SZ +
Merken

Das Handwerk in Riesa boomt

Kreishandwerksmeister Kurt Hähnichen spricht von einem erfolgreichen Jahr 2011. Manches müsse aber besser werden.

Teilen
Folgen

Der Euro kränkelte, doch die deutsche Wirtschaft boomte im Jahr 2011. Davon konnten auch die mittelständigen Betriebe und Handwerker in Riesa und Umgebung profitieren. Kreishandwerksmeister Kurt Hähnichen blickt deshalb auf ein positives Jahr zurück und hofft, dass es auch 2012 gut für die Wirtschaft der Region weitergeht. Allerdings sieht er auch Probleme, die dringend gelöst werden müssen, wie er im SZ-Gespräch erklärte.

Herr Hähnichen, war es ein gutes Jahr für die Handwerker der Region?

Auf jeden Fall. Meines Erachtens nach hat sich die wirtschaftliche Lage enorm stabilisiert. Gerade im Baugewerbe hat es eine enorme Auftragsflut gegeben. Der Anlass dafür war allerdings weniger schön. Denn vor allem die Naturkatastrophen Flut und Tornado waren für diesen Effekt verantwortlich. Wir wünschen uns natürlich, dass dies alles auch ohne solche Ereignisse möglich ist. Nur mit kontinuierlichen Einnahmen können wir Auszubildende und Fachkräfte in der Region halten.

Viele Menschen sind durch die Finanz- und Schuldenkrise verunsichert. Stimmt es, dass sie ihr Geld lieber ausgeben, als zu sparen?

Diese Tendenz beobachten wir auch. Viele Menschen lösen Aufträge aus zur Sanierung ihrer Wohnungen oder Häuser. Manche kaufen sich neue Bäder oder Küchen. Das bestätigen auch die Banken, mit denen wir zu tun haben. Immer mehr Leute heben Geld ab, um es auszugeben. Als Besitzer eines Autohauses kann ich den Trend aber auch bestätigen. Es kommt immer öfter vor, dass die Kunden ihre Autos komplett bar bezahlen. Ratenzahlung geht dagegen weiter zurück. Das war vor ein paar Jahren noch ganz anders.

Wenn Sie gerade von Ihrem Autohaus sprechen. Es wird gemunkelt, Sie haben Insolvenz angemeldet. Stimmt das?

Nein, das sind Gerüchte. Es stimmt, dass wir kürzlich kleinere Probleme mit der Auslieferung von Bestellungen hatten. Aber das konnten wir mit Hilfe unserer Hausbank lösen.

Spielen Banken eine große Rolle für die Handwerker der Region?

Sicherlich tun sie das. Vor allem, wenn ein Unternehmen vielleicht sogar unverschuldet in Not gerät oder investieren muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Problem dabei ist allerdings, dass man Kredite ja mit Eigenkapital absichern muss. Doch genau das fehlt vielen Mittelständlern im Zweifelsfalle. Es müsste sich daher einiges ändern an den Regeln, wie Handwerker Kredite bekommen. Das sollte auch schon vorher beginnen und zwar mit einer fachkompetenten Beratung der Hausbank, damit es keine bösen Überraschungen gibt, wenn irgendwann das Finanzamt kommt.

Die Regeln der Kreditvergabe sind sicherlich nicht die einzigen Probleme im Handwerk. Wo müssten sich die Regeln noch ändern?

Die Rente mit 67 ist ebenfalls nicht optimal. Nicht jeder Beruf eignet sich, um bis zu diesem Alter darin zu arbeiten. Wenn jemand mit 63 schon in Ruhestand geht, dürfte das nicht zu Abzügen bei der Rente führen. Es bedarf hier politischer Reformen, um eine Lösung für das Problem zu schaffen. Außerdem müsste die Ausschreibungsproblematik angegangen werden. Nicht der billigste dürfte immer die Aufträge bekommen, sondern auch der, der sich für gerechte Löhne einsetzt, Fachkräfte beschäftigt und eine ordentliche Lehrausbildung vorantreibt. Nur so können wir gegen den demografischen Wandel ankämpfen und junge Leute in der Region behalten.

Das Gespräch führte: Robert Reuther