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Hoyerswerda

Das kulturelle Leben kommt wieder in Fahrt

Wenn auch nur ganz langsam, wie es zwischen Weißwasser und Hoyerswerda heißt. Für den Neustart sind Gäste gefragt.

Wann es wieder so stimmungsvoll in der Telux in Weißwasser zugeht, weiß noch niemand. Ideen gibt es viele, Hygienevorschriften ebenso. Man tastet sich langsam ran.
Wann es wieder so stimmungsvoll in der Telux in Weißwasser zugeht, weiß noch niemand. Ideen gibt es viele, Hygienevorschriften ebenso. Man tastet sich langsam ran. © Archivfoto: Joachim Rehle

Hoyerswerda/Weißwasser. Die neueste Sächsische Corona-Schutz-Verordnung vom 12. Mai bringt weitere Lockerungen mit sich – auch für Kultureinrichtungen. Das bedeutet aber nicht automatisch die Rückkehr zum Alltag. Vielmehr muss der gesamte Betrieb den Hygienevorschriften angepasst werden. Das geht auch weiter nicht ohne Einschränkungen.Im Soziokulturellen Zentrum (SKZ) Telux in Weißwasser tastet man sich in kleinen Schritten an eine gewisse Regelmäßigkeit heran. „Wir müssen einerseits unserer Verantwortung gerecht werden, andererseits wissen wir, dass die Leute auf kulturelle Angebote warten. Um allen Seiten und Anforderungen gerecht zu werden und nichts zu überstürzen, setzen wir auf einen langsamen und vorsichtigen Neustart nach Corona“, erklärt Sebastian Krüger.

Neustart ohne Tanzparty

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Die erste öffentliche Veranstaltung am 23. Mai ist ein Loungeabend mit kleinen Überraschungen und DJ-Musik. „Der Startschuss fällt im Biergartenbereich der Hafenstube, wenn das Wetter mitspielt. Ansonsten findet der Abend drinnen statt. Natürlich unter Beachtung aller Hygienevorschriften und Regelungen. Aber es ist definitiv keine Tanzparty.“ Weitere Veranstaltungen seien vorerst nicht geplant. Man wolle erst einmal beobachten, was sich in der Praxis bewährt, wie Angebote ankommen. „Wir haben natürlich viele Ideen, arbeiten an ihrer Vorbereitung und Umsetzung. So planen wir, ab Juni wieder Kinderkino anzubieten. Einen Sommerkino-Abend im Freien und generationsübergreifende Kurse und Zirkel soll es bald wieder geben. Noch laufen jedoch die Abstimmungen“, so Sebastian Krüger vom SKZ Telux.

Auf „Schmalspurbetrieb“ setzt ebenso die Fürst-Pückler-Stiftung in Bad Muskau. Im Neuen Schloss sind seit 8. Mai Besucherinformation und Bibliothek und in der Schlossgärtnerei der Küchengarten wieder täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Selbstverständlich unter Beachtung der Hygieneauflagen. Die Fürst-Pückler-Dauerausstellung im Schloss, Sonderausstellung und der Schlossturm bleiben dagegen weiterhin für Besucher geschlossen.

Keine Führungen in Park

Gleichfalls nicht zugänglich sind Gewächshäuser, die Ananas-Dauerausstellung sowie die Ausstellung zur Geschichte des Hermannsbades im Kuppelpavillon im Badepark. „Außerdem finden vorerst keine Parkführungen, Kindergeburtstage oder Veranstaltungen jeglicher Art statt“, erklärt Pressesprecherin Sophie Geisler. Der Park selbst kann dagegen jederzeit besucht werden. „Wir weisen aber darauf hin, dass ein Besuch der polnischen Parkteile nicht möglich ist, da die Republik Polen den touristischen Grenzverkehr eingestellt hat. Dadurch sind auch die Doppelbrücke und die Englische Brücke gesperrt“, so Geisler.

