke vier Zentimeter zu klein war. Sie mussten umdisponieren. Insgesamt dauerte das alles zehn Tage. "Die sind uns auf die Füße gefallen", erklärt Olaf Kommol. Deshalb müssen sie nun damit leben, dass noch Handwerker im und ums Haus tätig sind, um die letzten Arbeiten zu erledigen.

Das Modul-Haus im Bungalowstil ist im polnischen Werk in Bielsko Biala fast komplett vorgefertigt worden und musste in Zittau nur noch "zusammengebaut" werden. Von außen betrachtet ist es ein schlichter Bau. Aber das Design ist für Christine Schneider gar nicht entscheidend, wichtig sei die Funktionalität. Es soll barrierefrei sein, damit sie im hohen Alter noch hier wohnen können. Gleichzeitig ist es ökologisch und energieeffizient, weil aus Holz errichtet und natürliche Dämmstoffen verwendet wurden. Und modern, weil die Luftwärmepumpe nicht nur die Wärme im Winter liefert, sondern im Sommer auch kühlen kann und die Deckenheizung ein gesundes Raumklima garantiert.

Dass ausgerechnet der grüne Stadtrat Matthias Böhm das Bauprojekt kritisiert hat, können Christine Schneider und Olaf Kommol nicht verstehen. Für Böhm passen die eingeschossigen Häuser nicht in die Umgebung mit den Gründerzeithäusern. Dabei ist ihr Modul-Haus nicht das erste Gebäude im Bungalowstil in der Gegend. Ein paar Meter entfernt steht hinter Garagen ein anderes Bungalow-Haus. Dessen Eigentümer musste es damals so bauen, da es sich in die Umgebung einpasse, weiß Christine Schneider. Und nun sollte ihr Haus nicht hineinpassen? Von der Chopinstraße aus muss man schon genau hinschauen, um das Modul-Haus zu sehen. "Das Kanzler-Domizil in Bonn ist auch ein Bungalow gewesen", macht die 60-Jährige einen gewagten Vergleich.

Das neue Haus ist mit seinen etwa 90 Quadratmetern kleiner als ihr bisheriges Eigenheim. Die Einschränkung in der Wohnfläche ist gewollt, weil es gerade im Alter in der Unterhaltung einfacher werden sollte. Ebenso die Zentrumsnähe mit Anbindung an die städtische Infrastruktur. Ziel ist es, eine Antwort auf den drohenden Pflegenotstand und begleitenden Probleme einer alternden Gesellschaft zu geben, wo Familienmitglieder nicht mehr einander beistehen können.

Eng wird es zwar, wenn alle vier Kinder, die in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Chemnitz leben, zu Besuch sind, aber dann müssen eben alle zusammenrücken, findet Christine Schneider. Sie habe früher in einer 2,5-Raum-Wohnung auf der Schrammstraße gewohnt, ist später nach Bautzen-Gesundbrunnen gezogen und lebte nach der Wende im Olbersdorfer Neubaugebiet. Sie sei kleinere Wohnungen gewohnt. Das Oybiner Eigenheim war 22 Jahre ihr Zuhause. Die Schlüsselübergabe sei deshalb tränenreich verlaufen, sagt die 60-Jährige. Aber nun wohnen sie an der Chopinstraße und fühlen sich seit dem ersten Tag wohl.

Ihr Modul-Haus ist Teil eines größeres Projektes für generationsübergreifendes Wohnen. Und deshalb wird es nicht der einzige Neubau auf dem Gelände zwischen der Chopinstraße und der Bahnlinie sein. Ein weiterer Investor steht für die Bebauung auf dem knapp 9.000 Quadratmeter großen Grundstück in den Startlöchern. Von den einzelnen Grundstücken auf der Fläche sind noch vier frei verfügbar. Olaf Kommol rechnet damit, dass sie noch dieses Jahr weggehen. Bis die Nachbarn in ihre Modul-Häuser eingezogen sind, bleiben Christine Schneider und Olaf Kommol auch nicht allein. Fast jeden Tag schauen Besucher vorbei, die sich über das Haus und das Projekt informieren wollen. Auch ein Ehepaar aus dem Erzgebirge sei schon da gewesen, erzählt Christine Schneider.

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