merken
PLUS Leben und Stil

Das Geheimnis einer guten Bowle

Die Herstellung scheint einfach, kann aber schief gehen, wenn man eines nicht beachtet. Was das ist, erklärt Sommelier Silvio Nitzsche.

Silvio Nitzsche ist Sommelier und betreibt in Dresden die WeinKulturBar.
Silvio Nitzsche ist Sommelier und betreibt in Dresden die WeinKulturBar. © Thomas Kretschel

Die Bowle ist die Mutter aller Weinmischgetränke. Sie zu trinken, gehört für einige auf einem Sommerfest dazu. Und ja, das kann etwas sehr Geschmackvolles sein. Zumindest dann, wenn ich nicht den billigsten Wein im Discounter kaufe und ihn wie am Ballermann mit dem Strohhalm aus dem Eimer trinke.

Wenn man auf einer Feier eine Bowle anbieten will, sollte man wertige Produkte verwenden. Das ist die wichtigste Regel. Auf keinen Fall Spitzenweine, aber zumindest saubere und von Winzerhand ehrlich produzierte Weine. Es gibt etliche gute Tropfen in Literware. Bei deren Kauf erlebt man auch keinen wirtschaftlichen Einbruch, wenn man sie nicht im Supermarkt kauft, sondern den Winzer um die Ecke darum erleichtert.

Anzeige
Sie sehen aus wie die Men in Black, aber...
Sie sehen aus wie die Men in Black, aber...

lassen Sie sich nicht täuschen! Am 22.8. weckt die Band Silent Circle Erinnerungen an die 80er. Wild, bunt, schrill. Genau wie damals. Alle Infos zur Veranstaltung hier.

Eine perfekte Bowle hinzubekommen ist gar nicht so schwer. Je weniger Zutaten, desto leichter gelingt sie. Fünf haben es zu Gründerzeiten sein müssen, damit das Getränk bei den in Indien stationierten Briten den Namen Bowle tragen durfte. Wunderbar gereifte Früchte braucht man nur in gleicher Menge für zwei Stunden mit Wein anzusetzen und mit Wein, Sekt oder Mineralwasser aufzugießen.

Natürlich wird so etwas aber auch mal abgewandelt, regional spezialisiert oder schlichtweg neu erfunden. So gibt es den Maiwein mit Waldmeister oder auch die Maibowle, die vor allem entlang des Rheins sehr populär ist und im Mai hergestellt wird. Der Waldmeister wird ohne Wurzeln gesammelt und leicht getrocknet. Einen kleinen Strauß hängt man dann mit den Blättern in die Bowle. Die Stängel sollten dabei nicht in den Wein tauchen, da sonst auch unerwünschte Bitterstoffe freigesetzt werden können. Nach 30 Minuten wird das Gewürz wieder herausgenommen und anschließend das Getränk mit Sekt oder Mineralwasser aufgefüllt und gezuckert.

Die Zutaten einer Bowle sind unterschiedlich, unter anderem kommen Estragon, Fenchel, Pfefferminze, Thymian und Zitronenmelisse zum Einsatz. Obgleich die Herstellung so einfach scheint, sollte sie durch eine wissende Hand erfolgen, da das darin enthaltene schwachtoxische Cumarin zu Kopfschmerzen führen kann.

Ein weiterer Klassiker ist die „kalte Ente“, die aus Wein und Sekt erzeugt wird. Klar, dass man hier keine gekühlte Ente statt der Früchte verwendet. Der Name kommt von „kaltes Ende“. Statt eines heißen Mokkas hat man früher an heißen Tagen eine „kalte Ente“ am Ende eines Menüs serviert. Verwendung kann hierbei sowohl Weiß- als auch Rotwein finden. Auf der iberischen Halbinsel peppte man den Rotwein einfach mit Wasser und Zitrusfrüchten auf und verlieh dem Mischgetränk den Namen Sangria – sangre wie Blut, an das die Farbe erinnert. In Argentinien wird es Clericó und in Italien Punsch genannt.

Mehr zum Thema Leben und Stil