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Das ist Deutschlands verrücktester Pool

Im Hotel „Bei Schumann“ in Kirschau gibt es jetzt ein schwebendes Schwimmbecken, neun Meter über der Erde.

In neun Metern Höhe ragt das äußere Ende des 60 Quadratmeter großen Flying Pools über den Köpfen der Gäste. Das macht die Anlage einzigartig in Deutschland.
In neun Metern Höhe ragt das äußere Ende des 60 Quadratmeter großen Flying Pools über den Köpfen der Gäste. Das macht die Anlage einzigartig in Deutschland. © SZ/Uwe Soeder

Kirschau. Rüdiger Schumann kann getrost als Visionär bezeichnet werden. Wenn er etwa davon spricht, einen Caravanstellplatz für gehobene Ansprüche auf einer Brachfläche mitten in Kirschau zu eröffnen, oder aber von der Idee, das ganze Dorf mit Kirschbäumen zuzupflanzen: „An jedem Straßenrand, auf jedem Grundstück sollten im Frühjahr die Kirschen blühen. Dann veranstalten wir ein Kirschblütenfest, außerdem ein Erntefest und verkaufen Kirschschnaps. Schließlich sind wir weltweit der einzige Ort mit dem Namen Kirschau“, sagt er mit unverhohlener Begeisterung für seine Idee. Dann nimmt er den nächsten Zug von seiner Zigarette, nippt an seiner Cola, fährt fort: „Übertreibung ist schließlich Werbung.“

Rüdiger Schumann, der gemeinsam mit seiner Frau Petra das Hotel „Bei Schumann“ in Kirschau führt, ist es gewohnt, groß zu denken. Als das Unternehmerehepaar das Vier-Sterne-Haus vor 22 Jahren eröffnete, waren Begriffe wie „Wellness“ und „Spa“ im Oberlausitzer Bergland noch nahezu unbekannt. Dass der berühmte Guide Michelin ein Restaurant an der stark befahrenen Bautzener Straße, zwischen Tankstelle und Bolzplatz, mit einem Stern bedenken würde, ahnte noch niemand.

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Neuer Superlativ im Oberland

In diesen Tagen fügen die Schumanns ihrem Lebenswerk einen weiteren Superlativ hinzu: Ein Flying Pool, der erste seiner Art in Deutschland, steht kurz vor seiner Fertigstellung.

Erstmals läuft das 60 Quadratmeter große Becken derzeit voll Wasser. Weißer Dampf steigt von der 31 Grad warmen Oberfläche auf. Er verharrt über den leichten Wellen, als könne er sich nicht lösen. Nach Süden öffnet sich der Blick der überdachten Freifläche zum hauseigenen Badesee hin. Zwei Meter ragt das Poolende dort über die Terrasse hinaus. An allen vier Seiten wurden die Beckenwände verglast. Schaut man von dort nach unten, erblickt man, durch das strahlend blaue Wasser hindurch, den Boden in etwa neun Meter Tiefe. Doch noch stört das eifrige Treiben der Bauarbeiter ringsum die Ruhe.

Sie erledigen letzte Arbeiten, bevor der Neubau mit dem träumerischen Namen „Seeflügel“ nach fast zwei Jahren Bauzeit zu Ruhe und Entspannung in luxuriöser Atmosphäre einlädt. Noch fehlen einige Dichtungen und die Edelstahltreppe am Rand des schwarzen Marmorbeckens. Letzte gestalterische Feinheiten müssen ausgetüftelt und umgesetzt werden. Dennoch genießen nebenan im weitläufigen Ruhebereich die ersten Gäste das neue Angebot.

Das beinhaltet neben dem Flying Pool und verschiedensten Saunen auch eine Schneesauna. „Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn draußen Sommer ist und dir jemand einen Schneeball an den Kopf wirft“, erklärt Rüdiger Schumann seine Intention.

