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Das große Jahr der Waldschlößchenbrücke

Der Bau hat sich wieder verzögert. 2013 soll die neue Elbquerung feierlich übergeben werden. Die Frage ist, wann die Autos rollen.

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Von Peter Hilbert

Feiertagsruhe ist derzeit auf der Waldschlößchenbrücke eingezogen. Erst ab 7. Januar wird dort weitergebaut, kündigt Projektleiter Michael Wothe von der Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen (Arge) an. Die ist dieses Jahr nicht ganz so weit gekommen wie geplant. Wie geht es jetzt weiter?

Der Fußwegbau: Am Bogen

klaffen noch 100-Meter-Lücken

Anfang Dezember sollten die jeweils 636 Meter langen Fuß- und Radwege beiderseits der künftigen Fahrbahn fertig sein, noch vor Weihnachten die Straße. Daraus ist nichts geworden. „Dafür war die Witterung zu kalt“, erklärt Wothe. Denn betoniert werden können die sogenannten Fußwegkappen nur bei Temperaturen über null Grad.

Allerdings nutzten die Bauleute das Tauwetter vor Weihnachten. Am 18. Dezember rollte noch einmal die große Betonpumpe an. Hergestellt wurden zwei jeweils 36 Meter lange Abschnitte. Die Betonbänder auf der Altstädter und Neustädter Seite erstrecken sich jetzt bis zum Bogen. Nun klaffen in der Brückenmitte noch zwei gut 100 Meter lange Lücken. „Wenn wir hintereinander durcharbeiten können, wären wir mit dem Kappenbau in drei Wochen fertig“, sagt Wothe. „Dafür müsste aber ein milder Januar kommen.“

Bei gutem Wetter werden über 30 Mann im Zwei-Schicht-System eingesetzt. Sind die Fußwege fertig, kommen auch die letzten Stahlgeländer an die Brücke. Einen Teil davon haben bayerische Monteure schon angebaut. Wenn das gesamte Geländer steht, kann es ausgerichtet und mit großen Schrauben endgültig befestigt werden. Zuvor werden in die Handläufe Stahlseile eingezogen. Schließlich sollen die Geländer so stabil sein, um den Anprall eines von der Fahrbahn abgekommenen Autos abzufangen.

Die Fahrbahndichtung: Bauleute

hoffen auf wärmere Temperatur

Im Oktober war auf der Altstädter Seite damit begonnen worden, den Straßenbau vorzubereiten. Auf einem etwa sieben Meter breiten Streifen trugen Spezialisten Epoxidharz auf die Fahrbahnplatte auf. Verlegt wurden darüber Bitumenschweißbahnen als Dichtung. Doch kurz vorm Brückenbogen war damit Schluss. Der Wintereinbruch stoppte diese Arbeiten.

„Damit wir weitermachen könne, müssen die Temperaturen dauerhaft über acht Grad sein“, nennt Projektleiter Wothe die Voraussetzung. Insgesamt müssen rund 16 000 Quadratmeter Dichtung aufgebracht werden. Das kann parallel zum Fußwegbau geschehen. Dafür sind vier Wochen nötig.

Der Straßenbau: Arbeiten dauern im Extremfall bis April

Sind die Fußwege fertig, kann der Straßenbau beginnen. Auch dafür sind Plusgrade nötig. Ein Deckenfertiger soll auf der insgesamt 14,5 Meter breiten Straße zwei Schichten Gussasphalt aufbringen. Zwei bis drei Wochen seien dafür nötig. „Wir bemühen uns, so schnell wie möglich fertig zu werden“, versichert der Projektleiter. Bei einem kalten Winter könnte jedoch drei Monate fast nichts auf der Baustelle getan werden. „Dann könnten sich diese Arbeiten bis April hinziehen“, kündigt er an.

Das Finale: Spätestens im Juni rollen Autos über die Brücke

„Wir können nur hoffen, dass es im Winter auch eine wärmere Periode gibt“, sagt Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz. Denn nach der Fertigstellung von Fußweg und Straße bleibt noch einiges zu tun. Das Tunnelsystem auf der Neustädter Seite ist zwar fertig. Die letzten Überprüfungen der Technik können aber erst ausgeführt werden, wenn auch alle Steuer- und Verbindungskabel zur Verkehrsleittechnik in die Rohre unter den Fußwegen eingezogen sind. Bei einem großen Test muss das Zusammenspiel aller Komponenten überprüft werden. Dann folgt ein Abnahmeprogramm. Dabei werden die Brandmeldeanlagen und die Tunnellüftung bei einem Brandversuch getestet. Auf der Brücke müssen dann unter anderem noch die LED-Fußwegbeleuchtungen an die Geländer montiert und die Blitzer aufgestellt werden. Zu einem konkreten Übergabetermin wollte sich Koettnitz nicht äußern. Fachleute schätzen ein, dass die Übergabe spätestens im Juni sein könnte.