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Das Hoyerswerda von Morgen

Frage an die OB-Kandidaten: Welche Schwerpunkte sehen Sie beim Stadtumbau, welche Ziele verbinden Sie damit?

Im Wohnkomplex VI lässt die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda zwei Viergeschosser abreißen: Lilienthalstraße 1-7 (vorn) und die Sputnikstraße 28-38 (links). Derzeit werden die Gebäude entkernt.
Im Wohnkomplex VI lässt die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda zwei Viergeschosser abreißen: Lilienthalstraße 1-7 (vorn) und die Sputnikstraße 28-38 (links). Derzeit werden die Gebäude entkernt. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Eine sich immer weiter ausdehnende Stadt lebenswert zu entwickeln, ist schon nicht einfach. Das kann man weltweit an den Megastädten mit ihrem unkontrollierbaren Einwohnerzuwachs beobachten. Städtebaulich sind die Vororte meist eine Katastrophe. Ver- und Entsorgung, Verkehrsinfrastruktur – die Kommunen kommen den steigenden Anforderungen oftmals nicht hinterher. Hoyerswerda hat das selbst vor einem halben Jahrhundert erlebt. 

Vor 40 Jahren dann der Einwohnerhöhepunkt, vor 30 Jahren die Wende im Staat, in der Wirtschaft, letztlich die Wende für die Goldgräberstadt Hoyerswerda. Die Welt kennt Orte, wo ganze Dörfer und Kleinstädte binnen kurzer Zeit aufgegeben wurden, weil eben beispielsweise der Goldrausch vorbei war und es sonst keinen Grund gab, dort zu bleiben. Es ist nun mal so, dass Hoyerswerda zur Wohnstadt für den Industriegiganten Schwarze Pumpe wurde. Und doch ist die Braunkohle nicht der einzige Grund, hier leben zu wollen und es auch zu können. Angepasst werden musste und muss die Stadt auch weiterhin. Nur gibt es dafür weltweit keinen Plan, den man kopieren könnte. Es sind so unglaublich viele Millionen in die Sanierung der Altstadt, aber eben auch in die Sanierung vieler Mehrfamilienhäuser in der Neustadt geflossen, dass, wenn jemand sagt, dass sich hier in 30 Jahren nichts getan hat, diese Aussage einfach nicht stimmt. In der Rückschau kann man stets vortrefflich ausmachen, wer wann wo eine Entwicklung nicht gesehen oder noch an Wachstum geglaubt hat. In Hoyerswerda gibt eine keine leerstehenden Häuser mit eingeschlagenen Scheiben und notdürftig gesicherten Gründerzeitfassaden. Es ist durch den Abbruch von Gebäuden gelungen, keinen sichtbaren Leerstand und damit Tristesse zu bieten. Doch wie soll es weitergehen? Der Abriss von außen nach innen gilt vom Prinzip her noch immer. Es gibt Areale, die können entwickelt werden und es gibt Gegenden, die sind als Rückbaugebiet vorgesehen. Mit der Idee des Zuse-Campus werden auch wieder Meinungen lauter, dass man das mit dem Abreißen weiterer Gebäude doch lassen sollte, wenn man Studenten in der Stadt unterbringen will.

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Und bei den aktuellen finanziellen Konditionen leisten sich viele Menschen das eigene Haus. Wenn es denn geeignete Grundstücke dafür gibt, auch gern in der Stadt. Stadtumbau wird eines der beherrschenden Themen im Rahmen des Strukturwandels sein. Die Frage, die alle umtreibt, die aber niemand beantworten kann: Wird Hoyerswerdas Einwohnerzahl in den nächsten 20 Jahren weiter sinken oder auch wieder steigen?

Die Hoyerswerdaer Oberbürgermeister-Wahl findet am 6. September statt, ein möglicher zweiter Wahlgang am 20. September. TAGEBLATT hat allen fünf Kandidaten Fragen zu insgesamt fünf Themenkomplexen gestellt. 

Dorit Baumeister, parteilos mit:

Die städtebauliche Entwicklung gehört zu den Hauptaufgaben einer Verwaltung. Die Stadt mit Ihren Ortsteilen und dem Scheibe-See bietet großes Potential für eine nachhaltige Standortaufwertung. Die Verwaltung muss diesen Prozess mit vielen Partnern, bürgerbeteiligt, strategisch vorantreiben und ihre Planungshoheit mit deutlich mehr Verantwortung wahrnehmen. Es sind die Chancen, die Qualitäten, die Funktionalitäten im Überblick, optimal herauszuarbeiten. Die Innenstadtlage Alt- und Neustadt verfügt über erhebliche Lücken und viel brach liegenden Gestaltungsraum dazwischen. Hier besteht hoher Handlungsbedarf. Die Einordnung des IT-Campus im Stadtzentrum in Verbindung mit einer Promenade an der Schwarzen Elster würde den entscheidenden Impuls setzen. Wir brauchen eine lebendige Wohlfühl-Stadtmitte, welche die beiden Zentren städtebaulich und funktional endlich miteinander verbindet. Priorität hat auch die Entwicklung des Scheibe-Sees inkl. seiner Anbindung an den Stadtraum. Eine vielfältige, moderne Stadt, die durch ihre besondere Wohn- und Lebensqualität besticht, wird eine hohe Anziehungskraft auf neue Mitbürger*innen besitzen.

