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Das Getreide säuft sich schlapp

Erntebeginn. Im Raum Kamenz ist die Gerstefällig – wenn es weiterregnet, bald hinfällig.Noch hindert das Wetter die Bauern am Dreschen.

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Von Hartmut Landgraf

Seit Dienstag stehen in der Elsteraue Agrar GmbH Skaska die Mähdrescher wieder im Schuppen. Genau einen Tag lang waren sie im Einsatz. Immer wieder blickt Produktionsleiter Reinhard Strauß genervt zum Himmel. Es regnet und regnet, und Strauß bekommt langsam die Hummeln, denn seine Wintergerste wird von all dem Wasser nicht besser.

„Es ist höchste Eisenbahn, dass wir ein paar Tage Wind und Sonne bekommen, denn wenn erst der Reifezeitpunkt überschritten ist und die Halme knicken, dann machen wir Verluste“, befürchtet er.

Auch in anderen Betrieben im Raum Kamenz und Hoyerswerda mussten die Bauern ihren gerade begonnenen Getreidefeldzug wieder abbrechen, weil sich die Wintergerste im nassen Zustand weder dreschen noch lagern lässt. Ohnehin werden die Erträge laut Bauernverband nach dem Rekordjahr 2004 in diesem Jahr eher durchschnittlich ausfallen. Im Frühjahr war es lange zu trocken, jetzt wieder steht das Korn zu lange im Regen.

„Nur die, die eine Getreidetrocknungsanlage haben, müssen sich um ihre Ernte nicht so viele Sorgen machen“, sagt Dietmar Liebscher, Geschäftsführer des Regionalbauernverbands Bautzen-Kamenz. Die Agrar GmbH in Skaska zum Beispiel hat eine solche, will sie jedoch nur im äußersten Notfall in Betrieb nehmen. „Das ist mir im Augenblick viel zu teuer bei den Gaspreisen“, sagt Produktionsleiter Strauß. Christian Voigt, Chef der Geißmannsdorfer Agrargenossenschaft kann beim Thema Energiekosten nur noch müde abwinken. „Die Frage ist doch, ob die Landwirtschaft hier überhaupt noch irgendetwas rentabel machen kann“, sagt er. Was die Ernte anbelangt, hat Voigt indessen noch keinen Druck, denn im Raum Bischofswerda ist die Wintergerste noch nicht so weit, wie jene bei Kamenz oder Bautzen.

Der Preis ist ohnehin im Keller

Auch bei Radeberg wollen sich die Bauern noch eine Woche Zeit lassen. „Das hat keine Eile, mein Getreide ist noch gar nicht reif“, sagt Jürgen Blochwitz, Leiter des Landwirtschaftlichen Unternehmens „An der Dresdner Heide“ in Großerkmannsdorf. Er sorgt sich eher um die Preise, die er nach der Ernte für sein Korn erzielen kann.

„Genau das ist das Hauptproblem für die Betriebe“, bestätigt Dietmar Liebscher vom Bauernverband. Zwischen 8,30 und 8,80 Euro gibt es momentan für die Dezitonne Wintergerste. Nicht viel, angesichts gestiegener Kosten für Dieselkraftstoff, Pflanzenschutzmittel und Ersatzteile. Zunehmend stehen die Bauern zudem in einem Preiskampf mit Anbietern aus Osteuropa. Besonders bei Raps und Roggen gingen die Preise laut Bauernverband deswegen im vergangenen Jahr spürbar in den Keller.

„Polen, Tschechien, Russland, das sind klassische Getreideländer“, sagt Claudia Lohmann vom Landesvorstand und selbst Leiterin eines landwirtschaftlichen Betriebs im Raum Hoyerswerda. Mal gerade sechs Euro habe sie 2004 für die Dezitonne Roggen bekommen. Weil der Abverkauf schlecht lief, haben viele Betriebe noch tonnenweise Getreidereste vom letzten Jahr auf Lager. Immerhin: Wenigstens die sollten inzwischen trocken geworden sein.