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Das Geisterhaus von Königstein

Die Festungsstadt bekommt einen zweiten Campingplatz. Ein Haus, das es laut Plan gar nicht gibt, spielt eine wichtige Rolle.

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© Norbert Millauer

Von Ines Mallek-Klein

Die Garage taucht im B-Plan gar nicht auf. Sie steht in Königstein, unweit der Elbe, zwischen dem Campingplatz und dem Elbefreizeitland. Sie soll das Sanitärgebäude für einen neuen, zweiten Campingplatz werden. Investor ist der Besitzer des Elbefreizeitlandes, Frank Nuhn. Er plant ein Angebot für den schmalen Geldbeutel, wie Geschäftsführer Frank Hausdorf erklärt. Noch in diesem Jahr sollen hier die ersten Camper Quartier beziehen.

Doch bevor die Bauarbeiten beginnen können, muss der Behördenweg eingehalten werden. Der Bebauungsplan dreht dabei wegen Formfehlern eine Ehrenrunde. Am kommenden Montag, 10. Februar, beginnt seine zweite Auslegung. „Wir mussten noch einmal umplanen“, sagt Frank Hausdorf. Der Campingsplatz soll im Hochwasserschutzgebiet entstehen. Es ist für das Projekt nach Aussage von Königsteins Bürgermeister Frieder Haase (parteilos) eine Ausnahmegenehmigung möglich. Die ist jedoch an einige Auflagen geknüpft.

So sollen die Garagen vom Typ Dresden, die sich in unmittelbarer Elbnähe befinden, abgerissen werden. Erhalten bleibt aber jene Garage, die auf dem gültigen Bebauungsplan gar nicht eingetragen ist. Das Gebäude sollte ursprünglich aufgestockt werden. In der oberen Etage waren Ferienwohnungen geplant. Das Vorhaben hatte die Bauaufsicht gestoppt. Stattdessen soll das Haus nun saniert werden. Hier wird es künftig Duschen und sanitäre Anlagen für die Camper geben. Außerdem ist ein Abstellraum für Gartengeräte geplant.

Frank Hausdorf ist sich sicher, dass der neue Campingsplatz angenommen wird. Der Bedarf sei da, zumal immer mehr Familien das Campen für sich entdecken. Ob Königstein damit zum Mekka der Camper wird, wie einige Stadträte auf ihrer jüngsten Sitzung unkten, ist allerdings noch offen. Die Abgeordneten hatten über den geänderten Bebauungsplan für die Ferienanlage zu entscheiden. Sie billigten alle Änderungen. Diskussionen gab es allerdings beim Emissionsschutz. Der Campingplatz soll aus Lärmgründen nachts nicht befahrbar sein. Stadtrat Ivo Teichmann (parteilos) sprach mit Hinweis auf die benachbarte Bahnlinie von behördlichem Unsinn und einem massiven Eingriff in die Gewerbefreiheit. Letztlich wurde der Auslegungsbeschluss einstimmig gefasst. Die Unterlagen können bis zum 11. März im Rathaus der Stadt Königstein eingesehen werden.

Thematisiert wurde am Montagabend auch die verkehrstechnische Anbindung des Geländes mit den beidem Campingplätzen und dem Elbefreizeitland. Vor allem für Fußgänger fehlen entsprechende Hinweisschilder, sagte Bürgermeister Haase. Das sei eines der Projekte, die man in der nächsten Zeit in Angriff nehmen wolle.

Doch auch der Flutschutz spielt eine wichtige Rolle. Der neue Campingplatz wird eingezäunt. Die einzelnen Zaunfelder sollten aber so konstruiert werden, dass sie im Falle eines Hochwassers schnell auszuhängen sind. Andernfalls wirkt der Zaun wie ein Fangnetz, an dem sämtlicher Unrat aus dem Fluss hängenbleibt. Wichtig ist auch die Sicherheit. So müssen für den Campingplatz Löschwasservorräte nachgewiesen werden. Die Elbe darf dafür nicht genutzt werden, da laut Gesetzgeber nicht überall sichergestellt werden kann, dass man mit den Pumpen nah genug an das Wasser herankommt. Die Verwaltung hat auch hierfür eine Lösung gefunden.