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Das hat der Hagel angerichtet

Eiskörner, groß wie Hühnereier, gehen auf Nieder Seifersdorf nieder. Nun ist schnelle Hilfe gefragt.

Dieses Scheunendach hat der Hagel am Sonnabend in kürzester Zeit in ein Sieb verwandelt.
Dieses Scheunendach hat der Hagel am Sonnabend in kürzester Zeit in ein Sieb verwandelt. © André Schulze

Katrin Müller mag noch immer nicht glauben, was sie vergangenen Sonnabendnachmittag in ihrem Haus in Nieder Seifersdorf erleben musste. Zehn Minuten, die die Stabilität ihres Anwesens auf eine harte Probe gestellt haben. Inzwischen realisiert sie, was geschehen ist. 

Kurz nach Vier brach ein kräftiger Sturm über den Ort herein. Nur ein paar Minuten später ging das Licht aus. „Als ich nach draußen sah, fiel mir der Grund sofort ins Auge. Von einem Baum auf der gegenüberliegenden Straßenseite war ein dicker Ast auf die Oberleitung gestürzt und hatte sie zerstört.“ Das sollte sich aber nur als Auftakt für ein Unwetter entpuppen, „das ich so noch nicht erlebt habe“, sagt Katrin Müller. „Hagelkörner in der Größe von Hühnereiern prasselten auf das Haus nieder. Ich rannte auf den Boden. Zum Glück hielten die Dachfenster das ohrenbetäubende Geprassel aus.“

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 Draußen sei es in Sekundenschnelle weiß geworden. Das Scheunendach, stellte sich heraus, ging aus der Belastungsprobe als Verlierer hervor. „Es wurde durchlöchert wie ein Sieb. Auch am Hausgiebel auf der Nordseite krachte es fürchterlich. Dort sieht es jetzt wie nach Einschüssen aus.“ Als der Spuk vorbei war, rückten Feuerwehr und Enso an. Die zerstörte Leitung wurde stromfrei gelegt, dann der Ast herausgeschnitten, danach die Energieversorgung wiederhergestellt.

Auch Christina Buhl ist erschüttert von dem, was sich am Sonnabendnachmittag zugetragen hat. Sie selbst war auf Arbeit, nur ihr Sohn Thomas zu Hause. „Er konnte gar nichts machen. Das Unwetter hatte so eine Wucht“, ist die junge Frau den Tränen nahe. Und sie zeigt ins weite Rund. Überall auf dem Grundstück sind heruntergefallene und zerbrochene Dachziegel verstreut. Nicht nur das Wohnhaus ist betroffen, auch zwei Scheunen, ein Nebengebäude und die Garage haben jede Menge Wirkungstreffer abbekommen. „Für mich bricht hier eine Welt zusammen. Wir waren gerade dabei, eine Wohnung auszubauen, da kommt diese Zerstörung über uns.“ Gartenlampen mit zerschlagenen Scheiben, eine durchlöcherte Regentonne, ein Wellasbestdach, das den Begriff Dach eigentlich gar nicht mehr verdient. Auch die auf dem Hof abgestellten Autos haben Beulen abbekommen. Christina Buhl ist verzweifelt. „Wenn die Versicherung hier nicht einspringt, weiß ich nicht, wie das weitergehen soll.“

Offenbar haben Nieder Seifersdorf und ein paar angrenzende Ortschaften am vergangenen Sonnabend ganz einfach Pech gehabt, dass sie in der Zugrichtung der Unwetterzelle lagen. „Der gesamte ostsächsische Raum war in diesen Stunden von starken Regenfällen betroffen. Die Front kam vom Erzgebirge, zog dann nach Dresden und anschließend über Bautzen und Görlitz weiter gen Osten“, erläutert Meteorologe Philipp Hauf vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Die Niederschlagsmenge habe bei 25 bis 30 mm/h gelegen, der Durchmesser der Unwetterzelle etwa 15 bis 20 Kilometer betragen.

Wo genau die größten Hagelmengen niedergegangen seien, lasse sich nicht sagen. „Bei Gewittern ist das immer eng begrenzt – im Zentrum ist der Niederschlag sehr kräftig, an den Rändern weniger.“ Zur Hagelbildung brauche es mehrere Faktoren. „Es müssen labile Luftmassen vorhanden sein – mit der Veranlagung, hohe Wolken zu bilden. Außerdem eine gewisse Luftfeuchte. Und Wind“, nennt der Meteorologe die Voraussetzungen. Je länger kleine Eiskristalle durch Auf- und Abwinde in einer Wolke zirkulieren, desto größer können sie werden. Für Katrin Müller und Christina Buhl ist die Entstehung solcher Unwetter zwar interessant. Viel wichtiger aber ist, dass jetzt schnelle Hilfe kommt.

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