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Das kommt mit Defender noch auf uns zu

Vor allem nachts rollen US-Militärkolonnen durch die Oberlausitz. Am Sonntag kann man sich informieren: in der Eisarena Weißwasser.

Die ersten 120 US-Soldaten bereiten sich in der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne der Bundeswehr in Hagenow auf ihre Weiterfahrt zur Nato-Großübung „Defender Europe 2020“ vor. In der Oberlausitz werden die ersten US-Soldaten Mitte März erwartet.
Die ersten 120 US-Soldaten bereiten sich in der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne der Bundeswehr in Hagenow auf ihre Weiterfahrt zur Nato-Großübung „Defender Europe 2020“ vor. In der Oberlausitz werden die ersten US-Soldaten Mitte März erwartet. © dpa-Zentralbild

Gigantisch sind die Zahlen: 37.000 Soldaten aus 18 Nationen, davon das Gros von 20.000 Mann über Seehäfen aus den USA kommend, nehmen mit 35.000 Kraftfahrzeugen und Panzern an „US Defender Europe 2020“ teil. Das Manöver geht von Januar bis Mai. Die Oberlausitz spielt dabei eine ganz wesentliche Rolle – als eine Drehscheibe von West nach Ost. In den nächsten Wochen werden sich 3.000 amerikanische Soldaten mit 1.500 Fahrzeugen als Militärkolonne durch Sachsen bewegen. Auf dem Weg nach Osten fährt ab Mitte März der erste Teil über die Bundesstraßen B 156 und B 115 zum Truppenübungsplatz Oberlausitz. Voraussichtlich Ende April, und damit weit nach Ostern, führen Truppentransporte über die sächsischen Autobahnen A 72 und A 4 in Richtung Polen mit Rast in der Wettiner-Kaserne in Frankenberg und Übernachtung auf dem Truppenübungsplatz (Tüp) Oberlausitz.

Versorgung in der Muskauer Heide

In der Muskauer Heide wird einer der drei Convoi Support Center, kurz CSC, in Deutschland eingerichtet. Diese Servicepunkte sichern die Versorgung mit Tanken und sanitätsdienstlicher Betreuung. Die Soldaten werden zu 350 Mann in einem Großzelt untergebracht und nutzen die Sanitäranlagen vor Ort. Parkplätze für maximal 140 Fahrzeuge sind auf dem Truppenübungsplatz eingerichtet. Wie von Oberstleutnant Eric Gusenburger zu erfahren war, werden die US-Truppen mit sogenannten MRE „Meals ready to eat“, also Fertigessen, und mit Trinkwasser versorgt. „Darüber hinaus gibt es wie in einer Tankstelle auch Kaffee, Softdrinks und Schokoriegel zu kaufen“, so der Sprecher der Bundeswehr in Sachsen.

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Bei der Versorgung wird die Mannschaft des Truppenübungsplatzes in Haide durch eine Einheit der Bundeswehr aus Beelitz unterstützt. Die Truppe ist bereits da und mit dem Aufbau beschäftigt. Dieser muss bis zur 12. Kalenderwoche fertig sein. Ab dann werden die ersten US-Kolonnen aus Norden von der A 15, aus Brandenburg kommend, in der Oberlausitz erwartet.

Panzer reisen mit der Bahn

Eine militärische Kolonne ist im Schnitt 1.200 Meter lang, besteht aus rund 20 Fahrzeugen und fährt mit einem Tempo von rund 60 km/h. Um eine Kreuzung zu passieren, braucht der Konvoi etwas mehr als eine Minute. Die Militärtransporte finden vor allem nachts statt. „Kampfpanzer und andere schwere Fahrzeuge werden ausschließlich per Bahn transportiert, um Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr in Grenzen zu halten“, heißt es beim Landeskommando Sachsen der Bundeswehr.

