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Dresden

Ein weiter Weg bis zum neuen Königsufer 

Zwar gibt es jetzt einen Siegerentwurf für die Neubebauung. Doch wann es dort losgeht, weiß noch niemand.

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain und Stadtplanerin Anja Heckmann mit dem gerollten Siegerentwurf für das Königsufer.
Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain und Stadtplanerin Anja Heckmann mit dem gerollten Siegerentwurf für das Königsufer. © René Meinig

Der Schwung dieses Wettbewerbes wird über Dresdens Grenzen hinausgehen und Vorbild für andere Städte werden, da ist sich der Baubürgermeister sicher. „Wir haben uns seit Sommer 2018 nicht nur Ideen für die Neugestaltung des Königsufers und des Neustädter Marktes geholt, sondern auch die Bürgerschaft aktiv in den Prozess eingebunden“, sagte Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne), als er den Siegerentwurf der Berliner Architekten Bernd Albers und Günther Vogt am Donnerstag vorstellte.

Warum wurde überhaupt ein Wettbewerb gestartet?

Ein Großteil der Flächen zwischen Finanzministerium und Blockhaus sowie neben dem Hotel Bellevue gehören dem Bund, dem Land und privaten Eigentümern. Lediglich ein kleiner Teil ist in städtischem Besitz. Da es jedoch immer wieder Anfragen an die Stadt gegeben habe, was man dort bauen dürfe, hat sich die Stadt für einen Wettbewerb entschlossen. „Immerhin ist es das Gegenüber der Brühlschen Terrasse, ein Filetstück, für das wir die besten Ideen und Lösungen finden wollten“, so der Baubürgermeister. „Die Stadt ist der Herr des Verfahrens, der für diesen Bereich die Kriterien aufstellt und Hilfestellung für die Investoren gibt.“

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War es eine knappe oder eine von vielen getragene Jury-Entscheidung?

Allein an der Schnelligkeit ist erkennbar, dass sich eine breite Mehrheit, nämlich 17 zu sechs Stimmen, für den Siegerentwurf ausgesprochen haben. Dieser wurde bereits am Montag gekürt, obwohl noch einen Tag länger Bedenkzeit gewesen wäre. Schmidt-Lamontain sprach von einer fast harmonischen Stimmung in der Jury, der immerhin 50 Leute angehörten, unter anderem Stadträte und Grundstückseigentümer. Davon haben aber nur 23 Stimmrecht. Besonders positiv wertet er, dass auch fast 600 Bürger den Siegerentwurf während der öffentlichen Ausstellung als gut bewertet haben.


Die blau markierten Gebäude auf der Karte zeigen die geplanten Häuser am Neustädter Markt und am Königsufer.
Die blau markierten Gebäude auf der Karte zeigen die geplanten Häuser am Neustädter Markt und am Königsufer. © Stadtverwaltung Dresden

Was sieht der Siegerentwurf für Königsufer und Neustädter Markt vor?

Zwischen Finanzministerium hat er die Struktur der früher dort stehenden Bürgerhäuser aufgegriffen, aber mit größeren Innenhöfen neu interpretiert. Es entsteht so wieder eine klare Kante zur Köpcke- und Großen Meissner Straße. Zwischen einzelnen Häuser soll es eine Gasse vom Neustädter Markt zu den Elbwiesen geben, die direkt auf den Turm der Frauenkirche zuläuft. Hinter den Gebäuden in Richtung Elbe sind pavillonartige Häuser in terrassenartigen Gärten geplant. Westlich des Blockhauses sieht der Entwurf Bürgerhäuser vor, die auch teilweise rekonstruiert werden könnten. Vor allem zur Straßenfront sei dies möglich, so der Baubürgermeister. Zudem soll das Hotel Bellevue durch Anbauten bis nahe des japanischen Palais erweitert werden, sodass der jetzige Parkplatz verschwindet und es wieder eine Kante zur Straße gibt. Auf dem Neustädter Markt sind rechts und links vom Goldenen Reiter zwei Neubauten vorgesehen, für die die bestehenden Brunnen verlegt werden müssten. Allerdings sollen dies alles in zwei Stufen umgesetzt werden, erst das Königsufer, dann die anderen Vorhaben, für die auch die Straße schmaler werden soll.

