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Das Geheimnis einer langen glücklichen Ehe

Irmgard und Siegfried Ziesche feiern heute ihren eiserne Hochzeit. In 65 Jahren sind sie siebenmal umgezogen.

Von Jens Hoyer

1948 – das Tausendjährige Reich war nach zwölf Jahren am Ende. Die Russen regierte in Döbeln und die DDR war noch nicht einmal gegründet. Damals gaben sich Irmgard und Siegfried Ziesche das Versprechen, immer zusammenzubleiben. Und sie haben es gehalten, 65 Jahre lang. Heute feiern sie ihren eiserne Hochzeit.

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Das Geheimnis einer langen Ehe, vielleicht gibt es das nicht. „Bei uns hat es auch Streit gegeben. Aber nicht so, dass wir gleich auseinander gerannt wären“, sagt Irmgard Ziesche. „Wir mussten uns alles selbst erarbeiten“, sagt er. Das schweiße zusammen. Mit ein paar Rohrmöbeln und dem Vertiko vom Großvater in der Wohnung hätten sie damals angefangen.

Mit 16 Jahren war Siegfried Ziesche noch zur Wehrmacht eingezogen worden. Er überlebte den Krieg und kam in amerikanische Gefangenschaft. In Döbeln war der Russe, als er nach Hause kam. Die Tümmlersche Maschinenfabrik war demontiert, alle Maschinen weggeschafft. „Wir haben ausgebrannte Maschinen aus Chemnitz geholt und wieder aufgebaut“, erzählte er vom schweren Neubeginn. An seinem Arbeitsplatz lernte er auch seine spätere Frau kennen. Sie arbeitete vis-à-vis der Schillerstraße als Erzieherin in der ehemaligen Villa, in der die Russen einen Kindergarten eingerichtet hatten.

Der 19-jährige Maschinenschlosser war damals noch nicht volljährig und brauchte noch die Einwilligung seines Vaters, um seine zwei Jahre ältere Braut heiraten zu können. „Die Schwiegermutter hatte zur Hochzeit 18 Kuchen gebacken. Die waren ganz schnell alle“, erinnert sich Irmgard Ziesche. Es waren schwere Zeiten damals, allerdings für das Paar nicht ganz so schwer. Denn der junge Ehemann arbeitete fünf Jahre bei der Wismut in Oberschlema als Obermaschinist. Da gab es einen guten Verdienst und zusätzliche Lebensmittelkarten. Das Paar hat sich einmal im Monat gesehen – wenn der junge Familienvater für ein verlängertes Wochenende nach Hause kam. Die einzige Tochter wurde im Februar 1949 geboren. Er brachte seiner Frau eine Schachtel Fondant-Konfekt mit aus einem der ersten Geschäfte der HO. „Die hat 50 Mark gekostet.“

Zuletzt hat Siegfried Ziesche im Rationalisierungsmittelbau an der Zschepplitzer Straße gearbeitet. Sie war bis zur Rente in verschiedenen Kindereinrichtungen in Döbeln und Ebersbach tätig. Beide erinnern sich an glückliche Zeiten mit Reisen und dem Garten, den sie 42 Jahre lang auf der Schillerhöhe hatten.

Häufiges Umziehen ist sicher keine Garantie für eine glückliche Ehe, aber es schadet auch nicht. Die Ziesches haben in 65 Jahren siebenmal die Wohnung gewechselt. Nach der Hochzeit hatten sie das Glück, in die Wohnung von Irmgard Ziesches verstorbener Mutter auf dem Geyersberg einziehen zu können. Innerhalb dieses Hauses sind sie zweimal in andere Wohnungen umgezogen. Dann lebten sie in Döbeln Nord – zweimal in Häusern, die abgerissen wurden. Heute werden sie in kleiner Runde in ihrer betreuten Wohnung am Sternplatz feiern. Mit der Tochter, einem Enkel und dem Urenkel. „Wir sind immer sparsam gewesen. Auch in dieser Beziehung“, scherzte Irmgard Ziesche.