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Das ist Zittaus erster Tagesvater

Windeln wechseln ist nichts für zarte Seelen, das weiß Maik Wolf. Bis zu fünf Kleinkinder will er betreuen.

Von Mario Heinke

Maik Wolf ist ein Schnellsprecher. Wortsalven, wie aus dem Schnellfeuergewehr abgefeuert, verteilen sich im Spielzimmer und verhallen. Das weichgespülte „Nuja“, dass er manchen Sätzen voranstellt, verrät, dass seine Heimat irgendwo um Dresden zu suchen ist. Fünf Kinder bis drei Jahre soll der 32-Jährige im „Regenbogenhaus“ in der Weststraße betreuen. Das ist harte Arbeit, wohl deshalb ist er der erste Tagesvater in der Stadt und der zweite im Landkreis.

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Tagesmütter gibt es schon einige Jahre, als alternatives Betreuungsangebot zur klassischen Kinderkrippe haben sich Tagesmütter inzwischen überall etabliert. Anders als bei den Tagesmüttern werden die Kinder jedoch nicht zu Hause bei den Tagesmüttern betreut, sondern in separaten Spielzimmern des „Regenbogenhauses“, einer heilpädagogischen Kindertagesstätte der Lebenshilfe Zittau. Die Lebenshilfe erweitert damit ihr umfangreiches Angebot, diesmal für Kinder ohne Handicap. Zwei Spielzimmer mit großen Fenstern sind eigens für den Tagesvater eingerichtet worden.

Die Betreuung erfolgt wochentags, von früh bis nachmittags. Auch wenn die Mutter noch stillt, kann die eingefrorene Muttermilch vom Tagesvater aufgewärmt und mittels Flasche verabreicht werden. Eltern, die noch eine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind suchen, können sich im „Regenbogenhaus“ melden. „Es gibt noch freie Plätze“, sagt Zittaus erster Tagesvater.

Seit sechs Jahren arbeitet Maik Wolf schon als Erzieher in der Einrichtung, Kindergeschrei und Windeln wechseln ist deshalb für ihn nichts Neues. „Ich bin beruflich angekommen und zufrieden mit meiner Arbeit“, sagt der gut gelaunte Tagesvater. Mit dem traditionellen Rollenbild, dass Frauen besser mit Kindern könnten, kann er wenig anfangen. Im Gegenteil, im Freundeskreis reagieren die meisten mit Interesse, wenn er von seiner Arbeit spreche, so Wolf.

Wegen der Ausbildung zum Ergotherapeuten hat es den Moritzburger 2003 nach Zittau verschlagen. In der privaten Berufsfachschule „Ergodia“ auf der Dresdner Straße hat Wolfs Weg in der sozialen Arbeit seinen Anfang genommen und setzt sich nun zwischen Puppen, Spielzeugautos und bunten Bauklötzern fort. Wolfs Eltern sind wegen der beruflichen Pläne ihres Sprösslings erst skeptisch gewesen.

Das hat sich inzwischen gelegt. Trotzdem sei Wolfs Vater immer noch erstaunt, dass sein Sohn mit Frauen so gut klar kommt. Seit März 2011 studiert Wolf berufsbegleitend Kinderpädagogik. Ein konsequenter Schritt, so als möchte er sagen: ich bin gekommen, um zu bleiben.

„Als Mann macht man vieles instinktiv schon anders als die Kolleginnen“, sagt der Erzieher. Was er genau anders macht, kann er nicht so richtig erklären. Eben mehr zack, zack und weniger reden, so Wolf, der wie der Hahn im Korbe dauerhaft von zehn Kolleginnen umgeben ist. Er verstehe sich gut mit den Frauen. „Gemischt ist besser als nur Frauen“ bestätigt Kollegin Sylvia Döring die Aussage. Auch die Eltern der Kinder fänden es gut, dass ein Mann im Haus ist.

Anmeldungen in der Kita „Regenbogenhaus“ unter 03583 510455