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Das kann noch richtig teuer werden

Ein Radebeuler beschädigt ein parkendes Auto. Er meldet das der Versicherung, entschuldigt sich beim Unfallgegner. Und will es doch nicht gewesen sein.

Ein Radebeuler will einen Unfall nicht bemerkt haben. Doch vieles spricht gegen ihn.
Ein Radebeuler will einen Unfall nicht bemerkt haben. Doch vieles spricht gegen ihn. © Peter Steffen/dpa

Meißen. "Ich weiß von gar nichts".  Der 75-jährige Radebeuler gibt vor dem Meißner Amtsgericht den Unwissenden.  Der Vorwurf, er habe in Radebeul ein parkendes Auto beschädigt und sei dann einfach weggefahren, sei "grundlos in den Raum gestellt" worden.  Allerdings: Nachdem die Polizei bei ihm auftauchte, meldete er den Schaden der Versicherung. Der ist inzwischen auch reguliert. Mehr noch. Er fuhr zu dem Geschädigten, entschuldigte sich. Dennoch bleibt er dabei: "Ich habe noch nie einen Unfall verursacht." Das sieht die Staatsanwaltschaft anders. Wegen unerlaubten Verlassens des Unfallortes sitzt der Mann nun vor Gericht. Weil bei dem Unfall ein bedeutender Schaden entstand  - also mehr als 1.500 Euro - droht ihm im Falle einer Verurteilung neben einer Geldstrafe auch der Entzug der Fahrerlaubnis. Sein Führerschein wurde eine Woche vor der Verhandlung vorläufig eingezogen. 

Ein sehr glaubwürdiger Zeuge

Einmal ist eben immer das erste Mal.  Für den Unfall gibt es jedenfalls einen unbeteiligten und sehr glaubwürdigen Zeugen. Der Angeklagte hatte  mit seinem Fahrzeug vor dessen Garage geparkt. Er forderte ihn auf wegzufahren, was dieser auch tat. Dann beobachtete der Zeuge, wie der Mann ein parkendes Auto beschädigte. "Er hatte wohl die Lenkung zu stark nach rechts eingeschlagen. Das andere Auto wackelte. Dann fuhr er rückwärts und versuchte es ein zweites Mal. Wieder wackelte das andere Auto", so  der Zeuge. Dann sei der Angeklagte ausgestiegen, habe sich die rechte Seite seines Golfs angesehen. Danach sei er weitergefahren, habe an anderer Stelle geparkt, sich erneut sein Fahrzeug angeschaut.  Dann sei die Frau des Angeklagten gekommen. Beide seien eingestiegen und weggefahren.  "Ich habe noch versucht, den Angeklagten mit Zeichen zum Anhalten zu bewegen. Aber er hat gar nicht reagiert, ist einfach weitergefahren", so der Zeuge. Er notiert sich das Kennzeichen, hinterlässt an der Windschutzscheibe des beschädigten Autos einen Zettel. Ihm ist es zu verdanken, dass der Geschädigte nicht auf dem Schaden sitzen bleibt. 

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Doch der Angeklagte gibt den Ahnungslosen. Er sei an diesem Tag unterwegs gewesen, auch am Unfallort, wisse aber nicht, mit welchem Auto. "Ich helfe in der Werkstatt meines Sohnes aus, fahre täglich mit vielen Autos", sagt er. Dabei weiß er es ganz genau. Es ist nämlich das Auto seiner Frau, wie diese später als Zeugin sagt. 

Außer der Zeugenaussage gibt es noch andere Beweise. Die Polizei hat festgestellt, dass die Schäden an den beiden Fahrzeugen zusammenpassen. Jetzt  räumt der Angeklagte ein, dass er den Unfall verursacht haben könnte, will ihn aber nicht bemerkt haben. Mit seinem Vorschlag, das Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen, blitzt der Verteidiger bei der Staatsanwältin ab. Für sie ist die Sache klar. "Eine Einstellung kommt für mich überhaupt nicht infrage", sagt sie entschlossen.  

Richter Michael Falk bringt daraufhin ein Sachverständigengutachten ins Spiel. Ein Gutachter soll klären, ob der Angeklagte den Unfall hätte bemerken können. Das Interesse des Verteidigers hält sich wegen des Kostenrisikos in Grenzen. Denn kommt der Gutachter tatsächlich zu diesem Schluss und wird sein Mandant verurteilt, muss er auch die Kosten des Gutachtens von rund 1.500 Euro tragen. Das kann also für den Radebeuler noch richtig teuer werden. 

Gutachten soll die Schuldfrage klären

Doch an einem Gutachten führt kein Weg vorbei. Erst dann wird die Verhandlung fortgesetzt oder - sollte das nicht innerhalb von drei Wochen möglich sein - von vorn beginnen. Allerdings bekommt der Angeklagte vorläufig seinen Führerschein zurück. Der Grund: Die Polizei hatte den Schaden auf 500 Euro geschätzt, also deutlich unter der 1.500-Euro-Grenze. Deshalb habe der Angeklagte nach Auffassung des Richters ebenfalls nicht erkennen können, dass ein bedeutender Schaden entstanden sei. Bei einem geringen Schaden droht aber kein Führerscheinentzug.  Fraglich ist, ob der Angeklagte die Höhe des  Schadens nicht doch hätte abschätzen können. Immerhin ist er Kraftfahrzeugmeister. Der Richter macht dem Mann deutlich, dass er den Führerschein nur vorläufig zurückbekommt.  Das Verfahren soll am 12. August fortgesetzt werden, wenn bis dahin ein Gutachten vorliegt.

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