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Das Görlitzer Volksbad wird vermisst

Das Bad kennt im Juli zwei Jubiläen: 35 Jahre erstes Ende und 30 Jahre letzte, kurze, und leider vergebliche Neueröffnung.

Der hölzerne Turm Weinberghausturm mit dem schönen Blick auf das Volksbad-Gelände. Der Turm wurde 1885 errichtet und steht seit 1890 am jetzigen Standort.
Der hölzerne Turm Weinberghausturm mit dem schönen Blick auf das Volksbad-Gelände. Der Turm wurde 1885 errichtet und steht seit 1890 am jetzigen Standort. © SZ-Archiv / Pawel Sosnowski

Das ab September 1946 im Nationalen Aufbauwerk (NAW) von vielen Görlitzern geschaffene Volksbad am Weinberg erfreute sich einige Jahre lang großer Beliebtheit. Für die Badelustigen war es dann seit 1951 bis Ende der 1970er Jahre eine Stätte ausgezeichneter und schneller Erholung – auch mit Sprungbereich, Kahnstation, Strandkörben.

Es gab eine kleine gastronomische Versorgung, eine Umkleidebaracke mit Aufsicht und allerlei Spielangebote zu Lande vom Tisch-Kicker bis zum Volleyball-Platz. Bademeister passten auf, Schwimmlehrer erteilten Unterricht, die Eintrittspreise waren spottbillig. Kein Wunder, dass bei passendem Wetter tausende Badelustige diesen Volksbad-Strand eroberten.

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Dann aber nahm die Wasserqualität immer mehr ab, vor allem die vorgeschriebenen Sichttiefen waren irgendwann nicht mehr gegeben. Ursache dafür war eine sich über Jahre immer weiter abgesetzte Schlammschicht, die nicht mehr abgetragen werden konnte, weil dafür das Bad hätte komplett trockengelegt werden müssen. Das wiederum hätte arge Probleme für die Sickerbrunnen des nahen Wasserwerkes in Görlitz-Weinhübel ergeben. Im Sommer vor 35 Jahren zog die Kreishygiene-Inspektion Görlitz deshalb die Notbremse und schloss das Bad – zum Ärger vieler, aber auch unter Verständnis jener, die längst nicht mehr im zur „braunen Brühe“ gewordenen Badewasser schwimmen wollten. Mit viel Aufwand konnte dennoch erstmals 1987 durch eine Teiltrocknung viel Schlamm abgebaut werden. Der Stadtrat setzte mit Roger Kriegel sogar einen Sonderbeauftragten ein, unter dessen Leitung ein noch heute erkennbarer starker Trenndamm mitten durch die Wasserfläche geplant und gebaut wurde.

Versuch einer Sanierung 1989: Die Arbeiten am Volksbad-Damm hielt der Görlitzer Maler Günter Hain damals mit seinem Zeichenstift fest.
Versuch einer Sanierung 1989: Die Arbeiten am Volksbad-Damm hielt der Görlitzer Maler Günter Hain damals mit seinem Zeichenstift fest. © SZ

Diese Trennung von Schwimmer- und Kahnbereichen sollte mit dem Einbau von Filtern einhergehen. 1989 baute die Meliorationsgenossenschaft Niesky sie ein, danach wurde der Damm fertig geschüttet. Der Badebereich erhielt einen komplett neuen Kiesboden. Noch bei laufendem Umbau gab die Hygiene-Inspektion das Görlitzer Volksbad schließlich ab dem 21. Juli des Jahres 1989 wieder zur Nutzung frei. Da gab es sogar eine unerwartete Neuerung: Erstmals wurde ein FKK-Teil eingerichtet und offiziell auch so ausgewiesen.

Die neue Anlage bewährte sich dennoch nicht lange. Von einer nochmaligen neuen Lösung wurde Abstand genommen, zu teuer hieß es einerseits, andererseits werde der in Aussicht stehende Berzdorfer See die Görlitzer Badefreuden schon erfüllen. Mittlerweile ist das Volksbad ein Angelgewässer, was aber auch schon mal mit vielen toten Fischen für Schlagzeilen sorgte. Ringsum tummeln sich weiterhin Sonnenbader, Wanderer, Wildgriller. Als Stätte der Badenden und der Kahnfahrer allerdings hat das Volksbad ausgedient. Viele Görlitzer vermissen es heute ebenso wie Freise-, Helenen- oder Ludwigsdorfer Bad.

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