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Sieben Tipps für Ausflüge in Sachsen

Zwischen Fichtelberg und Neiße bietet Sachsen in der Pandemie zahlreiche Freizeitangebote. Sieben Ausflugsziele und wie die Vorbereitungen dort laufen.

Auf dem Dach von Sachsen: Normalerweise herrscht auf dem Fichtelberg an sonnigen Maitagen deutlich mehr Trubel.
Auf dem Dach von Sachsen: Normalerweise herrscht auf dem Fichtelberg an sonnigen Maitagen deutlich mehr Trubel. © Steffen Klameth

Über allen Gipfeln ist Ruh’. Der Wind schweigt, die Vögel schlafen, in der Ferne funkeln die Lichter von Oberwiesenthal. Und auch drinnen, im Fichtelberghaus, ist es mucksmäuschenstill. Die letzten Wanderer, Motorradfahrer und Angestellten sind abgezogen, nun hat die Handvoll Gäste das Hotel ganz für sich allein. Das macht den besonderen Ort gleich noch ein bisschen exklusiver: Das Fichtelberghaus ist das höchstgelegene Hotel Sachsens und in ganz Ostdeutschland.

„Schön ruhig hier“, sagt auch Thomas Reuter am nächsten Morgen beim Frühstück. Am Sonntag ist er mit seiner Frau von Drebach aus den Berg hinaufgeradelt, fünf Stunden, schön gemütlich. Die Übernachtung sei eine spontane Idee gewesen – erst seit Freitag voriger Woche dürfen Hotels und Pensionen in Sachsen wieder Gäste empfangen. Wenngleich unter strengen Auflagen. Schilder erinnern auf Schritt und Tritt an die Abstandsregel, das Personal muss Mund-Nasen-Schutz tragen, das Frühstück wird à la carte serviert. Es gibt Schlimmeres, jedenfalls für Gäste.

Wir helfen Händlern in Chemnitz
Wir helfen Händlern in Chemnitz

Corona ist bedrohlich. Für die Gesundheit, aber auch für Händler und Gewerbetreibende vor Ort. Hier können Sie helfen – und haben selbst etwas davon.

Endlich wieder klettern: Lina Petermann (10) freut sich mit dem Betreiber des Kletterwaldes an der Talsperre Pöhl, Jörg Böhm, um die Wette.
Endlich wieder klettern: Lina Petermann (10) freut sich mit dem Betreiber des Kletterwaldes an der Talsperre Pöhl, Jörg Böhm, um die Wette. © Ellen Liebner

Isa Meinel hat da eine etwas andere Perspektive. Sie könne die Vorsicht der Politik gut verstehen, sagt die Hotelchefin. Aber es sei auch bitter zu sehen, wie sehr die Wirtschaft darunter leidet. Das Gastgewerbe ganz besonders. Um alle Mitarbeiter zu halten, stockten die Meinels das Kurzarbeitergeld auf hundert Prozent auf. „Wir haben überlebt“, sagt Isa Meinel trocken. Doch die Einbußen der vergangenen Wochen seien nicht mehr aufzuholen, auch nicht mit der auf ein Jahr begrenzten Halbierung der Mehrsteuer auf Speisen. „Wahrscheinlich wird noch unser Kind für die Folgen der Corona-Krise zahlen.“

Selten lagen Hoffen und Bangen im Tourismus so nah beieinander wie in diesen Tagen. Einerseits sind alle froh, dass man zumindest im eigenen Bundesland wieder überall einkehren und übernachten darf. Andererseits herrscht große Ungewissheit, was die Zukunft bringen mag. Jörg Böhm kann ein Lied davon singen. Vor 16 Jahren eröffnete er an der Talsperre Pöhl den ersten Kletterwald Deutschlands. Doch die letzten Jahre haben ihm und seinem Projekt übel mitgespielt: erst Sturmtief Herwart, dann der Borkenkäfer, nun Corona. Immer, wenn Böhm glaubte, das Schlimmste überstanden zu haben, kam es doch noch schlimmer. Den Saisonstart 2020 musste er wegen der Pandemie um vier Wochen verschieben. Und als er Anfang Mai wieder öffnete, waren die Leute erst mal baff: Darf der das überhaupt? 

