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Das Hotel im Westen

Neuer Besitzer, neuer Name: Für das Hotel am Megadrome brechen andere Zeiten an. Sie sind auch mit Investitionen verbunden.

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Von Ines Scholze-Luft

Noch heißt das Hotel nur Hotel. Zumindest an der Fassade. Aber gerade die ist von der Straße aus gut zu sehen. Der unvollständige Name – die Ergänzung ist schon in Arbeit – ärgert Thomas Wirth. Er hat sein Haus West-Hotel getauft – ein klares Zeichen für die neue Etappe im Leben des Hauses. Das sollte eben auch nach außen gut zu erkennen sein, sagt Thomas Wirth.

Doch lange hält sich der neue Inhaber und Geschäftsführer des West-Hotels nicht bei den fehlenden Buchstaben auf. Schließlich gibt es genug anderes zu tun. Und vor allem sind es der Stolz und die Freude über das eigene Hotel, die den 39-Jährigen in erster Linie beherrschen.

Der gelernte Hotelfachmann und studierte Hotelbetriebswirt hat schon in zahlreichen Häusern gearbeitet – in Dresden, in Hamburg, in London. Und eines war ihm dabei immer klar, so erzählt er. Wenn er sich einmal selbstständig macht, dann in der Region Dresden. Nicht nur, weil der ursprünglich aus Hoyerswerda Kommende seinen Familien- und Lebensmittelpunkt in Bautzen hat. Sondern auch, weil Dresden immer eine touristische Hochburg sein wird, sagt Thomas Wirth. Deshalb hat er die Stadt und ihre Hotels selbst aus der Ferne nie aus den Augen gelassen.

Und so führte ihn der Weg schließlich zum Hotel Alexander. Das 1996 fertig gebaute Haus war einst eng verbunden mit den Namen Megadrome und seinem Erstbesitzer Tobollik. Später gehörte das Hotel einer ukrainischen Investmentgesellschaft. Als deren Managerin kündigte, trat Thomas Wirth auf den Plan. Seit Mai schon leitet er das Haus, hat es nun auch erworben und mit seiner Wirthotel Betriebs GmbH seit 1. Oktober die Geschäfte übernommen.

Ganz vorn auf der Prioritätenliste stehen für ihn die Investitionen. „Sie liegen im oberen sechsstelligen Bereich“, sagt der Hotelchef. Und nennt gleich mal die wichtigsten Verbesserungen: Seit Kurzem gibt es eine komplett eingerichtete Küche. Dadurch wird Halbpension möglich, sagt Thomas Wirth. Zuvor ging das auf Vorbestellung über einen Caterer. Die Gäste – etwa je zur Hälfte Touristen und Geschäftsreisende – können jetzt abends auch einen Snack bekommen. Nicht nur an das leibliche Wohl ist gedacht: Für alle 47 Zimmer, davon sieben Appartements, gibt es neue Fernseher und neue Betten. Die Bausubstanz zeigt sich zum Glück solide – ein paar Mängel mussten allerdings behoben werden. Auch hier waren Investitionen nötig. Zum Beispiel, um das undichte Flachdach wieder in Ordnung zu bringen.

Das Hotel ist aber noch mehr als Küche und Gästezimmer. Für Veranstaltungen stehen das Restaurant, die Bauernstube, ein Tagungsraum und zwei kleinere Seminarräume zur Verfügung. Außerdem gibt es in dem Gebäude elf Wohnungen sowie Büroräume.

Thomas Wirth schaut auch über die Hotel-Grenzen hinaus. Auf das benachbarte Megadrome beispielsweise. Da ist von Zusammenarbeit die Rede. Wenn dort ein Konzert stattfindet, können Künstler und Konzertgäste im West-Hotel beherbergt werden. Für die Silvesterparty im Megadrome sind schon Hotelgäste angemeldet.

Ohne gute Mitarbeiter lassen sich die Aufgaben im Hotel nicht meistern. Thomas Wirth schätzt sein Team sehr. Drei Festangestellte hat er übernommen, insgesamt fünf arbeiten bei ihm. Der Chef legt großen Wert darauf, dass sie in den gesamten Prozess im Hotel einbezogen sind. Auch so will er die Philosophie der Gastfreundschaft umsetzen. So mancher Gast habe ihm schon versichert, dass er von der Herzlichkeit im Haus begeistert ist, sagt Thomas Wirth. Das soll ihn einem weiteren Ziel näher bringen. In den kommenden zwei Jahren will er auf 35 Prozent Jahresauslastung kommen. 2011 lag sie bei 20 Prozent, dieses Jahr strebt er sieben Prozent mehr Belegung an.

„Ich will das Haus wieder hochbringen, mit viel Engagement, Ehrgeiz, Eigeninitiative und Erfahrung“, sagt der Hotelchef. Sein Sohn wird ihn wohl ab und an dabei unterstützen. Der bald 17-Jährige, der in Basel lebt, hilft hier in den Ferien schon mit.