Von einem anderen Gedanken haben sich Petra und Rüdiger Schumann während der baulichen Umsetzung des Vorhabens getrennt: Von dem ursprünglichen Plan, in den Neubau moderne Tagungsräume zu integrieren, nahmen sie Abstand. „Das hätte zwar unsere Auslastung an den Wochentagen verbessert, aber meine Frau hasst Tagungen. Außerdem war unser Angebot mit den bisherigen 45 Zimmern noch zu klein. Geld wird mit Zimmern verdient“, sagt Rüdiger Schumann.

Seine Gäste mit besonderen Angeboten ins Oberland zu locken, ist Teil der Unternehmensphilosophie von Hotelchef Rüdiger Schumann.
Seine Gäste mit besonderen Angeboten ins Oberland zu locken, ist Teil der Unternehmensphilosophie von Hotelchef Rüdiger Schumann. © SZ/Uwe Soeder

Statt moderner Tagungsräume wurden in dem gänzlich aus Holz errichteten Anbau 19 moderne Junior-Suiten eingerichtet. Die sind mit einer Größe von je 45 Quadratmetern deutlich geräumiger als die bestehenden Doppelzimmer im Altbau des Gebäudes – und sollen durch ihr minimalistisches Design eine neue Zielgruppe ansprechen. Die großen Balkone im Seeflügel zeigen alle nach Süden. Über ihnen ragt der schwebende Pool in den Himmel.

157 Euro kostet eine Übernachtung in den Luxus-Zimmern pro Person und Nacht. Dafür dürfen auch nur die Gäste des Seeflügels das neue Wellness- und Spa-Angebot nutzen. Das muss man sich leisten können.

Dass insbesondere in der Region die wenigstens Einwohner eine derart prall gefüllte Reisekasse haben, ist Rüdiger Schumann bewusst: „Die Sächsische Aufbau-Bank hätte ein weiteres öffentliches Schwimmbad nicht fördern dürfen. Deshalb mussten wir den Zugang beschränken“, sagt der Inhaber. Davon abgesehen, ziele die Ausrichtung des Hotels auf eine Zielgruppe im Luxussegment ja genau darauf ab, ein finanzkräftiges Publikum ins Oberland zu locken. Angesprochen würden damit nicht unbedingt Multimillionäre, aber „schon Menschen, die sich was gönnen wollen und auch das nötige Kleingeld haben, um dafür zu bezahlen“, sagt Rüdiger Schumann.

Erst seit 2005 geht das Konzept seiner Aussage nach für die Familie auf. „Da haben wir erstmals Geld verdient“, sagt der Hotelchef. Das reinvestierten die Eheleute vor Ort in ihr Unternehmen: Der römisch-inspirierte Spa-Tempel entstand. Die Hotelzimmer wurden renoviert.

Auf dem Dach über dem schwebenden Pool soll in nächster Zeit mit der neuen Hippo-Bar noch eine mondäne Dachterrasse mit Ausschank entstehen. Die krankt derzeit noch unter den Herausforderungen der Statik. Danach soll Schluss sein mit dem Bau: „Größer wollen wir nicht mehr werden. Das Hotel soll als kleines Juwel erhalten bleiben. Das ist, was unsere Gäste kennen und schätzen“, sagt Schumann.

Hotel bleibt in Familienhand

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Daran soll sich auch nichts ändern, wenn im August Schumanns Sohn in das Unternehmen einsteigt. Er kommt dafür gemeinsam mit seiner Freundin aus München zurück in die Heimat. Auch für ihn haben die Eltern den Seeflügel errichtet: „Wir wollten den Kindern ein gut gehendes Haus hinterlassen“, sagt der Senior. Heilfroh sei er, dass seine Kinder dieses „grauselige Gewerbe“ ebenfalls ausüben und das Unternehmen, in dem derzeit 74 Angestellte und 15 Auszubildende arbeiten, künftig in der Hand der Familie bleibt. „Bei Arbeitszeiten bis in die Nacht hinein ist das keine Selbstverständlichkeit“, sagt Rüdiger Schumann.

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