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Das große Hoffen im Müglitztal

Das Städtebahn-Aus trifft vor allem Pendler – so auch in Glashütte. Dort nutzen besonders viele ein Jobticket.

Ein historisches Foto? Vielleicht. Vorige Woche rollte vermutlich zum letzten Mal ein Triebwagen mit dem Logo der Städtebahn Sachsen durchs Müglitztal.
Ein historisches Foto? Vielleicht. Vorige Woche rollte vermutlich zum letzten Mal ein Triebwagen mit dem Logo der Städtebahn Sachsen durchs Müglitztal. © Stefan Müller

Das Aus der Stadtbahn Sachsen hat viele überrascht. Auch die Mitarbeiter des Uhrenherstellers Nomos Glashütte waren geschockt. Denn viele von ihnen kommen mit der Bahn zur Arbeit, weil ihr Unternehmen ihnen die Fahrkosten über das Jobticket komplett erstattet.

Die Einstellung des Bahnbetriebes kam für die Nomos-Mitarbeiter so wie für alle Bahnkunden ohne Ankündigung, sagt Unternehmenssprecherin Alexa Montag. Inzwischen haben sich ihre Kollegen mit der Situation arrangiert. Sie sind auf die Busse umgestiegen, die als Ersatz fahren. „Der Schienenersatzverkehr läuft gut“, sagt Montag. Allerdings seien die Busse kein kompletter Ersatz, weil sie zwischen Heidenau und und Glashütte nicht im gewohnten Takt der Bahn fahren können.

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So fehlt unter anderem der Direktzug, der den Hauptbahnhof in Dresden mit Glashütte verbindet. Nomos habe auf die veränderten Fahrzeiten reagiert. Beim Arbeitsbeginn und der Besetzung der Abteilungen wurde ein bisschen umgeplant. „Natürlich ist die Situation nicht schön für die Kunden“, sagt Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Dass die Städtebahn Probleme hat, habe sich immer wieder gezeigt. „Dennoch kam das plötzliche Aus auch für uns überraschend.“ Der Rathauschef bedauert, dass die Städtebahn den Betrieb so kurzfristig eingestellt hat, so dass es keine Chance gab, rechtzeitig einen anderen Anbieter zu suchen oder zumindest auch die Kunden zu informieren.

Dreßler hofft, dass die Einstellung des Bahnbetriebes sich nicht negativ auf das Jobticket auswirkt. Denn dieses hat mit dafür gesorgt, dass viele Pendler, die zur Arbeit nach Glashütte kommen, auf Bus und Bahn umgestiegen sind. Das hat die Parkplatzsituation in der Uhrenstadt ein wenig entspannt. Denn das Jobticket wird nicht nur den Mitarbeitern von Nomos Glashütte angeboten, sondern auch den Beschäftigen der Uhrenfabrik Union und der Uhrenmanufaktur Glashütte Original. 

Der Stadt Glashütte ist es Anfang des Jahrs gelungen, das Angebot zu erweitern. Glashütte Original erklärte sich bereit, sein Jobticket für andere Unternehmen zu öffnen. Diese können unter dem Dach dieser Uhrenfirma ihren Mitarbeitern verbilligte Monatskarten für Bus und Bahn anbieten. Diese Tickets sind in jedem Fall 20 Prozent günstiger, weil je zehn Prozent der Ticketkosten das Verkehrsunternehmen – hier der Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) – und der Arbeitgeber übernimmt.

Der Regionalverkehr und die Stadt Glashütte hofften, so die Zahl der Nutzer weiter zu steigern. Bisher lag diese auf einem vergleichsweise hohen Niveau, schwankte aber. 2016 besaßen 203 Mitarbeiter in Glashütte ein Jobticket, im Januar 2017 waren es 277, Anfang 2018 waren es 260. Auch beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) möchte man die Zahl erhöhen. 

Das Aus der Städtebahn bedeutet einen Rückschlag. Ob das Auswirkungen auf die Zahl der Jobticket-Teilnehmer haben wird, kann VVO-Sprecher Christian Schlemper vor dem Hintergrund von Kündigungsfristen, der Ferienzeit und der ja erst vor ein paar Tagen aufgetretenen Probleme derzeit nicht sagen. Natürlich seien solche Erfahrungen nicht förderlich, um neue Kunden zu gewinnen beziehungsweise Pendler für einen Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern, so Dreßler. 

Es wird sicher einige Zeit dauern, um das Vertrauen wieder zurückzuerlangen. Wichtig sei, dass es dem VVO zügig gelingt, einen neuen Partner zu finden, der die Züge wieder verlässlich fahren lässt. Dreßler hofft, dass der neue Betreiber neue Ideen mitbringt, auch in Hinblick auf eine Direktanbindung zum Hauptbahnhof Dresden und eine Taktausweitung in den Abendstunden. „Und ich hoffe, dass der neue Betreiber mit der DB Netz gut zusammenarbeitet und so die Zugausfälle minimiert werden. Am Ende bietet das aktuelle Dilemma also hoffentlich auch Chancen für Verbesserungen“, so Dreßler. 

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Der VVO kennt diese Position. „Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an einer Wiederaufnahme des Zugverkehrs“, sagt Sprecher Schlemper. „Für uns steht der stabile Verkehr im Vordergrund.“ Bisher sei nichts Zusätzliches geplant, um den Jobticket-Nutzern entgegenzukommen.

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