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Das kann das neue Kraftwerkslabor

Die Zittauer Hochschule testet im Kleinen die große Energiewende. Dabei helfen Gelder, aber auch Gespräche.

Von Tilo Berger

Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) ist nicht gerade als Possenreißer bekannt. Am Donnerstagabend aber ließ der nüchterne Geldzähler dann doch einige lockere Sprüche los. Einer davon: „Eine Steuererklärung ist manchmal schwerer, als ein Magnetlager auszulegen.“ Unter anderem wegen eines solchen Bauteils war Unland nach Zittau gekommen. Das Magnetlager ist Teil des neuen Kraftwerkslabors der Hochschule Zittau/Görlitz. Dessen Einweihung geriet überhaupt zu einer Parade starker Sprüche.

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„Hier findet Zukunft statt!“

(Hochschulrektor Friedrich Albrecht)

Alle reden über die Energiewende. Atomausstieg, Solarstrom, Kraftwerksreserve sind nur drei von vielen Stichworten dieser Debatte. Das Ziel ist klar, aber auf dem Weg dahin sind noch viele Details ungeklärt. Hier kann und soll das neue Kraftwerkslabor helfen. Kein Zufall, dass es gerade in Zittau entstand. Tausende kluge Köpfe, die heute deutschlandweit an Schaltstellen der Energiebranche sitzen, durchliefen die Zittauer Schule – erst die Ingenieurschule für Energiewirtschaft, dann die Ingenieurhochschule, ab 1988 die Technische Hochschule, seit 1992 die Hochschule Zittau/Görlitz. Energie fließt hier nicht allein in Hörsälen, sondern auch in Labors und Versuchsanlagen. Vor sieben Jahren kam Wissenschaftlern des hochschuleigenen Instituts für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik der Gedanke, in die Jahre gekommene Anlagen durch neue zu ersetzen. Aus der Idee wurde die größte Forschungsinvestition seit Gründung der Hochschule Zittau/Görlitz im Jahre 1992.

Das neue Labor besteht aus drei Teilen. Einer davon sieht aus wie die überdimensionierte Trommel einer Waschmaschine, aber im Innern stecken starke Magneten. Zwischen denen schwebt ein Rotor, wie sich beispielsweise in jeder Windkraftanlage einer befindet. Nur: Im Windrad ist der Rotor fest verankert, bei seinen Drehungen entsteht Reibung und wird Schmieröl gebraucht. Das soll aber in Zukunft reibungslos funktionieren – wie genau, erforscht das Zittauer Labor. Dessen zweiter Teil widmet sich der Frage, wie Kraftwerke schneller ihre Leistung drosseln oder hochfahren können – ein hochaktuelles Thema, weil ja erneuerbare Energien Vorfahrt im Stromnetz haben und alle anderen Erzeuger darauf reagieren müssen. Nicht aus Langeweile verfolgten Vertreter von Konzernen wie Vattenfall, Siemens und BASF die Einweihung am Donnerstag. Der dritte Teil des Labors beschäftigt sich mit Thermochemie.

„Das ist gut angelegtes Geld“

(Finanzminister Georg Unland)

Rund 90 Millionen Euro steckte der Freistaat seit 1992 bereits in die Hochschule an der Neiße. Sieben Millionen Euro kostete jetzt das Forschungslabor. 6,3 Millionen davon waren Fördergelder der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen, rund 700 000 Euro trug die Hochschule selbst. Unland brachte am Donnerstag Zuwendungsbescheide über weitere 3,73 Millionen Euro Fördergelder mit. Diese Gelder gibt das sächsische Wirtschaftsministerium, um damit Zittauer Forschungsprojekte für die Energiewirtschaft zu unterstützen.

Geld für das Forschungslabor kam auch von den Stadtwerken Zittau: Das kommunale Unternehmen schoss die Kosten für die Herrichtung der Halle vor. Die gehört den Stadtwerken, und einst arbeiteten darin Turbinen. Kommentar