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Günther Jauch hat was zu feiern

Jubiläum bei "Wer wird Millionär?": Von 2 800 Kandidaten ist ihm einer besonders in Erinnerung. Seit wann gibt es die Sendung: A: 1979, B: 1989, C: 1999, D: 2009?

Etwa 2.800 Kandidaten saßen Günther Jauch in den vergangenen 20 Jahren gegenüber.
Etwa 2.800 Kandidaten saßen Günther Jauch in den vergangenen 20 Jahren gegenüber. © Jörg Carstensen/dpa

Von Christoph Driessen

Hürth. "Wer wird Millionär?" kommt aus der hinterletzten Ecke. Die Erfolgsshow wird seit 20 Jahren in Hürth produziert, einem Vorort von Köln. Von der Straßenbahnhaltestelle geht man eine Wohnstraße entlang, bis man sich sicher ist, dass man falsch ist. Just an dieser Stelle taucht eine mit Graffiti besprühte Plakatwand mit dem Gesicht von Günther Jauch auf. Man wendet sich in eine Art Gewerbehof, in dem man einen Gebrauchtwagenhändler vermuten würde. Dort steht eine Baracke, und wenn man da reinkommt, ja dann, endlich, steht man in der aus dem Fernsehen vertrauten Kulisse.

Diese Schnörkellosigkeit ist aber eben auch ein Erfolgsgeheimnis der RTL-Quizshow, die vor 20 Jahren - am 3. September 1999 - erstmals gezeigt wurde. Im Prinzip geht es eben nur darum, dass Günther Jauch (63) jemandem Fragen stellt. Wenn er oder sie diese Fragen richtig beantworten kann, gibt's eine Million Euro. Mehr muss man nicht wissen.

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Der Moderator selbst kennt noch einen anderen Grund: "Dass es immer wieder gelingt, Leute aus der Klischeeschublade zu holen. Man sieht einen Kandidaten und denkt unter Umständen sofort: "Ja, was ist das denn für'n Schluffi?" Aber dann kommt plötzlich eine originelle Bemerkung oder der Schluffi reagiert absolut selbstironisch." Dann klettere der Kandidat gleichsam aus der Klischeeschublade heraus. "Das sind am Ende immer die schönsten Sendungen."

Etwa 2.800 Kandidaten saßen Jauch in den vergangenen 20 Jahren gegenüber. Einer ist ihm besonders in Erinnerung geblieben, obwohl sein Auftritt bereits 19 Jahre zurückliegt: Martin Horch, der damals eine halbe Million gewann. "Das war ein Lüftungsmonteur, der überall in Deutschland Lüftungsanlagen montiert hat. Und es war faszinierend zu beobachten, was der alles wusste. Und dann fragte ich ihn: "Woher wissen Sie das alles?" Da antwortete er: "Das kann ich Ihnen genau sagen. Acht Stunden am Tag muss ich arbeiten, da lern' ich nichts dazu. Acht Stunden am Tag muss ich schlafen, um mich zu erholen. Da lern' ich auch nichts dazu. Aber die restlichen acht Stunden, die nutze ich, um möglichst viel aufzusaugen. Wenn ich zum Beispiel in irgendeiner Stadt auf Montage bin, dann gehe ich dort ins Museum, dann besuche ich Ausstellungen oder schaue mir eine Theatervorstellung an. Das heißt, ich versuche, aus dem letzten Drittel meines Lebens etwas zu machen.""

Moderator Günther Jauch tauft die "MS Günther" am 10. September 2016 in Münster. Leon Windscheid (l), Gewinner in Jauchs Sendung "Wer wird Millionär?", betreibt das Schiff als Party-Boot.
Moderator Günther Jauch tauft die "MS Günther" am 10. September 2016 in Münster. Leon Windscheid (l), Gewinner in Jauchs Sendung "Wer wird Millionär?", betreibt das Schiff als Party-Boot. © Friso Gentsch/dpa

Insgesamt 86 Millionenfragen wurden bisher gestellt, im Ganzen gab es 15 Millionäre, davon drei in Prominenten-Specials. Prominente Kandidaten seien eine besondere Spezies, verrät Jauch: Sie würden ihr Image nur zu gern um eine grandiose Zurschaustellung ihrer Allgemeinbildung erweitern, gingen aber natürlich auch das Risiko einer Blamage ein. "Manchmal wundert man sich ja schon, was Menschen, die man seit vielen Jahren als halbwegs intelligent aus dem Fernsehen zu kennen glaubt, alles nicht wissen."

