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Das Gerede von der "bloßen Grippe"

Noch immer gibt es Menschen, die Corona verharmlosen. Es müssen wohl noch mehr Menschen sterben, bevor das aufhört, fürchtet SZ-Redakteur Sebastian Beutler.

Symbolbild
Symbolbild © dpa / Montage: SZ

Seit sich das Coronavirus in Altenheimen in Klein-Priebus und Niesky verbreitet, ist der wirkliche Ernstfall in dieser Pandemie auch im Landkreis Görlitz angekommen. Die Zahl der Infizierten - zumal in besonderen Risikogruppen - nimmt rasant zu, leider auch die der Todesfälle. Bei beiden hat der Landkreis mittlerweile das sächsische Niveau erreicht, das leicht unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Manch einer der immer noch die besondere Gefahr dieses Virus abstreitet, sieht sich durch diese Entwicklung bestätigt: Am Virus allein sterbe niemand, weitere Vorerkrankungen oder auch Risiken wie hohes Alter müssten noch hinzukommen. Das ist absurd, wie der Blick in andere europäische Länder zeigt. Auch in Deutschland steigt das Risiko, am und mit dem Coronavirus zu sterben, ab 70 enorm an.

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Doch auch unter 50-Jährige zählen zu den Toten. Und wer sagt eigentlich, dass alle 60-Jährigen kein Recht auf Leben haben? Dass im Landkreis Görlitz die vier Todesfälle Betreute in Altenheimen betrafen, ist trügerisch. Wenn es nicht zu traurig wäre: Offensichtlich gibt es im Kreis noch zu wenige Tote, als dass das Gerede von einer "besseren Grippe" endlich verstummt. Denn die besondere Gefahr von Corona liegt eben in ihrer einfachen Verbreitung und dem Fehlen von spezifischen Medikamenten sowie einer Impfung gegen die Erkrankung. 

Zugleich aber geben die Vorfälle in den Altenheimen auch einen Vorgeschmack auf diffizile Fragen, die mit einem Zurücknehmen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen verbunden sind. Wenn es in Altenheimen nicht gelingt, Senioren vor dem Virus zu schützen, wie soll es dann mit Risikogruppen gelingen, wenn wieder Schulen oder Kitas geöffnet sind, Läden aufmachen oder größere Menschengruppen zusammenkommen dürfen?

Wenn das Wiederanfahren der Wirtschaft damit verbunden wäre, dass die Ansteckungs- und damit auch die schwer verlaufenen Krankheitsfälle schnell steigen, dann hätten alle Einschränkungen dieser Tage nichts genutzt.  Und die Wirtschaft hätte auch nichts gewonnen, wenn Mitarbeiter in Massen krank sind. 

Ein Blick nach Österreich zeigt, wie eine Exit-Strategie aussehen kann: Erst kleinere Läden öffnen, später größere, Schulen erst mit großem Abstand und Großveranstaltungen erst einmal gar nicht. Es dürfte auch eine Blaupause für Deutschland sein.

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