Claudia Florian, Titel oder Funktion:

Der Wohnungsüberhang ist eins der zentralen Themen. Aufgrund von vielen unzureichend ausgelasteten Wohnhäusern muss ein Rückbau mit Auge und Maß weiter forciert werden. Dabei muss die Stadt auch auf die Bedürfnisse und Wünsche der Bürger sowie die Stadtidentität Rücksicht nehmen. Da die freigewordenen Flächen nicht zu Bauland umfunktioniert werden dürfen, muss das Ziel eine günstige, pflegeleichte sowie ansprechende Freiflächennutzung sein. Hier können Ideenwettbewerbe genutzt werden, um die Bürger an den Veränderungen aktiv zu beteiligen. Denkbar wären hier z.B. Bienen- oder Streuobstwiesen, welche günstig sind und das Stadtbild bei richtiger Pflege weiter aufwerten. Unter der Leitidee einer attraktiven Wohnstadt ist die Freigabe von attraktivem Bauland ein anderes zentrales Thema. Ziel ist hierbei, junge Familien zum Bauen und Bleiben in Hoyerswerda zu animieren und entsprechende Angebote zu schaffen. Als Stadt gilt es, entsprechende Möglichkeiten für neues Bauland zu prüfen und diese zügig freizugeben. Aber auch die Barrierefreiheit ist ein weiterer Schwerpunkt. Priorität muss hier die Beschleunigung des Vorhabens eines barrierefreien Bahnhofs haben.

Marco Gbureck, AfD:

Noch redet man von einer alternden Stadt, aber zukunftsorientiert denke ich, dass eine Stadt mit diesem Potential wie die unsrige, eine Vorzeigestadt für Familie und Wohnen sein kann. So ist mein Ziel, Bauland zu erschwinglichen Preisen anzubieten, um die Menschen an den Standort Hoyerswerda zu binden. Wer baut, der bleibt, sagt man! Mit gutem Beispiel voran geht hier die Stadt in der Kolpingstraße und dem Wohnkomplex 10. Viele neue Eigenheime und Häuser zur Vermietung, altersgerechte und barrierefreie Wohnungen schaffen, damit Menschen im Rentenalter oder mit Behinderungen weiterhin selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können. Wir werden weiterhin daran arbeiten, Fahrstühle in den Häusern zu installieren. Geh-, Radwege und Straßen sanieren, um nicht zuletzt den Touristen ein Verkehrsnetz ohne Hindernisse anbieten zu können. Zum Stadtumbau gehört auch, Gewerbe- und Industriegebiete aufzuwerten, zu vergrößern und zu vermarkten, um Einnahmen für die Stadt zu generieren.

Dirk Nasdala, parteilos:

Schwerpunktmäßig müssen wir aus meiner Sicht bei erforderlichem Rückbau weiter am Grundsatz unseres Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (INSEK) „Von außen nach innen“ festhalten, Innenbereiche weiter aufwerten und die Neustadt im Zusammenhang mit der Etablierung des Zuse-IT-Campus der TU Dresden städtebaulich an den Scheibe-See anbinden. Ich will erreichen, dass das Kulturhaus in Knappenrode wiederbelebt und die Ernst-Thälmann-Straße neugestaltet wird, um eine wirkliche Verbindung zwischen Ort und Energiefabrik herzustellen. Damit erreichen wir eine Entwicklung unserer Stadt hin zu einer attraktiven Wohnstadt als Zentrum der Wachstumsregion im Lausitzer Seenland. Außerdem unterstütze ich den Ausbau eines leistungsfähigen Angebotes unserer Breitbandgesellschaft, aber auch die Pläne unseres Lausitzbades, um sich besser aufzustellen. Denn insbesondere von dort gehen unsere Gedanken schon weiter in Richtung Schlechtwetterangebote, Ferienwohnungen und vieles mehr für Urlauber im Lausitzer Seenland. Deshalb hoffe ich auf den Zuschlag für die Landesgartenschau 2025, um für die attraktive Gestaltung dieses Areals noch einen weiteren Schub zu erfahren.

Torsten Ruban-Zeh, SPD:

Aufbauend auf den Grundlagen der bisherigen Zielrichtung des Stadtumbaus mit dem INSEK-Programm 2020 und den dabei aus meiner Sicht nicht immer erfolgreichen Zusammenwirken der beiden Wohnungsgesellschaften sowie einer aktiveren Einbindung der Bürger als Betroffene der Maßnahmen, wird es in Zukunft ganz entscheidend darauf ankommen, dass wir sowohl der älteren Generation ein altersgerechtes sicheres Wohnen mit hoher Mobilität ermöglichen, als auch den von uns gewünschten Zuzug der jüngeren Generation, eine den Wohn- und Lebensbedürfnissen angepasste attraktive Lösung zu schaffen. Wir haben also ganz klar zwei Stoßrichtungen, die sich an den Bedürfnissen unserer zwei Zielgruppen orientieren müssen.Die Landesgartenschau und der Scheibe-See sind Chancen verbindender Vielfalt und Aufwertung von Freiflächen. Neben den barrierefreien Zugangsmöglichkeiten ist es auch wichtig, für die Sicherheit der älteren Bewohner zu sorgen und entsprechende moderne technologische Zutritts- und Überwachungsmöglichkeiten zu nutzen. Dies ist immer wieder auch Thema von Bürgern besonders in der Neustadt.

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