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Meißen

Das große Zittern beim Spencer-Hill-Festival

Die Tochter von Bud Spencer steckte am Flughafen fest. Sie sollte die neue Biografie ihres Vaters präsentieren. Doch dann gab es eine unerwartete Lösung.

Und plötzlich war er da: Jess Hill, der Sohn von Italo-Western-Star Terence Hill gehörte am Freitagabend zu den Star-Gästen beim Spencer-Hill-Festival in Lommatzsch.
Und plötzlich war er da: Jess Hill, der Sohn von Italo-Western-Star Terence Hill gehörte am Freitagabend zu den Star-Gästen beim Spencer-Hill-Festival in Lommatzsch. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Ein bisschen Feierabendverkehr: Das wäre an einem normalen Freitag, kurz vor 15 Uhr, auf dem Lommatzscher Marktplatz zu erwarten. Doch an diesem Freitagnachmittag ist alles anders.

Vor allem Männer im Alter zwischen 25 und 45 Jahren spazieren durch das Lommatzscher Zentrum. Die meisten von ihnen tragen kurze Hosen, einen merkwürdigen roten Hut und bedruckte T-Shirts. Von dort schaut entweder das Konterfei von Schwergewicht Bud Spencer griesgrämig in die Gegend. Oder sein Filmpartner Terence Hill grinst schelmisch den Betrachter an. Manchmal ist das Italo-Western-Duo auch auf einem Shirt vereint.

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Spätestens jetzt wird klar. Zum zweiten Mal nach 2018 gastiert das Spencer-Hill-Festival in der sächsischen Kleinstadt mit ihren rund 5 000 Bürgern. Kommen – wie im vergangenen Jahr – erneut rund 8 000 Fans, würde sich die Einwohnerschaft für ein verlängertes Wochenende deutlich mehr als verdoppeln. „Für uns ist das wie der Tag der Sachsen für Riesa“, sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP).

Enttäuschung mach sich breit

Vor dem Eingang zum schmalen Tor des Terence-Hill-Museums am Markt hat sich unterdessen eine dichte Menschentraube gebildet. Das hat seinen besonderen Grund. Für 15 Uhr ist ein Auftritt von Christiana Pedersoli annonciert.

1962 kam sie als zweites Kind Bud Spencers auf die Welt. Beim Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag ist jetzt ihr Buch „Mein Papa Bud“ erschienen. Darin beschreibt sie, wie der Weltklasse-Schwimmer, Schauspieler und Erfinder mit dem Ruhm und dem Wirbel um seine Person umging und wie sein Beruf das Familienleben prägte. Sie berichtet über besonders private Momente und über ihr Aufwachsen in der Welt der Stars und des Glamours. Zudem lässt sie in ihrem Buch zahlreiche Familienmitglieder und Wegbegleiter zu Wort kommen und präsentiert ein letztes persönliches Interview mit ihrem Vater kurz vor dessen Tod.

In Lommatzsch soll die Italienerin als Ehrengast die neue Bud-Spencer-Wand im Terence-Hill-Museum enthüllen. Linkerhand vom Durchgang zum Hof verdeckt ein langes Laken die Attraktion. Von der Organisatoren kommt allerdings eine Hiobsbotschaft. Der sehnsüchtig erwartete Auftritt muss entfallen, Christiana Pedersoli steckt am Flughafen fest. Ihre Ankunft verzögert sich bis zum späten Abend.

Die Enttäuschung ist groß, doch Ablenkung nicht weit. Nur wenige hundert Meter entfernt ist auf dem Gelände des Lommatzscher Sportvereins ein gigantisches Volksfestgelände auf dem Rasen des Fußballplatzes entstanden. Das seinem Namen durchaus gerecht werdende Riesenrad dreht bereits seit den Mittagsstunden seine Runden. Von den Kanzeln hat der Besucher einen guten Überblick.

Gleich gegenüber liegt die Hauptbühne, auf der an diesem Wochenende unter anderem die Spencer-Hill-Magic-Band aus Ungarn und die Dune-Buggy-Band aus Italien spielen werden. Dazwischen verteilen sich Oldtimer und andere Requisiten aus den zahlreichen Filmen des schlagkräftigen Duos. Auf der anderen Seite des Riesenrades ragen die Spitzen des Kinozelts in die Luft. Benachbart steht ein riesiger Flipperpalast. Das Rumpeln ist im Eintritt inbegriffen.

Zu den Stammgästen bei dem Fantreffen zählt Eric Heyse. Mit seinem Bruder Denise hat er den weiten Weg aus Bremen auf sich genommen, um in Lommatzsch dabei zu sein. Wie kann es passieren, dass selbst so junge Menschen vom Spencer-Hill-Virus infiziert werden, wo sie doch die Filme nie im Kino sehen konnten?

Die beiden Heyses haben darauf eine einfache Antwort. In ihrer Kindheit habe das ZDF die Filme der beiden Stars erstmals im deutschen Fernsehen gezeigt. Eine Tante schnitt die Streifen am Video-Rekorder mit. Auf diese Weise gab es in den Sommerferien keine Langeweile. So entwickelten sich die Geschwister zu treuen Fans von Bud Spencer und Terence Hill. Schritt für Schritt bauten sie eine Sammlung mit Devotionalien und Erinnerungsstücken an die Filme der beiden auf. Diese bildet aktuell den Grundstock der Dauerausstellung im Lommatzscher Terence-Hill-Museum. Der ursprünglich als Marion Girotti auf die Welt gekommene Italiener verlebte in der Stadt seiner Mutter glückliche Kindheitsjahre.

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