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Erfolgreiches Arbeitsleben

Wie zwei Puppen eine Friseurmeisterin von der Lehre bis zur Rente begleiteten. Und wo sie heute zu sehen sind.

Renate Musiol mit den beiden Puppen, die Kleider im Biedermeier- und im Rokoko-Stil tragen.
Renate Musiol mit den beiden Puppen, die Kleider im Biedermeier- und im Rokoko-Stil tragen. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Renate Musiol ist seit 50 Jahren Friseurin bei der Haar- & Kosmetik Figaro GmbH-Coiffure Optimal in Hoyerswerda. Als Friseurmeisterin war sie über Jahrzehnte für die Ausbildung junger Menschen mitverantwortlich und lässt Azubis bis heute von ihren fachpraktischen Kenntnissen auf dem Gebiet Herrenhaarschnitt profitieren. Mittlerweile ist Renate Musiol Rentnerin, frisiert aber nach wie vor in Teilzeit einige Stammkunden.

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Sie begann 1970 ihre Friseurausbildung an der Allgemeinen Berufsschule Hoyerswerda, die sich an der Ecke Fischer-Straße und Schlossstraße befand. 1972 beendete sie die Lehre erfolgreich in einer Baracke des Tausend-Mann-Lagers. Die Lernbedingungen an beiden Orten lassen sich nicht mit den heutigen vergleichen: die Klassenräume waren ofenbeheizt. Die Lehrlinge mussten im Winter tagsüber selbst nachfeuern und saßen dennoch in Jacken im Unterricht, weil es so kalt war, erinnert sich Renate Musiol. „Wenn manchmal eine Maus durch den Raum lief, standen die Mädchen kreischend auf den Stühlen.“

Das Wichtigste für einen Friseur ist immer das exakte Ausführen von Männer- und Frauenhaarschnitten, von Haarumformungen wie Dauerwellen und von Farbveränderungen des Haars mit chemischen Mitteln. Um die Lehrlinge darauf vorzubereiten, sich die Ideen ihrer Kunden realistisch vorstellen zu können und diese dann typgerecht zu beraten, wurde in den 1970er Jahren das Fach Kunsterziehung unterrichtet. Dabei standen der Wandel der Frisuren durch die Jahrhunderte, die zeitgleichen Veränderungen der Bekleidung und sogar die in diesen Zeitabschnitten üblichen Architekturstile im Mittelpunkt, erklärt Renate Musiol. Sie erzählt von ihrer Berufsschullehrerin Brigitte Laurich, die ihnen damals zur besseren Anschauung zwei ca. einen Meter große Kleiderpuppen präsentiert hat. Eine trug ein Kleid im Stil des eher schlichten Biedermeier und die andere eines aus der Zeit des verspielten Rokoko. „Brigitte Laurich hatte die Puppen selbst eingekleidet, denn sie war gelernte Schneiderin“, so die heute 66-Jährige.

Diese besonderen Anschauungsobjekte aus ihrer Lehrzeit existieren noch, weil sie selbst die Puppen aufbewahrt hat. Diese begrüßten jahrelang die Kunden im Friseurgeschäft des Wohnkomplexes 1, wo Renate Musiol gearbeitet hatte und jetzt stehen sie im Schaufenster des Salons in der Kirchstraße. Während der Zeit alterten natürlich die Kleider der Puppen und litten unter der Sonneneinstrahlung. Mitarbeiter des Trachtenhauses Jatzwauk konnten diese zum Glück Anfang der 1990er Jahre originalgetreu nacharbeiten, denn ihnen standen sogar noch Baumwollstoffe aus der DDR-Zeit zur Verfügung, weiß Renate Musiol zu berichten. Sie entwickelte ein Faible für die Geschichte des Friseurhandwerks und hat alte Modellier- und Effilierscheren, verschiedene Trockenhauben, Ondulierstäbe und Dauerwellapparate gesammelt. Zum 60. Jubiläum der Haar- & Kosmetik Figaro GmbH-Coiffure Optimal im Jahr 2017 sind diese Schätze der Öffentlichkeit gezeigt worden.

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