merken
PLUS Riesa

Es wuselt im Riesaer Tierpark

Eine neue Art kehrt in den Klostergarten zurück. Auch eine wichtige Personalentscheidung hat der Betreiber getroffen.

Nach dem Hochwasser 2002 gab es keine Degus mehr im Tierpark Riesa. Jetzt sind elf Stück wieder im Kloster heimisch.
Nach dem Hochwasser 2002 gab es keine Degus mehr im Tierpark Riesa. Jetzt sind elf Stück wieder im Kloster heimisch. © Sebastian Schultz

Riesa. Von ihren neuen Mitbewohnern waren Wachtel, Buntspecht und Lachtaube in den ersten Tagen eher irritiert als begeistert. Das Gewusel am Boden jedenfalls hat zugenommen, seit die elf Degus in das Gehege in Riesa eingezogen sind. Die mobilen Nager kommen aus dem Tierpark in Oschatz, einer auch aus dem Tierheim Dresden. "Wir hatten schon vor Jahren einmal Degus hier", erzählt Michael Tobis, "bis zum Hochwasser 2002." Danach waren die in Chile heimischen Strauchratten erst einmal aus der Anlage neben dem Riesaer Kloster verschwunden. 

Betreiber testet eine neue Personalstruktur

Die Mitarbeiter hatten sich darum bemüht, die Nagetiere wieder zurück in den Tierpark Riesa zu holen. Vor wenigen Monaten erst war eine Polarfüchsin in eins der freien Gehege gezogen. Weitere Tiere sollen folgen, kündigt Michael Tobis an - und hält sich mit den Details noch bedeckt: "Wir wollen ja nicht alles auf einmal verraten." Kein Geheimnis ist jedenfalls, dass Tobis bis auf Weiteres die Leitung im Tierpark behalten wird. Seit 1. Juli ist der 51-Jährige kommissarischer Leiter, mindestens bis Jahresende. Man wolle schauen, wie es funktioniert, sagt FVG-Geschäftsführerin Manuela Langer auf Anfrage. Das Personalkonstrukt sei etwas anders aufgebaut, der Leiter habe jetzt mehr mit den Tieren zu tun. In Sachen Marketing will die Verwaltung des Tierpark-Betreibers mithelfen. Es sei sozusagen eine Testphase. Bisher ist man offensichtlich zufrieden damit.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Michael Tobis, hier im Mai 2020, leitet zunächst kommissarisch den Betrieb im Tierpark Riesa.
Michael Tobis, hier im Mai 2020, leitet zunächst kommissarisch den Betrieb im Tierpark Riesa. © Sebastian Schultz

Michael Tobis, der schon seit 1988 im Riesaer Tierpark arbeitet und jetzt quasi vom Tierpfleger zum "Chef" wurde, gibt sich bescheiden ob der neuen Aufgabe. Autoritärer Stil sei nicht seins, es soll sich jeder aus der Belegschaft einbringen können. Derzeit arbeiten sechs Angestellte im Tierpark, inklusive dem Leiter. "Der muss aber auch mit anpacken", sagt Michael Tobis. Sonst funktioniere es nicht. Zu den angestellten Kräften kommen derzeit noch drei Ein-Euro-Jobber und eine junge Frau, die gerade ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert. 

Besucher sollen mehr Zeit in der Anlage verbringen

Das oberste Ziel für den Tierpark in Riesa steht laut Michael Tobis jedenfalls fest: Die Verweildauer in der Anlage und erst recht vor einzelnen Gehegen muss besser werden. Gerade im unteren Abschnitt der Anlage, neben dem Streichelgehege, soll sich am Besatz noch etwas tun. "Die Besucher gehen dort oft vorbei, schauen rein, sehen nichts - und gehen weiter." Das könne man ändern, indem es mehr zu sehen oder zu tun gibt. 

Den ersten Schritt in die Richtung haben sie im Tierpark schon im Mai getan: Da kamen neue Bänke in besagte Ecke, außerdem zog die Polarfüchsin ein, zu der mit etwas Glück mittelfristig noch ein Rüde ziehen könnte. Am Streichelgehege haben die Mitarbeiter einen Barfußpfad angelegt, der auch rege genutzt wird, und zuletzt kam dank Unterstützung des Bildungszentrums BSW noch ein Hühnerhaus dazu, in dem jetzt ein Barthahn mit drei Hennen lebt. Im Innenbereich zeigt der Tierpark derzeit Gartenschnecken und kleinere Wasserlebewesen: Wasserflöhe und -schnecken, dazu noch ein paar Blutegel, alles erst einmal mit recht einfachen Mitteln präsentiert. Geplant sind weitere Unterhaltungsmöglichkeiten gerade für die kleineren Besucher: eine Murmelbahn zum Selberstecken etwa, und Fühlboxen entlang der Wege. Seine Kollegen seien da richtig kreativ, sagt Michael Tobis. 

Der Barthahn samt Hennen hat ein neues Haus bekommen - in direkter Nachbarschaft zu den Eseln und Ziegen.
Der Barthahn samt Hennen hat ein neues Haus bekommen - in direkter Nachbarschaft zu den Eseln und Ziegen. © Sebastian Schultz

Es bleibt also wuselig im gesamten Tierpark, nicht nur bei den Degus. Die könnten auf absehbare Zeit auch noch ein richtiges eigenes Gehege bekommen. Und Nachwuchs? Da müssen sich auch die Tierpark-Mitarbeiter überraschen lassen, gesteht Michael Tobis. "Was Männchen sind und was Weibchen, das können auch wir nicht sagen." 

Weitere Nachrichten aus Riesa und Umgebung lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Riesa