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Das Image der Karpfen wird aufpoliert

Die Region zwischen Elbe und Röder will sich als Aquakulturwirtschaftsgebiet anerkennen lassen. Dadurch könnte Geld der EU fließen.

© Norbert Millauer

Von Antje Steglich

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Der Karpfen gilt zwar als einer der bekanntesten europäischen Fischarten, als Speisefisch ist er in den vergangenen Jahren jedoch etwas in Vergessenheit geraten. „Wir wollen ihn wieder populär machen“, kündigt deshalb nun Teichwirt Roland Richter von der gleichnamigen Teichwirtschaft in Koselitz an. Zusammen mit den anderen Fischwirten der Region will er die Direktvermarktung und auch die Produktpalette ausbauen. So könnten zum Beispiel bald mehr einheimische Karpfen in den hiesigen Gaststätten landen und auch neue Produkte rund um den Karpfen entstehen. Möglich machen soll das der europäische Meeres- und Fischereifonds.

Um daraus Fördermittel beantragen zu können, braucht es aber zunächst die Anerkennung der Region als sogenanntes Aquakulturwirtschaftsgebiet. Voraussetzung dafür ist eine Teichfläche von über 100 Hektar, erklärt die Regionalmanagerin vom Elbe-Röder-Dreieck Anja Schober, und in dem Gebiet zwischen Gröditz, Großenhain und Zeithain käme man insgesamt sogar auf rund 630 Hektar Wasserfläche. Dazu zählen unter anderem die großen Teichgebiete rund um Tiefenau, Schweinfurt, Koselitz und Frauenhain.

Ferien auf dem Fischereihof?

Den Antrag auf Anerkennung als Fischwirtschaftsgebiet habe man bereits abgegeben, sagt Anja Schober. Ende April hofft sie auf einen positiven Bescheid und so auch auf zusätzliche Fördermittel zu den 6,6 Millionen Euro im Rahmen der Leader-Entwicklungsstrategie, die der Region bis 2020 zur Verfügung stehen. „Die Fischwirtschaft ist wichtig für unsere Region“, begründet die Regionalmanagerin den Vorstoß. Leider seien aber für Sachsen bisher nicht all zu viele Mittel eingeplant.

Aktuell würden in den Betrieben im Elbe-Röder-Dreieck zu 80 Prozent Karpfen gezüchtet und vermarktet, zudem aber auch Schleie, Zander und Wels sowie Forellen, Störe oder Hechte. Verkauft wird der Fisch überwiegend an den Großhandel – vor allem sachsenweit, aber auch in den Hamburger Raum. Eine aktive Direktvermarktung mit Hofläden oder mobilen Marktständen betreiben bisher nur wenige Unternehmen, weiß Anja Schober. Das liege unter anderem an der fehlenden Kundschaft oder der gesunkenen Nachfrage nach Karpfen und anderen heimischen Süßwasserfischen. Mithilfe der Fördermittel soll sich das ändern.

So könnten die Fischwirte unter anderem bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt werden oder bei der Vernetzung untereinander, Ziel könnte hier ein gemeinsames Markenzeichen sein. Laut Anja Schober sei dabei auch eine Zusammenarbeit mit der Region Dresdner Heidebogen erstrebenswert. Weiterhin sind die Potenziale hinsichtlich neuer Absatzketten oder wirtschaftlichen Innovationen stärker auszubauen, heißt es in dem Strukturkonzept des Elbe-Röder-Dreiecks. In den Fokus soll zudem die Unterstützung und Beratung zur naturschutzgerechten Bewirtschaftung von Teichen rücken sowie die Verbindung der Fischwirtschaft mit dem Naturerlebnis und dem Tagestourismus. Umweltbildung, den Aufbau von Öko- und Angeltourismus oder sogar „Urlaub auf dem Fischereihof“ hält Anja Schober für möglich.

„Man sollte die Möglichkeit auf jeden Fall ins Auge fassen“, antwortet Roland Richter auf die Frage, ob solche Ziele für die Region überhaupt realistisch seien. Gerade was die Verbindung zum Tourismus angeht, würde man hier völliges Neuland betreten, und es gebe noch Zweifel. In anderen Regionen wie der Oberlausitz sei das aber längst Usus.

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