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Dresden

Das ist Dresdens schnelle Eingreiftruppe

Mit einem Spezialgerät fahnden Monteure nach kaputten Wasserleitungen. Der Einsatz zahlt sich enorm aus. 

Auf Schnelligkeit kommt es an, wenn wie am Großen Garten eine große Wasserleitung platzt. Das war 2015.
Auf Schnelligkeit kommt es an, wenn wie am Großen Garten eine große Wasserleitung platzt. Das war 2015. © Uwe Lindner (Archiv)

Mitunter helfen Robert Skrocki auch Video-Inspektionen im Kanal. Dabei ist der Drewag-Sachgebietsleiter eigentlich gar nicht dafür, sondern fürs Trinkwasser-Rohrnetz zuständig. Doch eine von den Stadtentwässerern losgeschickte Kamera entdeckte kürzlich auf der Greifswalder Straße kein austretendes Ab-, sondern munter in den Kanal sprudelndes Trinkwasser. Also rückte Skrockis schnelle Eingreiftruppe nach Klotzsche aus.

Die Horcher: Mikros spüren den Rohrbruch in Klotzsche auf

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Das Team ist auf solche Fälle spezialisiert, wenn es im Untergrund sprudelt, aber oben nichts zu sehen ist. Genau dafür haben Skrockis Monteure Marius Pallmann und Gunther Nedwig ein Gerät dabei, das das Leck ortet. An den sogenannten Korrelator angeschlossen sind Sensoren, die als eine Art Mikrofon den Schall des Wassers aufzeichnen, das aus dem unterirdischen Leck sprudelt. Eins setzt Pallmann ins Loch über einem geöffneten Absperrschieber, das nächste Mikro lässt er 30 Meter weiter hinab. Der Computer im Einsatzfahrzeug wertet die Daten aus, sodass das Leck zentimetergenau geortet werden kann, erläutert Skrocki. Letztlich entdecken die Lecksucher einen kaputten Hausanschluss, der am nächsten Tag gewechselt wird.

„Den ersten Korrelator haben wir 1990 von Bundesumweltminister Klaus Töpfer bekommen“, erzählt der Sachgebietsleiter. Früher hatte alles mit einer Horchdose angefangen, einem Metallstab, mit dem anfangs solche Lecks aufgespürt wurden. Mittlerweile sind die Mikros kleiner als ein Wasserglas. Eingesetzt wird die Technik bei Störungen, von denen dieses Jahr schon 266 gemeldet wurden. Zudem wird das Rohrnetz auch vorsorglich inspiziert.

Der Extremfall: 9 000 Kubikmeter überfluten die Karcherallee

Die Störungsmeldung wird in der zentralen Leitstelle im Wasserwerk Coschütz erfasst. „Als Erstes geht ein Monteur vor Ort und schätzt ein, was notwendig ist“, erläutert Skrockis Chef, Abteilungsleiter Michael Weiß. Mitunter reicht es, erst einmal das Rohr abzusperren. In größeren Fällen muss er schnell Hilfe holen. Schließlich komme es auch darauf an, ob der Schaden an einem 3,2 Zentimeter starken Hausanschluss oder an der 1,5 Meter messenden Hauptleitung von Räcknitz ins Zentrum ist.

Skrocki erinnert sich an einen ganz drastischen Fall. Am 10. August 2015 war eine Hauptleitung für das Gebiet an der Ecke Herkulesstraße/Karcherallee gebrochen. Binnen einer Stunde überfluteten rund 9 000 Kubikmeter Wasser aus dem Gussrohr, an dem die Schale gebrochen war, Fahrbahnen, Fußwege und auch eine Tiefgarage. „Wir haben die Hauptleitung schnell abgesperrt und drei Armaturen geschlossen“, berichtet der 46-Jährige. Die Instandsetzung sei sehr aufwendig gewesen. Sie dauerte zwei Wochen.