Bahne frei: Rund tausend Meter kann man auf der Sommerrodelbahn in Altenberg zu Tale rauschen. Das Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung wird gern gesehen, ist aber keine Pflicht.
Bahne frei: Rund tausend Meter kann man auf der Sommerrodelbahn in Altenberg zu Tale rauschen. Das Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung wird gern gesehen, ist aber keine Pflicht. © Egbert Kamprath

Nun kommen sie wieder und hangeln sich von Baum zu Baum oder von Baumstumpf zu Baumstumpf. Natürlich gelten auch im Kletterwald besondere Regeln. Besucher müssen eine Maske bei sich tragen und unter den Lederhandschuhen noch welche aus Vinyl – beides für den Fall, dass ein Mitarbeiter zu Hilfe eilen muss, erklärt der Chef. Auf den Plattformen dürfen sich maximal drei Personen gleichzeitig aufhalten. Schöner Nebeneffekt: Es gibt keine Drängelei. Böhm kann mit den Vorschriften leben, Sorgen macht er sich aber wegen der Schulklassen, denn die dürfen auf absehbare Zeit nicht mehr kommen. Schade für die Kinder, schlimm für Böhm.

Tourismus ist nicht systemrelevant. Diese Erfahrung mussten alle machen, die damit ihr Geld verdienen. Auch im Sonnenlandpark bei Chemnitz. Die Tore geschlossen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit: „Gespenstisch“ sei es hier gewesen, berichtet Marketingleiterin Anita Müller. Zuerst durfte das Tiergehege öffnen, danach die gesamte Anlage. „Wir haben mehr Besucher als erhofft, aber deutlich weniger als sonst“, konstatiert Müller. Beliebteste Attraktion ist ein 30 Meter hoher Rutschenturm, der in der Winterpause noch einmal aufgestockt wurde; Premiere erlebt auch ein Karussell mit hüpfenden Hasen. Die Besucher können sich auf dem 30 Hektar großen Gelände frei bewegen, nur an einigen Attraktionen sind Laufwege vorgegeben. Überall gibt es Desinfektionsspender, lediglich an der Kasse herrscht Maskenpflicht.

Lausitz statt Sardinien: Marco und Peggy Berthold aus Dresden haben sich am Geierswalder See gleich mal als Dauercamper angemeldet. Den Betreiber Martin Tinko (li.) freut’s.
Lausitz statt Sardinien: Marco und Peggy Berthold aus Dresden haben sich am Geierswalder See gleich mal als Dauercamper angemeldet. Den Betreiber Martin Tinko (li.) freut’s. © Steffen Klameth

Wer Achterbahn fahren will, ist hier falsch. Dafür lockt das Sonnenland mit den geringsten Wartezeiten aller deutschen Erlebnisparks. Zumindest am ersten Sonnabend nach Wiedereröffnung besteht daran kein Zweifel: Anstehen muss man fast nirgendwo. „Die Leute sind vielleicht noch ein bisschen vorsichtig“, meint Anita Müller.

Das könnte sich schon bald ändern. Himmelfahrt lieferte einen Vorgeschmack, zu Pfingsten erwartet die Tourismus- und Marketinggesellschaft Sachsen (TMGS) einen regelrechten Ansturm, und in den Sommerferien könnten die Plätze knapp werden. „Dann sind es die Sachsen selbst sowie Familien aus den benachbarten Bundesländern, die sehr gern bei uns Urlaub machen“, sagt TMGS-Sprecherin Ines Nebelung. Unterkünfte in Sachsen seien für die Sommerferien schon sehr gut gebucht, insbesondere Ferienhäuser und -wohnungen sowie Appartements.

