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Das Interesse an Konsum-Wohnungen ist groß

Die Sanierung des Gebäudes in Pulsnitz hat begonnen. Beim Denkmalschutz gibt’s allerdings noch einigen Gesprächsbedarf.

Aus dem früheren Konsum-Gebäude in Pulsnitz wird ein Wohnkomplex. Der Bau stand seit Anfang der 1990er Jahre leer. Sogar der Abriss war schon im Gespräch. Derzeit wird über denkmalschützerische Aspekte diskutiert.
Aus dem früheren Konsum-Gebäude in Pulsnitz wird ein Wohnkomplex. Der Bau stand seit Anfang der 1990er Jahre leer. Sogar der Abriss war schon im Gespräch. Derzeit wird über denkmalschützerische Aspekte diskutiert. © SZ/Reiner Hanke

Pulsnitz. Es geht vorwärts mit den Bauarbeiten am früheren Gebäude der Handelskette Konsum Ostsachsen auf der August-Bebel-Straße. Aber auch nicht so zügig wie vom Investor erhofft. Am Ende soll der gewaltige Komplex zwischen 20 und 24 Wohnungen auf 1 600 Quadratmeter Fläche Raum bieten.

1,7 Millionen Euro will die Dresdner Firma Soko Bau investieren. Eigentlich sollte das Dach schon vor dem Winter gedeckt sein. Doch soweit ist es immer noch nicht. Nun berichtete Elena Witt, Assistentin in der Geschäftsführung, über die Sorgen der Firma. So sei dem Investor der kulturhistorische Wert des Gebäudes schon bewusst, aber mit den daraus resultierenden Auflagen eine finanzielle Herausforderung. Ob die überhaupt noch zu stemmen seien, ist inzwischen fraglich.

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Ein Rückzug wäre auch keinesfalls im Interesse der Stadt. Die ist erleichtert, überhaupt einen Investor für die Brache gefunden zu haben. Der fortschreitende Verfall setzte die Stadt zusätzlich unter Druck. In der Firma Soko Bau fand die Kommune letztlich einen Investor, der seine Fähigkeiten schon an denkmalgeschützten Gebäuden in der Stadt unter Beweis gestellt hatte.

Reliefs sollen erhalten bleiben

Ein Diskussionspunkt war wohl das Dach und die Art der Ziegel. Hier habe man inzwischen eine Einigung erzielt, heißt es. Ein Mehraufwand in sechsstelliger Höhe hätte die Finanzierung ins Wanken gebracht. Aber es gibt noch mehr Details, bei denen sich der Investor eine Lösung erhofft. Die betreffen insbesondere Fenster, zum Beispiel die Anzahl. Es dürfe aus seiner Sicht nicht zu dunkel in den Wohnungen werden. Auch beim Material gebe es Diskussionsbedarf. Es gehe um Zusatzkosten im sechsstelligen Bereich. Es müsse doch irgendwo auch ein Kompromiss zwischen Denkmalschutz und finanzieller Machbarkeit gefunden werden. Und dem Kulturdenkmal dennoch gerecht zu werden. So wolle der Bauunternehmer ja auch die Fassade mit ihren charakteristischen Reliefs erhalten. Allerdings ändere sich die Nutzung im Erdgeschoss, gibt er zu bedenken. Dort wird es keine Ladenflächen mehr geben, sondern Wohnungen. Deshalb müsse man auch über die Schaufenster reden, um sie schon weitgehend zu erhalten, aber den Blick in die gute Stube etwas einzuschränken. Das Bauaufsichtesamt in Bautzen habe den Investor unterdessen aufgefordert, „sämtliche Maßnahmen, die nicht der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung entsprechen, einzustellen“. Dabei gehe es unter anderem um die Ladenfenster. Außerdem bemängelt die Behörde, dass keine Pläne zur Gestaltung der Außenansichten und auch noch keine Baugenehmigung vorliegen würde.

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Der Investor hofft seinerseits auf etwas mehr Verständnis der Behörde. Jahrzehnte lang habe das Gebäude leer gestanden, keiner wollte es, die letzten Jahre war es herrenlos. Angesichts der Auflagen bestehe die Gefahr, dass der Bau nicht fertig werde. Inzwischen ist auch die Stadt eingeschaltet: „Wir sind sehr froh, dass saniert wird und möchten vermitteln“, so Bürgermeisterin Barbara Lüke. Nach einem Gespräch habe sie den Eindruck gewonnen, dass die Behörde das Problem sieht, auch die Besonderheit der langen Herrenlosigkeit und die Herausforderung, aus einem Lagerhaus ein Wohnhaus zu machen. Aber es sei eben auch eine Schutzbehörde. Auch die Stadt wolle natürlich, dass es weiter geht. Die Konsequenz eines endgültigen Stopps wäre der Verfall – kein schöner Gedanke. Damit wäre wohl auch der Sache des Denkmalschutzes nicht gedient. So werde es jetzt noch ein weiteres Gespräch mit dem Investor geben. Dort spricht Elena Witt von 15 Reservierungen, die es schon für die künftigen Wohnungen gebe: „Wir können doch die Leute nicht enttäuschen.“

Verfall und Sanierung

Um 1920 wurde das Handelshaus der Konsum-Genossenschaft in Pulsnitz erbaut. Seit der Pleite der Genossenschaft Ostsachsen Anfang der 1990er-Jahre verfiel das Gebäude zusehends. Die Insolvenzverwaltung versuchte vergeblich, die Immobilie zu vermarkten. Das hatte einerseits etwas mit dem desolaten Zustand des Gebäudes zu tun und auch mit Schulden, die auf dem Gelände lasteten.

Anfang des Jahrzehnts war die Stadt sogar soweit, den Abriss voranzutreiben. Der Gebäudekomplex galt schließlich als herrenlos.

Erst vor etwa zwei Jahren konnte sich die Stadt das sogenannte Aneignungsrecht an dem Gebäude sichern. Damit war der frei für die Suche nach einem Investor. Im Vorjahr begann die Sanierung.

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