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Das Esszimmer wird ausgeräumt

Oh, du fröhliche, oh, du selige ... Ja, noch zwei Monate, dann ist das Fest der Feste wieder da. Im Oktober wirft Weihnachten schon seine langen Schatten voraus, starten die ersten Einkäufe und Vorbereitungen.

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Oh, du fröhliche, oh, du selige ... Ja, noch zwei Monate, dann ist das Fest der Feste wieder da. Im Oktober wirft Weihnachten schon seine langen Schatten voraus, starten die ersten Einkäufe und Vorbereitungen. Auch die alljährliche Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ beginnt wieder. Da werden bekanntlich Päckchen mit Präsenten für die Ärmsten der Armen gepackt.

Vorreiter hier im Radeberger Land war schon immer Ottendorf-Okrilla. Die Familie Berthold hat von dort aus jahrelang diese Aktion betreut. Nun fanden sich auch in Radeberg Helfer, die Steinerts, aus der Güterbahnhofstraße, die das übernehmen. Sie werden in ihrer Wohnung eine Anlauf- und Abgabestelle für die Gaben einrichten. Die jungen Leute sind praktisch veranlagt, räumen kurzerhand ihr Esszimmer aus, damit sie die Päckchen sammeln, stapeln und lagern können. Annett und Michael Steinert und die beiden Kinder werden eben einen Monat lang im geräumigen Flur essen und ein paar Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen. „Wir hoffen, dass der Platz für die Päckchen reicht“, sagt Michael. Das Zimmer hat nur etwa neun Quadratmeter. Der 33-Jährige ist in der Schlossklinik in Pulsnitz als Pfleger angestellt und engagiert sich in Dresden in der evangelischen Freikirche. Er hatte von den Bertholds erfahren, dass in Radeberg helfende Hände gebraucht und gesucht werden. Mitzutun – für diesen guten Zweck, das war für die kleine Familie eine Selbstverständlichkeit. Wenigstens einen kleinen Beitrag wolle man leisten. Auch die Jahre davor haben die beiden jungen Eltern schon immer Schuhkartons gepackt, selbst ein bisschen Weihnachtsfreude ins Ausland geschickt. Mal war ein kleines Auto drin, eine Puppe auch.

Dankes-Karte bereitete viel Freude

Noch gut erinnert sich Michael Steinert an das vergangene Jahr: „Das war ein richtig gutes Gefühl, als eine Karte aus Polen als Dankeschön kam“. Sie hatten ein Familienfoto und ihre Adresse mit in den Schuhkarton gelegt. Dass die Spenden auch bei den bedürftigen Kindern in Osteuropa, Israel und in diesem Jahr auch erstmals in Fernost ankommen, da ist sich Steinert ganz sicher. Mit den Sachspenden könne kein Geld verdient werden. Anders als mit dubiosen Geldspendeaktionen könne man sich an dieser weltweiten Aktion beruhigt beteiligen, ist sich der junge Mann sicher. „Das ist wirklich ein gute Sache“, wirbt er für sein Anliegen.

In diesem Jahr gibt es die Aktion bereits zum siebten Mal. Jeder kann ab sofort bis zum 15./16. November einen solchen kleine Schuhkarton packen und abgeben. „Bitte legen Sie keine Schokolade, gebrauchte Kleidung oder Süßigkeiten mit Geliermitteln in den Karton“, so Steinert. Das hängt mit den Einfuhrbestimmungen mancher Länder zusammen. Aber originalverpacktes Spielzeug gehört mit hinein, Traubenzucker und Bonbons, Zahnbürsten oder parfümfreie Seife. Über Malhefte und Stifte, Schulmaterialien aller Art freuen sich die Beschenkten sehr. Der Schuhkarton soll nur mit einem Gummiband verschlossen werden. Die ehrenamtlichen Helfer schauen in jede kleine Kiste, um sicher zu gehen, dass es sich um Geschenke handelt, die auch eingeführt werden dürfen.

Allein im vergangenen Jahr kamen mit dieser Aktion über sechs Millionen solcher Kartons zusammen, die in insgesamt 91 Ländern an jeweils ein Kind verteilt wurden. Träger ist der eingetragene Verein „Geschenke der Hoffnung“ mit Sitz in Berlin.

www.geschenke-der-hoffnung.de