Unter Dampf: Rund 500 Passagiere zuckelten vergangenes Wochenende mit der Lößnitzgrundbahn zwischen Radebeul-Ost und Radeburg. Für alle gilt Maskenpflicht – auch offenen im Aussichtswagen.
Unter Dampf: Rund 500 Passagiere zuckelten vergangenes Wochenende mit der Lößnitzgrundbahn zwischen Radebeul-Ost und Radeburg. Für alle gilt Maskenpflicht – auch offenen im Aussichtswagen. © Christian Juppe

Wer rechtzeitig reserviert, ist also im Vorteil. Zumindest dort, wo man reservieren kann. Bei Martin Tinko ist das nicht möglich: „Bei uns gilt das Motto: Zeitiges Kommen sichert die besten Plätze.“ Der 36-Jährige betreibt einen Campingplatz am Geierswalder See, zweieinhalb Hektar Wiese ohne Hecken, dafür mit viel Platz für bis zu 150 Caravans sowie sieben mobile Bungalows. Und verdächtig günstigen Preisen.

Das spricht sich rum. Marco und Peggy Berthold aus Dresden kommen seit zwölf Jahren regelmäßig hierher, dank Corona sind die Stammgäste nun sogar Dauercamper: „Für Langzeitgäste durften wir den Platz bereits am 20. April öffnen“, erklärt Martin Tinko. Also mietete das Paar aus der Landeshauptstadt den Stellplatz gleich mal für drei Monate. Dass die Sanitäreinrichtungen zunächst verschlossen blieben, war kein Problem: „Zum Wäschewaschen sind wir mal schnell nach Hause gefahren“, sagt Peggy Berthold. Nun gilt eine neue Hygieneverordnung, die zwischen Dusche und Toilette unterscheidet. Damit darf zumindest das Klo wieder benutzt werden. Aber nur mit Mund-Nasen-Schutz.

Von Baumhaus zu Baumhaus: In der „Geheimen Welt von Turisede“ an der Neiße spielt sich vieles über der Erde ab. Selbst Tiere leben hier auf dem Dach.
Von Baumhaus zu Baumhaus: In der „Geheimen Welt von Turisede“ an der Neiße spielt sich vieles über der Erde ab. Selbst Tiere leben hier auf dem Dach. © André Schulze

Dem Ehepaar Berthold kann das dank Caravan egal sein. Ärgerlicher finden sie, dass sie ihre Silberhochzeitsreise abblasen mussten: „Eigentlich wollten wir nach Sardinien.“ Lausitz statt Sardinien, Ostsee statt Mallorca: So könnte bei vielen Deutschen der nächste Sommerurlaub aussehen. In einer Umfrage von Holiday Check gab fast jeder Dritte an, in diesem Jahr Urlaub im eigenen Land machen zu wollen.

Wenn das stimmt, dann wäre die Kulturinsel Einsiedel das perfekte Ziel. „Bei uns erlebt man echte Abenteuer, ohne um die Welt zu reisen“, sagt Gründer und Kreativdirektor Jürgen Bergmann. Findige Köpfe und geschickte Handwerker haben hier links und rechts der Neiße eine eigene Welt geschaffen – die „Geheime Welt von Turisede“. Unzählige Baumhäuser, Dachwanderweg, Geheimgänge, Theater, Bierbad – alles ziemlich schräg und fast alles aus Holz. Weil ein Tag nicht ausreicht, um diese Welt zu erkunden, bleiben viele Gäste über Nacht. „Im Januar und Februar hatten wir 30 Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr“, sagt Bergmann. Und nun alles auf Anfang. Er führt in den Bereich, der nur für Mitarbeiter zugänglich ist. Es ist das zweite Geheimnis des Freizeitparks: eine riesige Werkstatt, in der Hütten, Häuser und Spielplätze für Kunden in ganz Europa entworfen und gefertigt werden. „Unser Hauptgeschäft“, sagt Bergmann. Und auch das leidet: Viele Aufträge wurden gestoppt, die polnischen Mitarbeiter dürfen nicht über die Grenze.

