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Das Geheimnis der Puppenstube

Bunt bemalt und mit Türmchen zeigt sich das Leonhardi-Museum von außen. Im Inneren birgt es unverhoffte Großzügigkeit.

© Anja Schneider

Von Kay Haufe

Bernd Heise erinnert sich noch genau an sein erstes Mal. Es war 1984 als er das Leonhardi-Museum betrat, um zeitgenössische Dresdner Kunst anzuschauen. Knapp 20 Jahre später ist er hier „der Häuptling“, wie er sich selbst bezeichnet. Damals wie heute ist der 53-Jährige fasziniert vom Fachwerkhaus an der Grundstraße, das durch seine mit Sprüchen bemalte Fassade auffällt. Wer sich hineinbegibt, hinter die Puppenstuben-Ansicht, kommt im ersten Stockwerk aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein lichtdurchfluteter, riesiger Ausstellungssaal präsentiert sich dem Besucher, rund 90 Quadratmeter groß und mit Oberlicht ausgestattet. „Diese Gegensätzlichkeiten des Hauses sind großartig. Niemand würde diesen Saal hinter dieser Fassade vermuten“, sagt der Museumschef.

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Wer in Heises Lieblingsraum will, kommt zwangsläufig an den Gemälden Eduard Leonhardis vorbei. Der Namensgeber des Museums, der das Gebäude 1879 erwarb und teilweise als Ateliergebäude umbauen ließ, ist für seine romantischen Naturdarstellungen bekannt. Sie bilden einen Kontrast zu den aktuellen Ausstellungen, denn das Leonhardi-Museum hat sich auf zeitgenössische Dresdner Künstler spezialisiert. Vier Ausstellungen eröffnen pro Jahr. Derzeit sind Werke von Tobias Stengel zu sehen. Um geeignete Künstler auszuwählen, nutzt Bernd Heise viele Möglichkeiten. Oft ist er zu Gast in Dresdner Ateliers. Andererseits gibt es Jubiläen oder besondere Anlässe, die für einen Künstler sprechen. Manchmal begleitet der Museumschef auch junge Maler über Jahre hinweg. Er, der früher in Neustrelitz und Berlin Galerien geführt hat, ist sich meist sofort sicher, ob sein Gegenüber etwas kann. „Doch ich lasse den Künstlern Zeit. Einige haben ja auch noch nicht viele Bilder, die für eine Ausstellung reichen würden“, sagt Heise.

Für ihn ist es jedes Mal wieder spannend, wenn neue Gäste das Haus betreten. Allen geht es ähnlich, wenn sie seinen „Lieblingssaal“ betreten und völlig überrascht sind. Zwischen 4 000 und 5 000 Besucher zählt das Leonhardi-Museum jährlich. Darunter viele Stammgäste, aber stets Interessierte an Dresdner Zeichenkunst.