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Dippoldiswalde

Das Hoffen in der Quarantäne

35 Erzgebirgler hatten eine schöne Reise nach Südtirol. Das dicke Ende kam eine Woche danach, als bei einem Mitreisenden der Coronavirus entdeckt wurde.

Die Menschen, die zu Hause unter Quarantäne gestellt sind, müssen sich benötigte Lebensmittel vor die Tür stellen lassen.
Die Menschen, die zu Hause unter Quarantäne gestellt sind, müssen sich benötigte Lebensmittel vor die Tür stellen lassen. © Symbolfoto: Sebastian Schultz

35 Einwohner aus Dippoldiswalde und Nachbarorten leben zurzeit in Quarantäne, dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen und sollen möglichst keinen anderen Menschen begegnen. Sie gehören zu einer Reisegruppe, die in Südtirol war und von der sich ein Mitglied mit dem Coronavirus angesteckt hat. Sächsische.de sprach mit einem Betroffenen aus einem Ortsteil von Dippoldiswalde.

Peter H. und seine Frau bewegen sich seit Sonntag nur noch in ihrer Wohnung und auf der Terrasse. Auch die beiden aus einem Ortsteil von Dippoldiswalde waren bei der Südtiroltour dabei. „Unser einziger Kontakt zur Außenwelt ist derzeit das Telefon. Unsere Tochter versorgt uns mit Lebensmitteln. Sie kauft ein und stellt uns die Beutel vor die Türe. Wie holen sie dann rein, ohne weiteren Kontakt“, erzählt Peter H. Sie wollen ja ausschließen, dass sie jemanden anstecken können.

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Traumhafte Landschaft, spannender Sport - das hat die Reisegruppe in Antholz erlebt. Nach der Rückkehr folgten zu Hause nicht so angenehme Erlebnisse.  
Traumhafte Landschaft, spannender Sport - das hat die Reisegruppe in Antholz erlebt. Nach der Rückkehr folgten zu Hause nicht so angenehme Erlebnisse.   © dpa

Mit seiner Frau war Peter H. schön öfter in Südtirol. „Antholz ist ja eine Garantie für schönes Wetter und bietet eine traumhafte Landschaft“, sagt er. „Dazu kommt noch der interessante Sport. Seit den Erfolgen von Tina Bachmann interessiert Biathlon ja auch viele.“ Als die Reisegruppe in Südtirol war, liefen in Antholz gerade die Biathlon-Weltmeisterschaften.

Speichelprobe und Sekret aus der Nase

Alles schien in Ordnung, als die Gruppe am 24. Februar mit wunderschönen Eindrücken zurückkam. Das Rentnerehepaar hat in der Woche danach sein normales Leben gelebt und auch viele Kontakte zu Menschen gehabt – so lange, bis vergangenen Sonntag, eine Woche nach ihrer Rückkehr, der Anruf vom Gesundheitsamt kam. Sie wurden über den Corona-Fall in der Reisegruppe informiert und aufgeklärt. „Seitdem sind wir in Quarantäne und auf unsere Wohnung beschränkt.“

Am Montag mussten beide zum Test nach Dippoldiswalde kommen. Dabei wurden eine Speichelprobe und etwas Sekret aus der Nase entnommen. „Das lief etwas holterdiepolter. Aber es ist klar, das muss sich alles auch erst einlaufen“, sagt Peter H. Jetzt sind er und seine Frau vor allem froh, dass sie das Ergebnis des Tests schon haben und bei ihnen keine Infektion vorliegt.

„Vor allem meine Frau bedauert, dass sie nicht raus kann. Sie geht so gerne joggen“, erzählt der Mann. Bei so schönem Wetter wie am Mittwoch ist die Quarantäne auch schmerzlicher als an Regentagen. Täglich bekommen sie einen Anruf vom Gesundheitsamt des Landkreises. Die Mitarbeiter erkundigen sich nach ihrem Wohlergehen, ihrem medizinischen Zustand und fragen, ob sie Hilfe brauchen.

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Zweimal am Tag Fieber messen

Auch sind die Betroffenen gehalten, zweimal am Tag Fieber zu messen und eine Liste mit den genauen Werten zu führen. „Weitere Verhaltensregeln haben wir nicht bekommen. Wir bemühen uns natürlich, gesund zu leben und niemanden anzustecken.“ Mit vielen anderen aus ihrer Reisegruppe stehen sie in engem Telefonkontakt und tauschen auf diesem Weg alle Neuigkeiten aus.

Im Prinzip sind die beiden aber optimistisch. „Wir sind kerngesund und hoffen, dass das alles schnell vorbei geht.“ Sie erwarten, dass sie noch Bescheid bekommen, ob eventuell noch ein weiterer Test erforderlich ist und dann bald der Alltag wieder einkehrt.

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Den Organisator der Reisegruppe kennen sie schon lange. Er hat früher beruflich diese Fahrten nach Südtirol auf die Beine gestellt. Viele Gäste sind regelmäßig dort mitgefahren. Für sein Stammpublikum führt er diese Aktivitäten auch im Ruhestand fort. Peter H. sagt: „Alle zwei, drei Jahre sind wir dort mitgefahren, immer nach Antholz.“

Als die Gruppe aus Dippoldiswalde dort ihren Urlaub verbracht hat, rechnete noch niemand damit, dass sich der Coronavirus schon bis Südtirol ausgebreitet hatte. In Italien gab es zwar Verbreitungsgebiete der Krankheit, aber diese lagen alle deutlich weiter südlich. Doch auch dieses Beispiel zeigt, wie schnell sich der Erreger in unserer mobilen Welt ausbreiten kann. Von Südtirol ins Osterzgebirge dauerte es nur wenige Stunden. 

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