Einfach mal abtauchen: Im Wellness-Hotel „Bei Schumann“ in Kirschau ist das seit einer Woche wieder möglich.
Einfach mal abtauchen: Im Wellness-Hotel „Bei Schumann“ in Kirschau ist das seit einer Woche wieder möglich. © SZ/Uwe Soeder

Landesweit beziffert Sachsens Tourismusministerium das Minus während der Schließzeit auf rund 140 Millionen Euro – pro Woche. Macht summa summarum 1,2 Milliarden. „Die ersten Stornierungen kamen rein, da hatten wir noch gar nicht geschlossen“, sagt Rüdiger Schumann. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er ein weithin bekanntes Wellness-Hotel in Kirschau nahe der Grenze zu Tschechien. Die Schließung habe dem Haus Umsatzeinbußen im hohen sechsstelligen Euro-Bereich beschert. Nun hofft er, dass ihm seine Versicherung zumindest einen Teil des Schadens ersetzt.

Dass die Deutschen künftig mehr Urlaub im eigenen Land machen wollen, hört der Hotelier gern – er mag es nur nicht so recht glauben: „Die Leute werden ihr Geld zusammenhalten und Geschäftsreisende ihre Tagungen per Videokonferenz abhalten“, prophezeit er. Und dann sei da bei vielen noch die Angst vor Corona. Und bei den anderen die Scheu vor der Maske.

Ohne Mund-Nasen-Schutz darf tatsächlich niemand das Hotel betreten. Auch in den Gängen herrscht Maskenpflicht. Vorm Eingang steht ein Desinfektionsspender, überall mahnen Schilder zur Einhaltung des Mindestabstandes. Das ist zumindest in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung kein Problem, die Gästezahl ist überschaubar.

Mit edler Maske: „Ach, Corona, wir haben schon die Cholera überstanden“: August der Starke alias Klaus-Dietmar Matthes unterhält seit einer Woche wieder die Gäste im Dresdner Restaurant Sophienkeller – samt edel bestickter Maske.
Mit edler Maske: „Ach, Corona, wir haben schon die Cholera überstanden“: August der Starke alias Klaus-Dietmar Matthes unterhält seit einer Woche wieder die Gäste im Dresdner Restaurant Sophienkeller – samt edel bestickter Maske. © Christian Juppe

Trotzdem seien alle Mitarbeiter „happy“ gewesen, dass es nun wieder losgeht. Das Frühstück wird serviert, es gibt zwei Zeitfenster. Vorschrift ist Vorschrift, aber wo es geht, wird diese auch kreativ ausgelegt. Während anderswo die Hotelpools gesperrt bleiben, dürfen die Gäste bei Schumanns die beiden Außenbecken nutzen. „Wir sind ein Hotel und keine Badeanstalt“, sagt der Besitzer.

Der Wille ist groß, das Geschäft mit den Touristen wieder anzukurbeln. Auch bei Schauspieler Klaus-Dietmar Matthes. Seit mehr als zwei Jahrzehnten mimt er August den Starken und unterhält die Gäste im Dresdner Restaurant Sophienkeller. „Ach, Corona, wir haben schon die Cholera überstanden“, witzelt der Kurfürst, und sein Alter Ego Matthes fügt hinzu: „Wir sollten nicht nur nach einem Rettungsschirm rufen.“ Also schlüpft er gleich am Tag der Wiedereröffnung in sein barockes Kostüm und parliert mit den Besuchern. Dass er sich dabei eine Maske vors Gesicht binden muss, nimmt er gelassen hin, und auch den Gästen scheint der Anblick nicht befremdlich zu sein. Immerhin ist es ein sehr edles Teil – ein Geschenk der Gräfin Cosel.

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