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Das ist Fielos rechte Hand

Dynamos Co-Trainer Patrick Mölzl soll seinem Chef den Rücken frei halten. Unter vier Augen diskutieren sie aber kontrovers.

Patrick Mölzl kannte Dresden nicht, bis er Cristian Fiel kennenlernte. Der nahm ihn als seinen Assistenten mit zu Dynamo.
Patrick Mölzl kannte Dresden nicht, bis er Cristian Fiel kennenlernte. Der nahm ihn als seinen Assistenten mit zu Dynamo. © Jürgen Lösel

Nach der letzten Prüfung hat er sich sofort ins Auto gesetzt. „Ohne Navi hätte ich es wahrscheinlich gar nicht gefunden“, sagt Patrick Mölzl und lacht. Bis dahin war der Bayer nie in Dresden gewesen und auch jetzt kommen einige zufällige Umstände zusammen, sodass er sich auf den Weg macht. Bei der Ausbildung zum Fußball-Lehrer an der Sporthochschule in Köln ist er mit Cristian Fiel ins Gespräch gekommen. „Wir kannten uns, wie man sich unter Fußballern kennt“, meint Mölzl, „hatten davor aber keine drei Sätze miteinander geredet.“

In Köln tauschen sie sich öfter aus. „Es war sofort klar, dass wir uns gut verstehen.“ Also hat Fiel ihn gefragt, ob er als sein Co-Trainer mit zu Dynamo kommen würde. Mölzl sagte zu und gab die Adresse ins Navi ein. Das ist ein halbes Jahr her, seinen vorsichtshalber zunächst nur bis zum Ende der vorigen Saison datierten Vertrag hat er bis 2021 verlängert. „So, wie wir arbeiten und uns menschlich verstehen, ist es perfekt“, erklärt er – und setzt noch einen drauf: „Ich hätte keine Bauchschmerzen, die nächsten 25 Jahre in der Konstellation mit Fielo zusammenzuarbeiten.“

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Patrick Mölzl (l.) und Cristian Fiel haben gemeinsam das Trainer-Diplom erhalten.
Patrick Mölzl (l.) und Cristian Fiel haben gemeinsam das Trainer-Diplom erhalten. © Jan Hübner

Das ist insofern überraschend, dass Mölzl bereits als Chefcoach gearbeitet hat. Im April 2017 übernahm er Wacker Burghausen in der Regionalliga, ein Jahr später wurde er gefeuert. „Ein erfahrener Trainer hatte vorher zu mir gesagt: Patrick, solange du nicht entlassen wurdest, bist du kein richtiger Trainer.“ Trotzdem ist es eine schmerzliche Erfahrung, zumal ihn die Mitteilung auf der Heimfahrt von der Eignungsprüfung für den Trainerlehrgang erreicht. „Die zwei Wochen danach, als ich nicht wusste, ob ich angenommen werde, waren mental sehr unangenehm. Ich habe schon gegrübelt, wie es weitergeht, plötzlich stand ich ohne Job da“, gibt Mölzl zu.

Trainer zu werden, war nicht seine erste Option, als er seine Profi-Karriere mit 32 Jahren beendete. „Das stand bis dahin gar nicht so auf meiner Agenda.“ Vielmehr wollte er herausfinden, wie sich ein Leben ohne Fußball anfühlt. „Ich habe in einer Firma am Chiemsee im Lager gearbeitet, bin mit auf Baustellen gewesen, für wenig Geld, aber das war mir nicht wichtig“, erzählt Mölzl. „Ich wollte wissen, ob das etwas für mich ist: morgens zur Arbeit gehen, 17 Uhr zu Hause sein, am Wochenende frei haben.“

Es war in Ordnung, aber es fehlte etwas, was er mit dem Adrenalinkick beschreibt, den der Fußball jede Woche mindestens einmal mit sich bringt. Seinen Einstieg findet Mölzl bereits ab 2013 als Spielertrainer bei SV Kirchanschöring in der Landesliga Bayern Südost. „Ich habe dort zum Spaß gespielt, bin zufällig zu der Doppelrolle gekommen. Es hat mir Spaß gemacht.“ Also startet er seine zweite Karriere im Fußball.

