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Ferienwohnungen: Gefahr für Mietmarkt?

In der Stadt boomt das Angebot für Kurzurlauber. Welche Probleme Stadträte deshalb auf den Wohnungsmarkt zukommen sehen.

© dpa

Knapper Wohnraum – dieser Trend ist nicht mehr nur in Berlin, München oder Hamburg zu beobachten. Auch in Dresden werden passende, bezahlbare Wohnungen in Zentrumsnähe knapp. Diskutiert wird daher auch, wie viel Wohnfläche Dresdner eigentlich durch Ferienwohnungen verlieren. Und ob es notwendig ist, diese Zweckentfremdung von Wohnraum zu begrenzen? Diese Fragen beschäftigen die Stadt – und vielleicht auch bald Eigentümer von Ferienwohnungen.

Was heißt Zweckentfremdung und was will die Stadt dagegen tun?

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Der Dresdner Stadtrat hat auf die Initiative von SPD, Grünen und Linken Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) damit beauftragt, sich aktiv gegen eine Zweckentfremdung von Wohnraum einzusetzen. Eine Zweckentfremdung kann vorliegen, wenn Wohnraum ausschließlich oder größtenteils an Urlauber vermietet wird oder aus Spekulationsgründen länger leer steht. Es dürfe nicht sein, dass Eigentümer lieber an Touristen als an Dresdner vermieten, erklärt dazu SPD-Stadtrat Vincent Drews: „Dieser gewerblichen Umnutzung müssen wir einen Riegel vorschieben.“ Deshalb soll eine Zweckentfremdungsverordnung für Dresden geprüft werden, wie es sie in anderen Städten bereits gibt. Es braucht dafür ein Gesetz auf Landesebene. Im August wurde das Sächsische Staatsministerium des Inneren von der Stadtverwaltung darum gebeten, eine solche Regelung zu schaffen. So soll möglich werden, bei Bedarf kommunal gegen Zweckentfremdung vorzugehen.

Wie viele Ferienwohnungen gibt es in Dresden überhaupt?

Das wird derzeit ermittelt. Mit Ergebnissen ist laut Stadt im Frühjahr 2020 zu rechnen. Nach jetzigen Schätzungen soll es in Dresden 1.200 Ferienwohnungen geben. Dafür werden Ergebnisse der Zensus Gebäude- und Wohnungszählung von 2011 herangezogen. Die Plattform Airbnb listet zudem 1.457 Angebote auf – darunter 1.123 komplette Wohnungen (Stand April). Noch vor der Abfrage über das Portal airdna.com war die Verwaltung von weniger ausgegangen – von 880 Wohnungen sowie 330 einzelnen Zimmern. Das bedeutet eine Steigerung um rund 27 Prozent allein bei Airbnb-Angeboten. Mit Wimdu, Fewo-direkt.de oder 9flats gibt es weitere Vermittlungsportale. Auch über die Beherbergungssteuer, die das Steuer- und Stadtkassenamt erhebt, werden Ferienwohnungen erfasst. Im August 2018 waren 887 gemeldet.

In welchen Vierteln gibt es die meisten Ferienwohnungen?

Laut Stadtsprecher Karl Schuricht gibt es bisher keine adressgenauen Daten angebotener Ferienwohnungen. Er verweist auf eine Abschlussarbeit der TU Dresden von 2017. Diese hatte gezeigt, dass die meisten Angebote in der Äußeren Neustadt, dem Hechtviertel sowie der Altstadt und Blasewitz zu finden sind. Ein Blick auf die Airbnb Dresden bestätigt das: Vor allem in der Altstadt und in der Neustadt gibt es zahlreiche Einträge – auch gewerblich genutzte Wohnungen, die ausschließlich an Urlauber vermietet werden.

Warum wird die Vermietung von Ferienwohnungen kritisiert?

Wie Grünen-Stadtrat Michael Schmelich im Sommer klarmachte: Es gehe bei dem Vorstoß nicht um Enteignungen oder ein Ferienwohnungsverbot. Man wolle lediglich eine sichere Datengrundlage für Dresden, auf der man weitere Entscheidungen treffen könne. Um zu bestimmen, ob Ferienwohnungen den Dresdner Mietmarkt einschränken, brauche es neben Zahlen kommunale Möglichkeiten zu handeln. Dennoch benannte Stadträtin Pia Barkow (Linke) auch ein Problem: Eigens für Touristen angemietete Wohnungen würden Mietpreise in die Höhe treiben. Davor warnte im damaligen Expertenausschuss auch Tourismus-Professorin Sandra Rochnowski. Sie plädierte für eine zeitlich festgelegte Vermietung und eine Begrenzung auf bestimmte Viertel. Bei Verstößen solle eine Gebühr erhoben werden. Dass es Eigentümer auch um Profit gehe, sei ein anderer Vorwurf. Das kann Christian Rietschel, Vorsitzender des Vereins Haus und Grund, nicht nachvollziehen. „Aus meiner Sicht lohnt die Vermietung von Ferienwohnungen kaum. Der Arbeitsaufwand für wechselnde Gäste und die Ausstattungsaufwand sind erheblich, das wiegt eventuelle Mehreinnahmen nicht auf.“ Zudem gebe es Sicherheitsrisiken, da oftmals Haustüren offen gehalten werden müssten und Diebstahl von Mobiliar nicht selten sei. Anders sähe es aus, wenn mehrere Ferienwohnungen im selben Haus oder in der Nähe vermietet werden könnten und „der Vermieter so ständig vor Ort sein kann.“

Wie begegnen andere Städte den Problemen?

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