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„Das hier ist besser als Weihnachten!“

Dieter und David Leisner schrauben für das Saloppe-Seifenkistenrennen – ein Familienprojekt, das nichts so leicht toppt.

Noch ist das Bauwerk kein Hingucker. Doch Dieter und David plus Familienbande werden als Elbe-Labe-Team einen märchenhaften Start hinlegen.
Noch ist das Bauwerk kein Hingucker. Doch Dieter und David plus Familienbande werden als Elbe-Labe-Team einen märchenhaften Start hinlegen. © René Meinig

Der Weg an die Spitze führt ein halbes Dutzend Stufen treppab. Dort unten im Keller eines Niedersedlitzer Mehrfamilienhauses summen Akkubohrer, Hammerschläge dringen durchs Gemäuer. Dieter und David Leisner werkeln an einem unheimlich heimlichen Gebilde. Sieht das nicht aus wie ... Die Männer heben die Zeigefinger an den Mund. Diskretion!

Schrauben, Winkel, viele Meter Leisten haben Vater und Sohn schon verbaut. Tief im Inneren ihrer Konstruktion verbirgt sich dessen Herz: eine rollende Bierbank. Dort, wo sich sonst Metallbeine ausklappen lassen, ruhen dicke Gummireifen. Nicht mehr lange und sie kommen ins Rotieren. Ein Lenkrad und Bremsen dazu – fertig ist die Seifenkiste. Grundsätzlich. Doch Familie Leisner ist diese Minimalausstattung nicht genug. Deshalb verbringen Dieter und David in diesen Wochen jede freie Minute im Hobbykeller. Ihre fahrende Bierbank soll eine spektakuläre Hülle erhalten. Welche genau, wird nicht verraten. Der Auftritt der Leisners am 14. September lebt wie immer von der Überraschung.

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Als Zehnjähriger schon dabei: David Leisner in einer der einfachsten Seifenkisten der Ära.
Als Zehnjähriger schon dabei: David Leisner in einer der einfachsten Seifenkisten der Ära. © privat

Bereits das 19. Mal startet das Mehrgenerationenteam beim Saloppe-Seifenkistenrennen. Vom ersten bis zum heutigen Renntag sind die Dresdner dabei. „Ich hatte gerade für den Kindergarten eine Seifenkiste gebaut, als das erste Event geplant wurde“, erinnert sich Vater Dieter. Sohn David war damals sieben Jahre alt. Inzwischen hat der 26-Jährige im Haus seiner Eltern die Werkstattleitung übernommen und begleitet den Seifenkistenbau federführend. Im Hintergrund wirken außerdem mit: Mutter Regina, Schwester Cornelia, Bruder Maik, Schwiegerkinder und sogar schon die Enkelriege. „Das Seifenkistenrennen ist das Highlight des Jahres“, sagt David. „Darauf freue ich mich mehr als auf Weihnachten.“

Drei Räder, Achse, Lenkung, Bremse, so hat alles einst begonnen. Das allererste Exemplar Marke Leisner Eigenbau hatte Dieter aus einem alten Luftroller und einer Sackkarre zusammengeschraubt. „Die Bremsen bestanden aus ollen Schuhsohlen“, erzählt der 59-Jährige. In den folgenden Jahren trat die Familie mit einer Feuerwehr, einem dampfenden Ofen, einer Straßenbahn, einem Schneckenhaus und vielen anderen Designs an. „Ich baue aus dem, was gerade da ist“, sagt der Seniorchef. Das Material bestimmt die Idee, und manche Utensilien finden über mehrere Sommer Verwendung. Zum Beispiel ein ausrangiertes Regal, eine alte Waschmaschinentrommel, eine Zinkbadewanne aus Omas Zeiten. Ganz besonders gern erinnern sich Dieter und David an das Rennen vor vier Jahren. Das Märchen Hase und Igel hatten sie sich zum Thema gemacht. Die Herausforderung: Um den Wettlauf von Hase und Igel nachzustellen, bauten sie eine zweite identische Seifenkiste. Per Handy rief der eine im Ziel dem anderen am Startpunkt zu: „Ich bin schon hier!“

Mit Dampf volle Kraft voraus im Schneckentempo – die Kisten der Familie wurden immer ausgefallener.
Mit Dampf volle Kraft voraus im Schneckentempo – die Kisten der Familie wurden immer ausgefallener. © privat

Zwischen Startpunkt an der Saloppe-Sommerwirtschaft und Zieleinlauf am Wasserwerk liegen eine gute Minute Raserei über 800 Meter Kopfsteinpflaster. Drei Rennen insgesamt absolvieren alle Seifenkisten-Teams. Einen Showlauf bergab, einen Kraftakt bergauf und eine zweite Fahrt in Richtung Elbe, in diesem Fall auf Zeit. Erdanziehung + Muskelkraft + Gaudi, das ist der Stoff, für den jedes Jahr Tausende Schaulustige die Rennstrecke säumen. Ihr Johlen ist weit über die Elbe zu hören, lautstark zollen sie den Teams Respekt. Nicht jedes von ihnen stürzt sich mit so viel Vorbereitung den Hang hinunter. Kreativität ist willkommen, aber keine Bedingung.

Doch auch gemäßigter Aufwand scheint vielen zu viel zu sein. Bisher haben erst elf Teams ihr Kommen angekündigt. Über die üblichen 20 Anmeldungen würden sich die Organisatoren von Waterloo Produktion freuen. Rund 6.000 Gäste wollen schließlich etwas zu sehen und anzufeuern haben. Zudem spornt Enthusiasten wie Familie Leisner neben dem eigenen Spaß auch die Konkurrenz an.

Schon am Freitag vor dem Rennen trifft sie sich auf dem Gelände der Sommerwirtschaft, um der Seifenkiste den letzten Schliff zu verpassen und die Feststimmung zu genießen. „In all den Jahren gab es nur zweimal Regen“, erzählt David. Nässe tut zwar der guten Laune keinen Abbruch, doch sie verwandelt die Fahrt über die gepflasterte Strecke in eine Rutschpartie. „Lampenfieber habe ich nicht, nur die Sorge: Hoffentlich passiert nix!“, sagt Vater Dieter. Über ein paar Schrammen und blaue Flecken tröstet jeder Preis hinweg. Der ist allen Teams von vornherein sicher. Was aber am meisten zählt, ist die Begeisterung und die Freude am Familienprojekt. Einer für alle, alle für einen.

Rollendes Regularium

Alle Seifenkisten müssen Eigenbau sein und dürfen nur mit Muskelkraft bewegt werden. Elektro- oder Düsenantriebe sind untersagt. Lenkung und Bremsen gelten als Pflicht und werden vor Ort geprüft.

Fahrzeugaufbauten aus den vergangenen Jahren sind unzulässig. Das Grundelement darf mehrmals verwendet und von Team zu Team weitervererbt werden.

Maximal 20 Teams dürfen nach ordnungsgemäßer Anmeldung an den Start gehen. Es besteht generell Helmpflicht.

Jedes Team besteht aus mindestens zwei und maximal fünf Personen, inklusive Fahrer und zuzüglich Anschieber/Fans.

Unverzichtbar ist mindestens ein Boxenluder pro Team, mehr sind erlaubt.

Eine eigene Teamhymne für den Showeinlauf muss auf CD abgegeben werden.

Die Startgebühr für das Rennen am 14. September beträgt 40 Euro pro Team, inklusive einem warmen Essen pro Teammitglied, einer Kiste Bier, Toilettenbenutzung.

Anmeldeformular unter www.saloppe.de

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