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Das gestohlene Geld gleich wieder verspielt

In einem Meißner Döner-Laden wird ein Spielautomat geknackt. Der Angeklagte will nur Schmiere gestanden haben.

Von Jürgen Müller

Die Beute war lächerlich gering, der Sachschaden groß, noch größer jedoch der Ärger für die Täter. Einer sitzt wegen dieser und anderer Taten gerade eine Gefängnisstrafe ab. Ein Mittäter muss sich nun vor dem Meißner Amtsgericht verantworten. Es geht um einen Spielautomaten in einem Döner-Laden in Meißen, der im Mai dieses Jahres aufgebrochen wurde. Die Beute war gering, gerade mal 16,80 Euro, umso größer jedoch der Sachschaden: 500 Euro laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Das ist wohl ein bisschen dick aufgetragen. Der Automatenaufsteller spricht vor Gericht von einem Schaden von höchstens 100 Euro. „Der Täter kannte sich aus, ist sehr professionell vorgegangen, sodass der Schaden relativ gering blieb“, sagt er.

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Der Mittäter will kein Mittäter gewesen sein. Er habe nichts gemacht, außer sich vor die Kamera gestellt, mit deren Hilfe der Raum überwacht wurde. „Stell’ dich hin, ich mache das Ganze“, soll sein Kumpel zu ihm gesagt haben. Auch die Freundin des Angeklagten wurde mit eingespannt, stellte sich vor die Tür. Von der Beute hat der Angeklagte nichts abgekriegt. Der Täter hat das geklaute Geld sogleich in einem anderen Automaten wieder verspielt.

Tat war nicht geplant

Die Tat war nicht geplant. Zufällig trafen sich die drei in dem Döner-Laden. Nach dem Essen gingen sie in den Raum mit den Spielautomaten, „weil man dort rauchen darf“, wie der Angeklagte sagt. Er habe „aus Dummheit“ mitgemacht, habe sich schon gedacht, dass der andere den Spielautomaten aufbrechen wolle, sagt er.

Nach der Tat hat der 26-Jährige sein Leben geändert. Früher nahm er mal Marihuana und Crystal. Jetzt ist er weg von den Drogen und auch weg von Meißen, will in Stuttgart ein neues Leben anfangen. Dort hat er einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma und Aussicht auf eine feste Anstellung. Seine Freundin ist schwanger.

Der Richter deutet an, dass statt einer Mittäterschaft auch eine Beihilfe zum Diebstahl infrage komme. Und er stellt auch in den Raum, das Verfahren wegen geringer Schuld ganz einzustellen. Jetzt wird der Angeklagte mutig. Ob er dann auch seine Fahrtkosten zurückkriege. Immerhin sei er von Stuttgart aus mit dem Zug gefahren, zurück würde er fliegen, weil das schneller für ihn ginge. Und unbezahlten Urlaub musste er auch noch wegen des Gerichtstermins nehmen.

Doch der Richter zieht ihm diesen Zahn schnell: „Jeder zahlt sein Bier selbst.“ Die Staatsanwältin spielt ohnehin nicht mit. Sie fordert wegen Beihilfe zum Diebstahl die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 900 Euro. Doch der Richter ist gnädig, verhängt nur 600 Euro, weil der Angeklagte demnächst Vater wird. „Das kostet alles Geld.“