Am Mittwoch hatten die US Army und die Bundeswehr in der Wettiner-Kaserne in Frankenberg Details zu der internationalen Großübung bekannt gegeben. Für einen reibungslosen Ablauf der Transporte arbeiten Polizei, Behörden, Rettungs- und Hilfsorganisationen eng mit der Bundeswehr zusammen. Aus dem amerikanischen Heereshauptquartier Europa in Wiesbaden ist indes zu erfahren: „Wir sind besonders dankbar für die Unterstützung der Bundeswehr, der zivilen Behörden und für das Verständnis der Bevölkerung vor Ort.“ Das aber könnte schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn während der Truppenbewegungen beispielsweise kommunale Straßen oder private Grundstückszufahrten oder gar Gebäude beschädigt werden. Das möchte niemand, ist bei der Dimension des Ganzen aber nicht vollends auszuschließen. In einem solchen Fall erfolgt die Schadensregulierung über das Bundesamt für Immobilienabwicklung, erklärt Oberstleutnant Eric Gusenburger. Betroffene müssten sich dazu bei ihrer Gemeinde oder beim Landkreis melden. Außerdem findet man auf der Website von US Army Europe/Defender 2020 ein Formblatt, wo man den Schaden direkt anzeigen kann.

Begründet wird die Notwendigkeit des Manövers mit der Veränderung der sicherheitspolitischen Lage in Europa und der Bedrohung der Sicherheit der Nato-Staaten in Osteuropa. Deshalb sei es wichtig, „starke militärische Kräfte schnell verlegen zu können“, heißt es in einer offiziellen Erklärung. Die Übung diene der Abschreckung. Gerade deshalb wird das Groß-Manöver – Truppentransporte in vergleichbarer Dimension fanden in Deutschland zuletzt vor 25 Jahren statt – politisch ganz unterschiedlich bewertet. „Die Nato ist unser gemeinsamer Verbündeter. Sie leistet einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit Europas“, hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Mittwoch in Frankenberg erklärt.

Die holländische Armee bei einer Luftlande-Übung im Januar nahe Rothenburg.
Die holländische Armee bei einer Luftlande-Übung im Januar nahe Rothenburg. © SZ-Archiv / André Schulze

Die Linken wenden sich schon seit geraumer Zeit gegen die steigenden Aktivitäten auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz und gegen dessen geplanten Ausbau. Auf dem Markt in Weißwasser demonstrierten sie beispielsweise mit einem Plakat, dass die Amerikaner willkommen seien – aber als Touristen. Die Bundestagsfraktion der Linken veranstaltet am 28. März in Weißwasser eine Friedenskonferenz. Der AfD-Kreisverband wendet sich mit großflächigen Plakaten in der Stadt gegen das Manöver, weil man darin eine Provokation Russlands sieht. Bei der Kreis-CDU hingegen verweist man auf den wichtigen Beitrag im Nato-Bündnis. „Linke Ideologie und Panikmache sind bei dem Thema fehl am Platz“, hatte der Vorsitzende Florian Oest erklärt.

Beim alljährlichen Bürgermeistertreffen der Anrainerkommunen informierte Tüp-Kommandant Oberstleutnant René Pierschel am Mittwoch über Belegung und Schießpläne in diesem Jahr, aber natürlich vor allem über die Großübung „Defender 2020“, wenn der Tüp zur Raststätte wird.

Nato-Band spielt zum Eislaufen

Abgesehen davon lädt die Sächsische Staatsregierung Anwohner der betroffenen Regionen und Bürger in Frankenberg und Weißwasser zu Informationsveranstaltungen ein. „Ich kann verstehen, dass Militär- und Waffentransporte in Sachsen bei den Menschen für Fragen und Verunsicherung sorgen. Gemeinsam mit der Bundeswehr informieren wir offen und transparent über die anstehenden Truppenbewegungen im Freistaat“, so Ministerpräsident Michael Kretschmer.

In Weißwasser ist das an diesem Sonntag, dem 8. März, ab 13.30 Uhr in der Eisarena der Fall. Neben dem Eislaufen kann man sich an Ständen des Landkreises, des US-Konsulats aus Leipzig und der amerikanischen Streitkräfte über das Manöver informieren. Nach einem Grußwort des Ministerpräsidenten gegen 14 Uhr spielt die Shape International Band Rock und Pop aus den Charts sowie Jazz. Die internationale Militärband ist seit 36 Jahren offizieller musikalischer Vertreter des Nato-Hauptquartiers in Brüssel. Nach dem Eislaufen ab 15.50 Uhr veranstalten die Füchse ein Showtraining der Nachwuchsteams.

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Öffentliche Informationsveranstaltung der Sächsischen Staatsregierung zu „Defender 2020“ mit kostenlosem Eislaufen und Konzert der Nato-Militärband Shape International Band am 8. März ab 13.30 Uhr in der Eisarena Weißwasser am Prof.-Wagenfeld-Ring 6C

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