Die Vorsorge: Bei Rohr-Inspektion Schaden in Zschieren gefunden

Etwa 500 Störungsmeldungen gibt es jährlich. „Mitunter haben wir fünf in der Woche, manchmal gar keine“, sagt Abteilungsleiter Weiß. Die Drewag-Rohrnetzspezialisten betreiben Vorsorge, damit es gar nicht erst soweit kommt. „Der Operator in der Leitstelle beobachtet genau, ob in verschiedenen Zeiten große Abweichungen vom normalen Verbrauch auffallen, für die es keine Erklärung gibt“, verweist Skrocki auf den Ausgangspunkt. Dann schlägt die Stunde des Lecksuchgerätes mit seinen Sensoren. Die werden an Hydranten, Absperrschiebern oder Hausanschlussarmaturen in dem Gebiet angebracht.

Bis zu 100 Meter lange Abschnitte werden so Straßenzug für Straßenzug abgesucht, bis die Mikros das Leck aufgespürt haben. Auf diese Art haben die Lecksucher erst Mitte August einen Rohrschaden auf der Zschierener Elbstraße gefunden, der bereits beseitigt ist.

Drewag-Sachgebietsleiter Robert Skrocki (l.) hat Monteure wie Marius Pallmann (r.), die mit ihrem Gerät undichte Stellen ausfindig machen, bevor es zum Schlimmsten kommt, wie hier in Klotzsche. 
Drewag-Sachgebietsleiter Robert Skrocki (l.) hat Monteure wie Marius Pallmann (r.), die mit ihrem Gerät undichte Stellen ausfindig machen, bevor es zum Schlimmsten kommt, wie hier in Klotzsche.  © Sven Ellger

Die Herausforderung: 2 414 Kilometer langes Rohrnetz wird überwacht

„Jeder Tropfen Trinkwasser, der verloren geht, verursacht Kosten“, erklärt Weiß. Wenn durch ein Leck zehn Liter pro Minute laufen, sind es 15 Kubikmeter am Tag und 450 Kubikmeter Monat, rechnet er vor. „In einem Jahr läuft so Trinkwasser für über 10 000 Euro in den Boden.“ Deshalb sei die Drewag dankbar für Hinweise, damit Schäden schnell erkannt und behoben werden können. Immerhin sei es eine enorme Aufgabe, das 2 414 Kilometer lange Dresdner Trinkwassernetz zu überwachen und instandzuhalten. So werden alle vier Jahre die Hydranten kontrolliert. „An solchen sensiblen Stellen können schon kleine Undichtheiten entstehen“, erläutert der Abteilungsleiter. Das seien Schwachpunkte. Entdeckt dort ein Bürger feuchte Stellen, sollte er die Drewag-Störungshotline anrufen. „Es sind viele, die so etwas melden“, sagt er. Mitunter gehe es dabei auch um braunes Wasser, dessen Ursache ein Rohrschaden sein kann.

Die Ausfallkandidaten: Fast 100 Jahre alte Gussrohre sind jetzt reif

Seit 1991 hat die Drewag knapp 364 Millionen Euro in ihr Rohrnetz investiert. Im vergangenen Jahr waren es rund zwölf Millionen Euro. So sind über 60 Prozent des Rohrnetzes nach der Wende verlegt worden. Das war auch dringend nötig. Beispielsweise waren zu DDR-Zeiten beim Bau des Wohngebietes Gorbitz italienische Billigleitungen aus Stahl verlegt worden. „Die haben wir komplett austauschen müssen. Da gab es einen Rohrbruch nach dem anderen“, berichtet Weiß.

Jede Zeit habe ihre Materialien. So gibt es noch heute Graugussleitungen aus der Zeit ab 1875. Die haben aber eine so gute Qualität, dass damit keine Probleme auftreten. Anders ist es hingegen mit den nach 1923 verlegten Gussrohren. Bei deren Herstellung sei damit angefangen worden, Schrott zu verarbeiten, sodass die Qualität nachließ. „Die Leitungen aus den Jahren nach 1923 sind jetzt reif“, sagt Weiß. Für die Drewag zahle es sich auf jeden Fall aus, dass investiert und das Netz überwacht wird. 1995 waren die Rohre im Dresdner Netz noch so undicht, das über 8 000 Kubikmeter im Jahr in den Untergrund flossen, was fast 21 Prozent des Trinkwassers entsprach. Obwohl heute mehr aufbereitet wird, waren es 2018 mit gut 2 000 Kubikmeter nur noch fünf Prozent.

Drewag-Störungshotline für Wasser: 205852222

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