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Das Geheimnis der Pumpenbauer

Beim Museumstag in Neschwitz werden am Sonntag alte Handwerkstechniken lebendig. Auch eine besondere Kunst wird vorgestellt.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Neschwitz. Diese Pumpe im Grundstück von Klaus Neumann ist noch nicht alt. Dennoch hat solch eine Pumpe hier einmal gestanden. Nämlich zu der Zeit, als der Großvater von Reinhild Becker, Georg Schulze, hier Pumpen baute. Später war es dann der Vater, der das Handwerk ausübte. „Allerdings später auch nur nebenbei, als es schwieriger wurde, das Holz dafür zu bekommen“, sagt Reinhild Becker. Hauptberuflich arbeitete ihr Vater in der Braunkohle.

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Fritz Konschak vom Oldtimerclub Wetro mit seinem BMW 600, Baujahr 1959.
Fritz Konschak vom Oldtimerclub Wetro mit seinem BMW 600, Baujahr 1959. © Uwe Soeder

Da solche Pumpen mit „Handbetrieb“ heute nicht mehr gebraucht werden, halten einige Neschwitzer an der Tradition des Pumpenbaus fest und zeigen das Handwerk am Sonntag zum Museumsfest in Neschwitz auf dem Handwerkermarkt. Wenn die Beckers anfangen zu erzählen, überschlagen sich die Erinnerungen. Das liegt vor allem daran, dass sie sich in der „Plumpenbauer-Gilde“ eben gern damit beschäftigen, die eine oder andere Pumpe wiederherzustellen. Plumpe ist dabei eher eine Dialektform in der Lausitz, sagt Klaus Neumann. Er erzählt, dass es schwierig ist, neue Pumpen zu bauen, weil es vor allem keinen Auslauf mehr gibt. „Wenn man Glück hat, bekommt man so etwas mal auf dem Trödelmarkt, aber sonst eher nicht.“ Deshalb hat er gemeinsam mit dem Schmied überlegt, was man machen kann. Aber allein die Herstellung der Form und das Material zum Gießen würde um die 2 000 Euro kosten. „Das müssen dann schon ganz große Pumpenfans sein“, lacht Neumann. Deshalb sind die Neschwitzer froh, dieses alte Handwerk vorzustellen. Der Lärchenstamm, denn nur dieses Holz sollte dafür verwendet werden, liegt schon bereit und die Borke wurde geschält. „Oh, das riecht immer so frisch“, schwärmt Reinhild Becker. Der Stamm selbst liegt im Wasser, denn die Bohrung muss im weichen Kern erfolgen. Dass das gar nicht so einfach ist, merkt auch Toni Meier. Der junge Mann arbeitet im Erzgebirge, kommt aber gern am Wochenende mal nach Hause zu den Eltern. Dadurch war er auch schon bei den Museumsfesten. „Ich finde historische Dinge interessant“, sagt er. „So eine Pumpe hat was“, sagt er und hilft seit 2014 den Pumpenbauern zum Handwerkermarkt. Denn da wird auch seine Kraft gebraucht. „Der springende Punkt ist, dass bei der Bohrung alles gleichmäßig und glatt erfolgen muss“, erklärt Neumann. Am besten sei es, wenn die beiden, die die Bohrung voranbringen, gleich groß sind, um denselben Schwung zu haben.

35 Handwerker dabei

Doch zum Museumsfest gibt es noch andere Handwerker zu erleben. Dieter Petschel, der Chef der Kultur- und Heimatfreunde, die den Museumstag organisieren, freut sich, einen Rekord zu melden: 35 Handwerker haben sich angemeldet. Es wird geklöppelt, getischlert, gesponnen. Aber auch ein Steinmetz und eine Hutgalerie sind dabei. Und dann freut sich Petschel noch auf die Mitglieder des Oldtimerclubs Wetro. Es werden wohl 20 alte Fahrzeuge zu bestaunen sein. Jedes Fahrzeug wird extra vorgestellt. So auch der BMW 600 von Fritz Konschak. Der ist Baujahr 1959 und man steigt von vorn ein. Der Motor befindet sich hinten. Die Tankfüllung fasst 23 Liter. Gekauft hat ihn Konschak, weil seine Frau gern ein Auto wollte. „Ich habe sonst nur Motorräder“, verrät Konschak.

Museumstag mit Handwerkermarkt am Sonntag, 13 bis 18 Uhr auf dem Markt in Neschwitz; ab 13 Uhr kommen die Oldtimer, Musik mit den Mährischen Vagabunden