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Weißwasser

„Das Krankenhaus wird nicht geschlossen!“

Die Gerüchteküche rund um die Klinik in Weißwasser brodelt. Zu Unrecht, sagen die Geschäftsführer.

Das Kreiskrankenhaus Weißwasser wirbt mit dem Slogan „Ihr Krankenhaus mit Herz!“. Bleibt zu hoffen, dass es trotz Strukturwandel und Einwohnerrückgang lange schlägt.
Das Kreiskrankenhaus Weißwasser wirbt mit dem Slogan „Ihr Krankenhaus mit Herz!“. Bleibt zu hoffen, dass es trotz Strukturwandel und Einwohnerrückgang lange schlägt. © Foto: Joachim Rehle

Von Sabine Larbig

Weißwasser. Die Menschen in und um Weißwasser sind verängstigt, was die Zukunft des Kreiskrankenhauses angeht. Kein Wunder. Seit Monaten werden in Wartezimmern, beim Einkauf oder Gesprächen auf der Straße immer wieder Hiobsbotschaften über angebliche Schließungen von Kreißsaal, Palliativstation oder gar dem ganzen Krankenhaus weitergetragen. Auch von Personalflucht in Größenordnungen ist die Rede in der Bevölkerung.

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Derartiges Hörensagen ist auch den Geschäftsführern der Weißwasseraner Klinik bekannt, die jedoch alles als Gerüchteküche abtun. „Das Krankenhaus in Weißwasser wird nicht geschlossen. Alles andere ist dummes Gerede“, erklärt Andreas Grahlemann, Geschäftsführer der Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz mbH, zu dessen Unternehmensverbund das Krankenhaus Weißwasser gehört, gegenüber Tageblatt. Dem Gerücht, dass der Kreißsaal schließe, widerspricht er ebenso vehement. „So ein Quatsch bei durchschnittlich 300 bis 350 Entbindungen im Jahr.“ Auch die neue Palliativstation mit sechs Betten werde nicht wieder geschlossen. Da sie aber seit einigen Monaten nur mehr oder weniger belegt gewesen sei, habe man sich in der Sommer- und Urlaubszeit zur Reduzierung von Räumlichkeiten entschlossen, Patienten und Personal auf andere Stationen zu verteilen. „Wir sind angetreten, alles am Laufen zu halten. Dass es viel Mühe erfordert und es hier und da Probleme gibt, ist natürlich unbestritten“, so Grahlemann. So leide die Klinik in Weißwasser natürlich unter der demografischen Entwicklung und dem Einwohnerrückgang in der Region, was beispielsweise das Sinken der stationären Fallzahlen belege. „Doch das ist kein Phänomen der Lausitz, sondern seit 2017 ein bundesweiter Trend, den kleine Einrichtungen nicht so kompensieren können wie große Häuser“, sagt Grahlemann.

Mit aktuell 180 Planbetten gilt die Klinik Weißwasser als kleines Haus. Durch ihre Fachbereiche Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Kinderheilkunde, Intensivmedizin und Radiologie ist sie andererseits gleichzeitig ein Haus der Grundversorgung der Bevölkerung. Abgesichert wird diese Aufgabe durch 60 Ärzte sowie rund 155 Pflegekräfte. Hinzu kommen weitere 115 Mitarbeiter in Labor, OP, Physiotherapie und anderen Krankenhauseinrichtungen. „Natürlich wünschen wir uns, dass mittelfristig alle Betten und Abteilungen erhalten werden. Doch was in zehn Jahren ist, können wir nicht sagen. Das hängt von der weiteren demografischen Entwicklung ab“, bekennt auch Steffen Thiele, Geschäftsführer Klinikmanagement.

Das derzeit größte Problem in Weißwasser sei die Absicherung des Personals bei Ärzten und Pflegekräften, weil es durch Altersabgänge, Krankheit, Berufswechsel, Studium oder Abwerbung stetig schwanke. Thiele: „Es ist ein laufender Prozess, der nie abbricht. Mit 23 Zugängen und 25 Abgängen im ersten Halbjahr 2019 und einer Facharztquote von 70 Prozent sind wir aber gut aufgestellt und froh darüber.“ Zwar werde es immer schwieriger, insbesondere Hebammen und Fachärzte nach Weißwasser zu holen und dort zu halten, weshalb viele Ärzte inzwischen Honorarärzte oder ausländische Kollegen seien. „Deshalb wird das Krankenhaus aber nicht geschlossen“, so der Geschäftsführer.

Wie Steffen Thiele weiter informierte, plane man bis Jahresende weitere Einstellungen von Ärzten, da noch Abgänge zu erwarten seien. Auf der Suche nach ärztlichem Personal fahre man inzwischen zu Info- und Jobbörsen im In- und Ausland und nutze spezialisierte Vermittlungsagenturen. Dies gelte auch für Hebammen, nach denen man auf dem polnischen und ukrainischem Markt suche. Die Personaleinwerbung kostet dadurch viel Geld und Organisationsaufwand. Doch herkömmliche Anzeigen in Zeitungen, Fachblättern oder Internet bringen laut Thiele kaum noch Erfolg. „Selbst ein kleines Krankenhaus in einem Ort nahe München, wo ich kürzlich Urlaub machte, hatte von der Küche bis zum Arzt 75 offene Stellen.“

Bei Küche und Servicegesellschaft der Klinik in Weißwasser gibt es momentan wenig Besetzungsprobleme. Seit einem Jahr gezielt über die Krankenhausakademie des Landkreises Görlitz ausgebildet wird zudem Pflegepersonal. „Alle Schüler, die bei uns in Weißwasser lernen und ihre Prüfung bestehen, bekommen von uns ein unbefristetes Vertragsangebot, um sie zu halten“, erklärt Andreas Grahlemann, der sich mit Steffen Thiele auch um Investitionen in Weißwasser kümmert. Momentan wird hier das Dach für rund 100 000 Euro saniert. Brandschutz, Sicherheit, IT- und Medizintechnik sind weitere Investitionsbereiche. „Derzeit bereiten wir den teilweisen Umbau der Notfallaufnahme vor. Die Liegendauffahrt wird neu und länger und es kommen zusätzliche Untersuchungsräume, damit ab 1. Oktober 2019 die Kassenärztliche Vereinigung eine temporäre Sprechstunde einrichten kann. Die ist im Rahmen der hausärztlichen Behandlung auch an Feiertagen und Wochenenden für Patienten da“, blickt Grahlemann voraus.

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