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„Das hier wird Dresdens Elbphilharmonie“

Kritikunfähigkeit, überzogene Selbstüberschätzung, mangelhafte Leistungen: Im Streit um die Rathaus-Sanierung lässt die Stadt kein gutes Wort an den entlassenen Planern. Diese werfen dem Hochbauamt wiederum die Täuschung des Stadtrats vor.

© steffen füssel, steffen fuessel

Kritikunfähigkeit, überzogene Selbstüberschätzung, mangelhafte Leistungen: Im Streit um die Rathaus-Sanierung lässt die Stadt kein gutes Wort an den entlassenen Planern. Diese werfen dem Hochbauamt wiederum die Täuschung des Stadtrats vor. Die Sächsische Zeitung sprach mit Richard Althoff, dem Anwalt der Planergemeinschaft.

Herr Althoff, die Planer haben am Montag widerstandslos die Rathaus-Baustelle verlassen. Das könnte man als ein Schuldeingeständnis interpretieren.

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Die Stadt hat die Übergabe aller Schlüssel und damit die Beräumung der Baustelle gefordert. Wären meine Mandanten dortgeblieben, könnte das sogar als Hausfriedensbruch ausgelegt werden. Sie hatten keine andere Möglichkeit, als die Baustelle zu räumen.

Die Stadt wirft den Planern vor, dass
sie die Sanierungskosten in die Höhe getrieben hätten. Stimmt das?

Das stimmt definitiv nicht. Die Kosten bewegen sich unverändert in dem Rahmen, der schon 2010 von den Planern in Aussicht gestellt wurde. Das ist selten genug bei einem öffentlichen Bauvorhaben. Das Problem ist, dass das Hochbauamt diese Prognose für sich behalten hat. Stattdessen ist dem Stadtrat offenbar stets eine andere Summe mitgeteilt worden.

Haben Sie einen Beweis dafür,
dass das Hochbauamt schon 2010
informiert war?

Es ist alles beweiskräftig dokumentiert, wie sich das gehört.

Seit vier Jahren werden dem Stadtrat andere Summen mitgeteilt, sagen Sie. Sind Sie da nicht einmal auf die Stadträte zugegangen, um das klarzustellen?

Das steht den Planern nicht zu. Sie haben einen Vertrag und können den Vertragspartner nicht hintergehen. Wie die Verwaltung mit den monatlichen Kosteninformationen umgeht, geht die Planer nichts an, das ist nicht deren Angelegenheit. Das ändert sich erst dann, wenn die Planer als die Schuldigen dafür hingestellt werden, dass die 25 Millionen Euro nicht reichen.

Haben die Planer denn nicht
beim Hochbauamt protestiert?

Zuletzt hatte das Hochbauamt in den Verträgen eine Kostenobergrenze von 32,8 Millionen Euro vorgeschlagen. Da haben wir gesagt: „Was ist das denn? Entschuldigung, wir haben euch gesagt, es kostet 38,4 Millionen Euro, warum schreibt ihr etwas anderes hinein?“ Meine Mandanten bekamen die Antwort: „So ist das, wenn Sie nicht unterschreiben, bekommen Sie den weiteren Auftrag nicht.“ Sie haben dann unterschrieben und ein separates Schriftstück eingereicht. Dort steht drin, dass sie der aufoktroyierten Kostenobergrenze widersprechen und dass diese Grenze für den geforderten Umfang nicht einhaltbar ist.

Und mehr nicht?

Ich habe immer gesagt: Das hier wird Dresdens Elbphilharmonie. Der große Unterschied zu Hamburg ist, dass das Dresdner Rathaus in Wirklichkeit nicht mehr kosten wird, als geplant. Wir haben häufig überlegt, was wir machen sollen. Gehen wir an die Öffentlichkeit? Spielen wir jemandem etwas zu? Ich habe gesagt, das geht nicht, das können wir nicht machen. Das steht uns nicht zu. Solange alles läuft, ist es deren Problem und wir halten uns an die Verschwiegenheitspflicht. Jetzt ist der Vertrag gekündigt und meine Mandanten werden als die angeblich Schuldigen dargestellt, da haben wir diese Pflicht nicht mehr.

Machen das alle Städte so,
die einen Bauplaner engagieren?

In dieser Extremität habe ich das noch nicht erlebt. Die mit so einer unglaublichen Energie, Nachhaltigkeit und Ignoranz betriebene, systematische Falschdarstellung ist mir neu.

Gab es oft Streit?

Mit 90 Prozent der Projektbeteiligten der Stadt gab es überhaupt keine Probleme. Mit denen kamen meine Mandanten hervorragend zurecht. Problematischer ist es bei den Personen, die für das Hochbauamt dieses Projekt leiten. Dort gibt es Verwerfungen und Konfrontationen. Zugespitzt hat es sich im Herbst letzten Jahres. Eigentlich nimmt sich der Bauherr ja einen Planer, damit dieser alle Fäden zusammenhält. Das funktioniert aber nicht mehr, wenn das Hochbauamt ständig alles besser weiß. Der Versuch zu erklären, warum Forderungen des Bauherrn Kosten erhöhen oder technischen Vorschriften widersprechen, wird dann als fehlende Vertrauensgrundlage dargestellt.

Die Stadt will die Rathaus-Sanierung nahtlos fortsetzen, ohne Zeitverzug und ohne Mehrkosten. Geht das?

Ich halte das für unmöglich. Der Architekt hat die Aufgabe, das ganze Orchester zu dirigieren. Der ist jetzt weg. Und wenn jetzt ein neuer kommt, der weiß ja noch gar nicht, was die anderen Planer und Gewerke alles gemacht haben. Sich einzuarbeiten ist jedenfalls mit einer Störung des Ablaufs verbunden. Die Stadt wird für den Nachfolgeplaner ein Ausschreibungsverfahren starten müssen. Von heute auf morgen geht das nicht.

Schuldet die Stadt den Planern Geld?

Die Kündigung kam genau an dem Tag, als das nächste Teilhonorar für die Planer gezahlt werden sollte. Bis heute ist dieses Geld nicht überwiesen worden.

Werden Sie gegen die Stadt klagen?

Wir werden anbieten, die Leistungen fortzusetzen, weil unserer Meinung nach der Vertrag weiterbesteht. Ich nehme an, dass dieses Angebot nicht angenommen werden wird. In diesem Fall werden wir auch von unserer Seite den Vertrag kündigen. Und dann spielt sich der ganze Rest auf der finanziellen Ebene ab. Wir werden mit Hilfe eines Sachverständigen eine Honorarabrechnung vornehmen.

... und Schadenersatz fordern?

Wir werden genau nach den Vorschriften der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure das vollständige Honorar abrechnen, zuzüglich des entgangenen Gewinns für die gekündigten Leistungen.

Das Gespräch führte Sandro Rahrisch.