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Als „Salem“ in Görlitz noch Mutterhaus war

Im Juli 1910 wurde es den Diakonissen übergeben. Die gibt es hier heute nicht mehr.

Das Foto unten das einstige Haus der Diakonissen auf dem Pfaffendorfer Weg.
Das Foto unten das einstige Haus der Diakonissen auf dem Pfaffendorfer Weg. © Fotos/Repros: Sammlung Hans Schulz (3), Ralph Sche

Als 1815 die Oberlausitz in einen sächsischen und einen preußischen Bezirk geteilt und die östliche Oberlausitz Schlesien zugeordnet wurde, hatte das auch Einfluss auf die Kirche. Es kam zur Bildung einzelner Kirchenkreise, den Synoden. Diakonische Arbeit leisteten bis zu diesem Zeitpunkt engagierte Christen. Theodor Fliedner war es, der 1836 in Kaiserswerth die erste evangelische Diakonissenanstalt einrichtete. Diese Anstalt wurde Vorbild für alle Mutterhäuser in Deutschland. Das erste schlesische Mutterhaus entstand 1852. Acht weitere Diakonissenhäuser kamen in Schlesien hinzu. In ihnen lebten Schwestern und versorgten Kranke.

Es waren viele junge Mädchen, die sich meldeten, um die für sie kostenfreie Ausbildung zu absolvieren. Damals bot dieser Weg Frauen, die nicht heirateten, die einzige Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Nach der Ausbildung wurden die Schwestern als Diakonissen eingesegnet, das Mutterhaus wurde für sie Wohnstätte, Arbeitsort und Altersruhesitz zugleich. Streng christliche Lebensführung, Sparsamkeit und Bescheidenheit kennzeichnen das Leben einer Diakonisse. Sie haben nur ein kleines monatliches Taschengeld, für alles andere, auch die Kleidung, sorgt das Mutterhaus. 1899 schlossen sich mehrere Synodalbezirke unter dem Begriff „Schlesische Synodaldiakonie“ zusammen. Die Leitung des Gesamtverbandes lag in Görlitz.

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Am 21. September 1899 wurde der „Verein zur Förderung der weiblichen Diakonie“ gegründet. Er wurde 1901 in „Oberlausitzer Synodaldiakonie“ umbenannt und bildete fortan eine Ergänzung zur schlesischen Mutterhausdiakonie. Diese verlor nicht an Bedeutung als Ausbildungsstätte. Für die Schwestern in Görlitz pachtete der Vereinsvorstand 1901 ein Bauernhaus an der Promenade 3 in Groß-Biesnitz. Es diente als Wohnsitz und als Kleinkinderschule. Der Neubau eines eigenen Heimes scheiterte vorerst am Fehlen eines Baugrundstückes. Die Villa Pfaffendorfer Weg 2 stand zwischenzeitlich als Schwesternheim zur Verfügung. Dieser Umzug war notwendig, denn die Schwesternschaft wuchs auf eine Oberin und 16 Schwestern.

Das Gruppenbild entstand direkt zur Einweihung ...
Das Gruppenbild entstand direkt zur Einweihung ... © Fotos/Repros: Sammlung Hans Schulz (3), Ralph Sche
... des Hauses „Salem“ im Jahr 1910 ...
... des Hauses „Salem“ im Jahr 1910 ... © Fotos/Repros: Sammlung Hans Schulz (3), Ralph Sche
... auf der Schlaurother Straße in Biesnitz.
... auf der Schlaurother Straße in Biesnitz. © Fotos/Repros: Sammlung Hans Schulz (3), Ralph Sche
Schwester Johanna Schulte war die erste Oberin. Sie prägte die Diakonissenschaft bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 1936.
Schwester Johanna Schulte war die erste Oberin. Sie prägte die Diakonissenschaft bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 1936. © Repro: Sammlung Hans Schulz

1909 wurde den Diakonissen an der Schlaurother Straße ein Bauplatz geschenkt, dazu kamen Spenden von 20.000 Mark. Der Bau kam schnell voran, und am 29. Juli 1910 konnte das erste eigene Mutterhaus eingeweiht werden. Es führte den Namen „Salem“ als Zeichen einer Stätte des Friedens und eines Bekenntnisses des Glaubens. Zur Einweihung wurde bekannt und gewürdigt, dass der bekannte Görlitzer Industrielle, Kommerzienrat Martin Ephraim, das Bauland im Wert von rund 75.000 Mark geschenkt hatte.

Nach nunmehr 110 Jahren wird das Gebäude vom Evangelischen Kirchenverband der Schlesischen Oberlausitz genutzt. Die letzte Diakonisse, Emma Hanke, starb 2008. Geblieben ist der Leitsatz, der die Arbeit in diesem Werk geprägt hat: „Dienet dem Herren mit Freuden“.

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