Was hat die Jury am Entwurf besonders überzeugt?

Vor allem die gute Maßstäblichkeit seiner Baublöcke, die zu einem sehr schlüssigen Gesamtbild führen, so Schmidt-Lamontain. Das gilt insbesondere für die ruhige und dennoch differenzierte Raumkante zur Elbe, die gut proportionierten Kantenlängen der Blöcke zur Großen Meißner Straße sowie die spannungsvollen Blick- und Wegebeziehungen zur Elbe, die zwischen den Bauepochen gut vermitteln und abwechslungsreiche Zusammenhänge herstellen. Mit den elbseitig angeordneten Gärten entwickeln sich gut proportionierte Freiräume, die sich zwar auf die Gebäude beziehen, den Übergang zum öffentlichen Elbraum jedoch gut bewältigen.


Welche Hinweise gab die Jury zur weiteren Bearbeitung mit?

Größter Knackpunkt, auch in der Bürgerbeteiligung, ist die Frage, wie mit den DDR-Blöcken auf dem Neustädter Markt umgegangen werden soll. Dazu wird es weitere Diskussionen geben. Zudem soll überprüft werden, wie nah die Hotelerweiterung tatsächlich an das Japanische Palais heranrücken sollte, damit seine Wirkung als Solitär nicht verloren geht. Außerdem empfiehlt die Jury für die Architektur der künftigen Baukörper die Qualifizierung über einzelne Wettbewerbe.

Das gleiche Szenario wie oben, nur diesmal auf dem Modell .
Das gleiche Szenario wie oben, nur diesmal auf dem Modell . © René Meinig

Wann könnte am Königsufer gebaut werden?

Jetzt widmen sich die Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes intensiv dem Bebauungsplan für das Gebiet, in den auch die Ergebnisse des Siegerentwurfes mit eingearbeitet werden. „Wir wollen uns aber vom Stadtrat noch einmal bestätigen lassen, dass wir so weiterarbeiten dürfen“, sagt Anja Heckmann, die zuständige Planerin für das Gebiet. Der Baubürgermeister rechnet mit zwei bis drei Jahren Bearbeitungszeit für den Plan. „Aber wann dann wirklich gebaut wird, kann heute niemand sagen. Das ist ja Sache der einzelnen Investoren.“ Denen obliegt es auch, die Wettbewerbe für ihre geplanten Gebäude zu starten und zu finanzieren. Keiner wüsste, ob das auch gelingt. „Aber sie waren ja Teil der Jury und haben sich explizit den Empfehlungen angeschlossen. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie selbst ein Interesse daran haben“, sagt Schmidt-Lamontain.

Was hat der Wettbewerb mit der Bürgerbeteiligung gekostet?

Noch sind nicht alle Kosten addiert, doch bereits jetzt schlägt die Bürgerbeteiligung mit 60 000 Euro für die externe Betreuung zu Buche, sagt Christina Eppers vom Stadtplanungsamt, die dafür verantwortlich ist. Dazu kommen noch die Druckkosten für die Fragebögen der letzten Ausstellung sowie die Personalkosten für die städtischen Mitarbeiter. „Das ist nicht für Null zu haben“, sagt der Baubürgermeister, ist sich aber sicher, dass das Dresdner Modell bald auch andernorts auf Interesse zur Nachnutzung stoßen wird. Auch die Preisträger bekommen Geld, der Siegerentwurf allein erhält 24 000 Euro , der Zweitplatzierte 15 000 Euro und der Dritte 9 000 Euro.

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Der Siegerentwurf wird am 21. Februar um 18 Uhr im Zentrum für Baukultur im Kulturpalast gewürdigt. Dort sind noch einmal alle Entwürfe des Wettbewerbes zu sehen. Die Ausstellung ist ab 22. Februar dienstags bis sonnabends von 13 bis 18 Uhr geöffnet.