Bei den Bayern den Moment verpasst

In der ersten hatte er auch beim FC Bayern in seiner Geburtsstadt München gespielt: In der Jugend, bei den Amateuren und schließlich gehörte er sogar zum Bundesliga-Kader. Einen Einsatz bekam er jedoch nie. „Ich muss überlegen, wie ich das erkläre“, meint Mölzl, druckst aber nicht lange herum: „Es hat mir gefehlt, bereit zu sein, noch mehr zu investieren, um mich aufzudrängen. In der Jugend war alles wie geebnet gelaufen, ohne dass ich besonders viel dafür tun musste, weil ich relativ talentiert war. Aber dann kommt der Moment, an dem Talent nicht ausreicht, und den habe ich ein bisschen verpasst.“

Von wegen „Mia-san-mia“, Mölzl wollte das Leben genießen. „Ich war in jungen Jahren sehr erlebnisorientiert“, meint er – und ärgert sich nicht etwa über verpasste Chancen. Der 38-Jährige ist ein Positivdenker. Er hat für sich das Beste draus gemacht, ist mit dem FC Augsburg und dem FC Ingolstadt jeweils in die zweite Liga aufgestiegen. Als es sportlich schlechter läuft, hört er auf, obwohl er sicher einen Verein gefunden hätte. „Ich wollte nicht irgendwann betteln, um irgendwo einen Vertrag zu bekommen.“

Mölzl ist einer, der klare Entscheidungen trifft. Daraus ließe sich ein Widerspruch ableiten zu seiner Aufgabe als Assistent, aber das sieht er komplett anders. „Ich bin Fielos rechte Hand und versuche, ihm so viel wie möglich abzunehmen, wobei wir zu 90 Prozent sowieso alles gemeinsam machen.“ Sie diskutieren unter vier Augen durchaus kontrovers über Inhalte und Spielstrategie, weniger über die Aufstellung. „Darin sind wir uns am Ende der Woche relativ einig.“

Demzufolge hat Mölzl die viel kritisierte Startelf für das Spiel in Karlsruhe (2:4) mit getragen. „Ja klar“, sagt er und wirkt erstaunt angesichts der Frage. „Am Ende trifft Fielo die Entscheidung, aber ich denke, wir diskutieren auf Augenhöhe.“ Grundsätzlich. Im speziellen Fall seien sie sich des Risikos bewusst gewesen, auf kleine, eher unerfahrene Spieler zu setzen. „Ich bin nach wie vor hundertprozentig überzeugt, dass es nicht an der Aufstellung lag, weshalb wir dieses Spiel verloren haben“, betont Mölzl – und argumentiert: Vier Abschlüsse im Strafraum in der ersten Halbzeit, der kleine Sascha Horvath trifft zum 1:0. „Wir kriegen das 1:1, weil unser vermeintlich kopfballstärkster Spieler (Jannis Nikolaou/d. A.) ein Kopfballduell verliert. Auch die Gegentreffer nach der Pause hatten nichts mit fehlender Größe zu tun.“

Fiel verliert nie den Respekt

Mölzl schätzt an Fiel vor allem, dass er „bei allem Erfolgsdruck, allem Ehrgeiz, aller Genauigkeit im Detail jedem Menschen respektvoll und ehrlich begegnet. Das lebt er in jeder Faser, selbst in schwierigen Situationen, zum Beispiel mit der Presse, verliert er nie den Respekt vor irgendjemanden. Das macht ihn besonders.“ Und deshalb harmonieren die fast gleichaltrigen Trainer – Fiel ist acht Monate und 16 Tage älter – so gut. „Wir entwickeln uns gerade gemeinsam“, sagt Mölzl.

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Allerdings bleibt wenig Zeit, Dresden kennenzulernen. „Ich bin nicht dabei, tagtäglich die Stadt zu erkunden. Das kommt nach und nach“, räumt er ein. Immerhin ist er vom Hotel in eine Wohnung gezogen. In seiner bayerischen Heimat ist er gern in den Bergen unterwegs, fährt im Winter auf den schwierigsten Pisten Ski. Hier müsse er den Kopf nicht freibekommen. „Ach, das ist eine Floskel“, sagt Patrick Mölzl. „Der Job ist meine Leidenschaft, meine Freude, er belastet mich nicht, sondern gibt mir ein gutes Gefühl.“ Noch besser wird es, wenn sich der Erfolg mit Dynamo einstellt. Dafür ist er nach Dresden gekommen und daran hat er keine Zweifel.

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