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Das lange Warten auf den Notarzt

Viele haben Angst, dass die neue Rettungsleitstelle in Dresden zu wenig Ortskenntnisse hat. Doch das Problem gibt es schon jetzt.

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© dpa

Von Franz Herz

So einen Morgen wie den Anfang Februar will Karin-Elke Sommerschuh aus Oberpöbel nie wieder erleben. Ihrem Mann ging es nicht gut. Er hatte klare Anzeichen für einen Schlaganfall. Kurz nach sechs Uhr rief sie den Notarzt über die Rettungsleitstelle in Dippoldiswalde. Sie schilderte die Lage und wies darauf hin, dass ihr Haus in Oberpöbel steht, nicht im Nachbarort Schönfeld. „Bei der Leitstelle war wohl Oberpöbel-Schönfeld registriert“, erinnert sie sich an eine Aussage aus dem Telefongespräch.

Sie rief noch ihre Tochter an, die Krankenschwester ist und begann zu warten. Doch weder Rettungswagen noch Notarzt kamen. Sie war unsicher: Soll sie noch einmal anrufen oder stört sie damit die Leitstellenmitarbeiter nur bei der Arbeit.

Die Frist von zehn Minuten, in denen ein Rettungswagen im Notfall laut Gesetz beim Einsatz sein sollte, war schon lange verstrichen. Schließlich wurde Frau Sommerschuh doch ungeduldig und rief noch einmal an. Sie sagt: „Damit habe ich wohl meinem Mann das Leben gerettet, wie mir der Arzt später sagte.“ Sie hat den Eindruck, dass der Rettungswagen erst nach dem zweiten Anruf auf den richtigen Weg geschickt wurde. Rund 50 Minuten nach dem ersten Telefonat war er in Oberpöbel, berichtet sie. Danach ist alles gut gelaufen. „Mein Mann wurde gut versorgt, und die Ärzte haben ihr Bestes gegeben. Jetzt ist er wieder ganz der Alte.“

Allerdings lässt es ihr keine Ruhe, dass der Rettungseinsatz für ihren Mann so lange gedauert hat. Sie hat damals die Sanitäter gefragt und die berichteten ihr, dass sie erst falsch gefahren seien und die Adresse eben im Ort Schönfeld gesucht hätten. Die Leitstelle hätte das Einsatzfahrzeug, als es in Schmiedeberg war, Richtung Ammelsdorf und Schönfeld geschickt. Nun macht sich Karin-Elke Sommerschuh Sorgen, dass solche Verzögerungen noch häufiger werden, wenn die Einsätze nicht mehr von der Leitstelle in Dippoldiswalde aus gesteuert werden, sondern von der zentralen Leitstelle in Dresden. Die nimmt derzeit ihren Betrieb auf. Das Gebiet des ehemaligen Weißeritzkreises soll von Juni an aus Dresden betreut werden. Derzeit ist noch die Leitstelle in Dippoldiswalde dafür verantwortlich.

Das Landratsamt, das für den Rettungsdienst verantwortlich ist, erklärt die Verzögerung damit, dass dort eigentlich der Rettungswagen aus Frauenstein hätte ausrücken sollen. Doch der war schon im Einsatz, ebenso der Notarzt aus Dippoldiswalde. Daher musste der Freitaler kommen.

Die Alarmmelder zeigten nun als Adresse Oberpöbel in Schönfeld an. Deswegen fuhr die Besatzung des Dippser Fahrzeugs dorthin. Eine ausgeprägte Ortskenntnis ist derzeit nur im Stammwachenbereich vorhanden, erklärt Steffen Klemt, zuständiger Abteilungsleiter im Landratsamt. Er gibt aber ein Versäumnis in den Unterlagen zu, weil Oberpöbel nach wie vor als Schönfelder Adresse geführt wird, da es vor vielen Jahren einmal zu der Gemeinde gehörte.

Er macht aber Hoffnung, dass so etwas in der neuen Rettungsleitstelle seltener vorkommen sollte, obwohl sie in Dresden steht. Dort sind modernste Karten auf den Computern und auch die Leitstellentechnik entspricht heutigen Ansprüchen. So werden über die Telefonanlage Anrufe aus unserer Region direkt an Disponenten mit Ortskenntnis geleitet, die bisher in den Leitstellen Dipps oder Pirna arbeiteten.