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Großenhain

„Das könnte eine Superernte werden“

Trotzdem wird vielen Betrieben auch eine gute Ernte nichts nützen. Warum das so ist, erklärt Manfred Engelmann.

Manfred Engelmann am Rapsfeld in Skaup. Der plötzliche Regen war Gold wert, sagt er. Die Pflanzen treiben noch einmal kräftig aus. Trotzdem müssen sich die Landwirte Gedanken machen, was nördlich der B 98 künftig noch angebaut werden kann. Doch das sind n
Manfred Engelmann am Rapsfeld in Skaup. Der plötzliche Regen war Gold wert, sagt er. Die Pflanzen treiben noch einmal kräftig aus. Trotzdem müssen sich die Landwirte Gedanken machen, was nördlich der B 98 künftig noch angebaut werden kann. Doch das sind n © Anne Hübschmann

Großenhain. Ist an dieser Rapspflanze etwas auszusetzen? Manfred Engelmann, Chef der Agrargenossenschaft Skäßchen, hält den vor frischem Grün nur so strotzenden Raps in die Höhe. 

Er zeigt auf die neuen Triebe, die durch den Regen plötzlich hervorgesprossen sind. „Zwiewuchs“, sagt der Fachmann dazu. Alles was die Dürre der letzten Wochen geradeso überlebt hat, schießt auf einmal empor. „Der Regen war Gold wert. Das könnte 2019 eine der besten Ernten werden, die wir je hatten“, sagt Engelmann an den weithin gold-gelb schimmernden Feldern bei Skaup. Der erfahrene Landwirt neigt da nicht zum Überschwang. Er kann sich noch gut an das super trockene Jahr 2003 und den anschließenden Regen zur rechten Zeit im neuen Frühjahr erinnern.

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Preise global kaputtgemacht

Im Jahr 2004 fuhren die Bauern ihre beste Ernte seit der Wende ein. So könnte es wieder werden. Ob dann aber auch die Preise auf Rekordtief liegen wie 2004, daran wagt der Landwirt heute gar nicht zu denken.

In dem Jahr gab es für den Doppelzentner Roggen 6,50 Euro. Derzeit liegt er bei 19 Euro. Noch. Denn ob das so bleibt, ist die Frage. Seit Februar 2019 sind die Preise trotz der Trockenheit und der damit prognostizierten dürren Ernte schon wieder im freien Fall, erzählt Engelmann. „Und gibt es irgendetwas nicht zu kaufen?“, fragt er. „Nein“, gibt er sich selbst die Antwort. Das Getreide kommt mittlerweile aus Kanada oder der Ukraine, Bioethanol aus Argentinien, was die Rapspreise hier kaputtmacht. „Es gibt keinen Mangel“ und die Preise bleiben dauerhaft im Keller und der Bauern in der Rolle des Subventionsbittstellers.

Dabei überlegen etliche Vorstände von hiesigen Agrargenossenschaften gerade, ob sie den Weizen im Dürregürtel nördlich der B 98 ganz aus ihrer Anbau-Palette herausnehmen und auf Roggen umsteigen. Auch in Skäßchen gab es dazu jetzt eine Gesprächsrunde. „Wenn das natürlich alle machen, gehen die Preise weiter runter“, darüber ist sich Engelmann im Klaren.

Doch auf den sandigen Böden hat der Weizenanbau bei den Wetterkapriolen zunehmend weniger Sinn. Einfach nur die Frucht wechseln, löst das Problem allerdings nicht. „Der Roggen ist regenempfindlich. Wenn er vom Feld muss, darf nicht lange gewartet werden“, so Engelmann. Am besten realisieren ließ sich das aus Sicht von Manfred Engelmann, wenn die Agrargenossenschaften wieder eng miteinander kooperieren würden.

Ausgerechnet ein Jungspund, in den 1980er geboren, hatte ihn kürzlich auf der Agra darauf angesprochen, warum die Ost-Betriebe so eine wichtige Errungenschaft aus LPG-Zeiten aus der Hand gegeben haben. Nicht alle müssten schließlich alles machen. „Stimmt“, so Engelmann. 

Schon früher wurde der Weizen in Blattersleben und Baßlitz angebaut, danach hat man Kontingente getauscht. Auch bei der Technik müsse nicht jeder alles selbst vorhalten. Und es gibt noch einen Punkt, an den die heimische Landwirtschaft immer häufiger stößt: die schleppende Forschung in Deutschland. Um wenigstens einen Stressfaktor, den Maiszünsler, auszuschalten, wurden Anfang 2000 zwischen Thiendorf und Zabeltitz zweieinhalb Mal so viel Genmais angebaut, wie in ganz Bayern – insgesamt rund 288 Hektar MON 810. 

Nach Gemeinden stellte sich das wie folgt dar: Ebersbach 53,6 Hektar, Tauscha 65,8 Hektar, Weißig 5,3 Hektar, Wildenhain 26,9 Hektar und Zabeltitz 137 Hektar. Nun muss man dem Genmais nicht das Wort reden, nur dass die gentechnisch veränderten Sorten in dieser Region auf besonders fruchtbaren Boden fielen, hatte natürlich seine Ursachen. Wachsender Preisdruck, schlechte Böden und nun noch Wetterkapriolen. Mit dem Verbot des Genmaises ist diese Entwicklung abgebrochen.

Ob Pflanze oder Tier, dass in Deutschland alles zerredet oder verboten wird, hält Manfred Engelmann grundsätzlich für falsch. Die Forschung wandere seit Jahren in die USA, nach China oder Israel ab. So etwas sei immer bedenklich für ein Land. Der flotte Spruch von Manfred Engelmann aus dem Dürrejahr 2003, als er sagte „Wenn das so weitergeht, bauen wir hier Kakteen an!“ wird unter den Landwirten längst nicht mehr belächelt. Denn sie haben noch ein Problem: Die Tiere in den Ställen brauchen Futter und das muss angebaut werden. Zukaufen ist bei den heutigen Preisen auch keine Option.