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Das etwas andere Eigenheim

Eine Pirnaer Familie hat sich entschlossen, das Haus Schmiedestraße 49 zu retten. Eine gewaltige Herausforderung.

© Marko Förster

Von Christian Eissner

Ein über 400 Jahre altes Haus neu zu beleben, dazu gehört eine gewisse Leidensfähigkeit, denn vor bösen Überraschungen ist man beim Bauen in einem so alten Gemäuer nie sicher. Stephan Albrecht hat in den vergangenen Monaten viele solcher Überraschungen erlebt.

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© Marko Förster

Der Kardiologe, der seit seinem achten Lebensjahr in Pirna wohnt, erfüllt sich gerade den lange gehegten Traum vom eigenen historischen Altstadthaus. Er hat eines der letzten noch unsanierten Renaissancegebäude, die Schmiedestraße 49, gekauft. Es ist, wie sich nach eingehender Untersuchung der Bausubstanz abzeichnet, auch eines der besonders schwierigen. Das markante Eckhaus zur Frongasse, in dem zu DDR-Zeiten ein Spirituosengeschäft und bis Ende der 1990er-Jahre das städtische Bauordnungsamt residierten, stand zuletzt fast 15 Jahre leer. Die lange Vernachlässigung und frühere Umbauten haben dem Haus stark zugesetzt. „Wir sind von anderen Voraussetzungen ausgegangen“, räumt Stephan Albrecht bei einem Baustellenrundgang ein.

Es staubt und stiebt im Haus, das innen viel kleiner ist, als seine stattliche äußere Hülle vermuten lässt. Bauarbeiter entfernen Einbauten, die vor allem von der letzten Sanierung in den 1970er-Jahren stammen, Wände sind herausgenommen, die Fußböden fast vollständig abgetragen. Während manches Pirnaer Bürgerhaus seit dem 16. Jahrhundert kaum verändert erhalten ist, weil Besitzer-Generationen schlicht kein Geld für größere Umbauten hatten, wurde die Schmiedestraße 49 mehrmals grundlegend den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit angepasst. „Leider“, sagt Stephan Albrecht. Denn zum einen haben nur verhältnismäßig wenige architektonische Details aus der Erbauungszeit überlebt, zum anderen gingen die Umbauten zulasten der Stabilität des Hauses. Zum Beispiel können die Erdgeschossmauern, in die im 19. Jahrhundert große Fensteröffnungen gebrochen wurden, die Lasten von Obergeschoss und Dachstuhl nicht richtig aufnehmen. Tiefe Risse durchziehen die Wände, die nun aufwendig mit Stahlankern gesichert werden müssen. Die Grundmauern sind feucht, Gewölbe instabil, das Dach völlig kaputt, Deckenbalken sowie Teile des Mauerwerks vom Hausschwamm befallen. Es gibt also viel zu tun.

Der erste Schock über den Zustand des Hauses hat in Familie Albrecht erst recht den Ehrgeiz geweckt. „Wir wollen das Gebäude in seiner ursprünglichen Schönheit wiedererstehen lassen“, sagt Stephan Albrecht. Historische Bausubstanz, die sich retten lässt, soll wieder sichtbar gemacht und saniert werden – der Renaissance-Wendelstein, Tür- und Fenstergewände aus der Erbauungszeit, Gewölbe, die profilierten Deckenbalken im Obergeschoss. Die beiden für das Haus charakteristischen Eckgiebel werden neu aufgemauert und sollen dann wieder den Schmuck der Renaissance tragen.

Die Nutzung des Hauses ist bereits klar. Familie Albrecht will selbst darin wohnen, das Erdgeschoss aber regelmäßig für die Pirnaer öffnen – zum Beispiel für Lesungen und Ausstellungen sowie zu Veranstaltungen wie Hofnacht und Denkmaltag. „Es wird ein offenes Haus werden“, kündigt Stephan Albrecht an.

Bevor es so weit ist, haben in der Schmiedestraße Bauarbeiter und Handwerker noch Monate zu tun. Und auch Pirnas Stadträte werden sich mit dem Haus beschäftigen. Am Donnerstag stimmen sie im Stadtentwicklungsausschuss über eine Erhöhung der maximal möglichen Städtebau-Förderung von 258 000 auf 400 000 Euro ab. Ohne einen solchen Zuschuss wäre die Sanierung des Hauses – wie schon viele vergleichbare Projekte in der Altstadt zuvor – nicht möglich. Aufgrund der massiven Schäden wird die Rettung der Schmiedestraße 49 voraussichtlich mehr als 1,5 Millionen Euro kosten.