Wenn Jauch selber als Kandidat bei "WWM" mitmachen würde, wäre die Auswahlfrage am Anfang das Schwierigste für ihn: "Die Schnelligkeit kombiniert mit Fingerfertigkeit. Wenn ich erstmal hier sitzen würde, würde ich ruhiger werden." Seine Wissenslücken kennt er genau: "Bei mir ist immer alles furchtbar, was mit Weltall zu tun hat. Das interessiert mich gar nicht. Alles, was sich über der Ozonschicht abspielt, ist für mich schwierig. Auch bei Oper bin ich schwach. Und fragen Sie mich nichts über Sternzeichen. Und wenn's um zeitgenössische Musik im Uffta-Uffta-Bereich geht, da wird's bei mir auch ganz finster."

Nach Meinung einiger Kandidaten hat sich WWW-Moderator Jauch im Laufe der 20 Jahre kaum verändert.
Nach Meinung einiger Kandidaten hat sich WWW-Moderator Jauch im Laufe der 20 Jahre kaum verändert. © Jörg Carstensen/dpa

Kandidat zu werden, sei gar nicht so schwer, sagt Jauch. "Oft klappt es mit der ersten Bewerbung." Allerdings achtet die Redaktion auf die richtige Mischung: Männer mit Frauen, Ältere mit Jüngeren, Osten mit Westen. "Der Anspruch, dass wir Gottes großen Zoo abbilden wollen, führt natürlich dazu, dass wir nicht immer nach demselben Kandidatentyp schauen dürfen." Zuschauer warten bis zu elf Jahre auf eine Karte.

Bei der inneren Einstellung der Kandidaten konstatiert Jauch eine gewisse Verschiebung: "Früher kamen mehr Leute, die gesagt haben: "Ich will die Million, ich will nach den Sternen greifen." Heute kommen viele, die sagen: "Ich will einen Wintergarten." Die haben den Kostenvoranschlag schon machen lassen und setzen die Joker auch gezielt so, dass es genau auf die 16.000 hinausläuft, die das Teil dann kostet. Pragmatiker halt."

Fan räumt Jubiläumsmillion ab

Das Jubiläum feierte RTL am Montag mit der Show "20 Jahre WWM". Der Jurist Jan Stroh aus Hamburg konnte alle 15 Fragen beantworten und sicherte sich so die Million. Bei der Sonderausgabe stellte Moderator Günther Jauch (63) ausschließlich Fragen, die schon einmal vorgekommen waren. Diese Regeländerung spielte dem 35-Jährigen, der nach eigenen Angaben in 20 Jahren keine Ausgabe der Sendung verpasst hat, in die Karten:  An viele Fragen (und die richtigen Antworten) konnte er sich noch erinnern. 

So auch bei der Millionenfrage: "Welches dieser Grimm'schen Märchen beginnt nicht mit "Es war einmal ..."? A: Rumpelstilzchen, B: Hans im Glück, C: Die Sterntaler, D: Rotkäppchen. Der 35-Jährige merkte an, dass diese Frage 2002 Hape Kerkeling in einem Prominenten-Special gestellt worden sei und antworte mit "Hans im Glück".

Der leidenschaftliche Quiz-Fan, der sich sogar ein kleines "Wer wird Millionär?"-Pult in den Keller baute und dort Quiz-Abende organisiert, will zunächst nach Australien und Neuseeland reisen. "Es hat sich gelohnt. Einfach klasse", sagte er in einem RTL-Interview. 

Günther Jauch (r) und der 15. Million-Gewinner, Jurist Jan Stroh. Der Hamburger, der nach eigenen Angaben in 20 Jahren keine Ausgabe der Sendung verpasst hat, konnte am Montag alle 15 Fragen beantworten und sicherte sich so die Million. 
Günther Jauch (r) und der 15. Million-Gewinner, Jurist Jan Stroh. Der Hamburger, der nach eigenen Angaben in 20 Jahren keine Ausgabe der Sendung verpasst hat, konnte am Montag alle 15 Fragen beantworten und sicherte sich so die Million.  © Frank Hempel/TVNOW/RTL/dpa

Während viele Fernsehzuschauer dem leidenschaftlichen Fan die Million gönnten, regte sich in sozialen Netzwerken auch Unmut über das Auftreten des Gewinners.

So befand zum Beispiel Comedian Oliver Pocher, der bei der Aufzeichnung im Publikum saß: "Er muss stark an seinen Sympathiewerten arbeiten. Aber er ist ja jetzt Millionär. Von daher kann es ihm scheißegal sein."

Ein Ende von "Wer wird Millionär?" ist nicht in Sicht. Jauch formuliert drei Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit es weitergeht: "Solang's dem Sender gefällt, solang's dem Publikum gefällt und solang's mir gefällt. Wenn einer von uns Dreien keine Lust mehr hat, wird's schwierig. Aber im Moment machen alle noch gut mit." (dpa)

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