Ebenfalls seit der Vorwoche geöffnet ist das Sorbische Kulturzentrum in Schleife. Schutzscheibe und Desinfektionsmittel in der Schauwerkstatt sind nur zwei der strengen Hygienevorgaben. Auch dürfen sich zusammen mit der Mitarbeiterin nur zwei Gäste gleichzeitig in der Schauwerkstatt aufhalten. Mundschutz ist Pflicht. Zu sehen ist eine neue Sonderausstellung mit Bildern des Weißwasseraners Rainer Dietmar Hennig. „Eine offizielle Eröffnung gibt es aber nicht“, sagt Stephanie Bierholdt. Die Osterausstellung wurde bis 14. Juni verlängert. Geöffnet ist das SKC in Schleife Dienstag bis Freitag jeweils 10 bis 17 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr. Noch sei das Interesse aber eher verhalten.

Stephanie Bierholdt führt das zurück auf die „allgemeine Verunsicherung, weil das kulturelle Leben heruntergefahren war“. Von der weitgehenden Lockerung für den Kulturbereich ab der kommenden Woche verspricht sie sich wieder mehr Besucher. Vor allem Radfahrer, die auf touristischen Radwegen unterwegs sind. Denn Reisebusse dürfen weiterhin nicht kommen.

Besucher noch verunsichert

Das Kino in Hoyerswerda wird vorerst den Betrieb nicht wieder aufnehmen. Zum einen ist da die Entscheidung der Cinemotion-Zentrale in Hamburg, teilt Leiter Toni Züchner mit. Andererseits sei es aktuell schwierig, Filme zu bekommen. „Wir müssen gucken, ob die Verleiher so kurzfristig reagieren können.“ Es sei gut möglich, dass diese auf eine deutschlandweite Öffnung hoffen, anstatt in Teilregionen ihre Filme zu präsentieren. Zahlreiche Premieren sind verlegt worden. Toni Züchner rechnet mit der Aufnahme des Spielbetriebs etwa Mitte Juni. Anfang Juni wäre sein Wunsch. Ein Hygienekonzept hat das Unternehmen eingereicht und wartet nun auf Bestätigung.

Erste Kurse in der Kufa

Geschäftsführer Uwe Proksch weiß das Hygienekonzept für die Kinder- und Jugendarbeit bereits genehmigt. Damit kann die Kulturfabrik Hoyerswerda als soziokulturelles Zentrum die Arbeit in diesem Bereich wieder aufnehmen. Auch die Kursangebote starten. Das bedeutet unter anderem wieder Bandproben sowie Mal- und Keramikkurse – sobald die Kursleiter bereit sind. Die Sparte Kino läuft ab nächster Woche wieder an und zeigt Filme wie gewohnt am Dienstag, Donnerstag und Sonntag. Vielleicht werden die Spielzeiten erweitert, so Uwe Proksch. Konzerte an den Wochenenden im Saal finden auch weiterhin nicht statt. „Gerade mal 30 Personen dürften teilnehmen. Das ist unwirtschaftlich“, begründet er. Mit der Öffnung des Sommergartens ab voraussichtlich 3. Juni wären kleine Konzerte im Freien möglich. Online bringen die „Auszeit-Schnipsel“ auch weiterhin Kultur nach Hause. An diesem Sonntag wird die geplante „Bürgerwiese“ ins Netz verlegt, die eigentlich zu Begegnungen zwischen den Bürgern eines Wohnkomplexes führen sollte.

Die Lausitzhalle Hoyerswerda ist noch weit entfernt von der Rückkehr zum Tagesgeschäft mit Konzert-, Theaterabenden und vielem mehr. Dafür könnten die Räumlichkeiten des Hauses anderweitig genutzt werden. Geschäftsführer Dirk Rolka verweist auf Sitzungen im Visavis in der Altstadt. In der Lausitzhalle kann mit Mindestabstand getagt werden. Da sich in der Halle für gewöhnlich Agenturen einmieten, bleibt abzuwarten, wie jene reagieren, die beispielsweise Touren organisieren. Wie Dirk Rolka sagt, gibt es Überlegungen, im Sommer Kultur nach draußen zu bringen – mit Partnern der Stadt: „Denn die Lust auf Genuss ist da.“

Karsten Held, Mitarbeiter der Kulturfabrik in Hoyerswerda, kann bald wieder die Projektoren anschalten und Filme im Saal der Braugasse 1 zeigen.
Karsten Held, Mitarbeiter der Kulturfabrik in Hoyerswerda, kann bald wieder die Projektoren anschalten und Filme im Saal der Braugasse 1 zeigen. © Archivfoto: Christian Völker