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Das lange Warten auf die Bauleute

Ausgelastete Handwerker, steigende Preise, knappes Material – nicht alle freut der Aufwind in der Baubranche.

Von Gabriel Wandt, Romy Kühr und Gesine Schröter

Wo Heike und Jörg Leonhard auch hingucken, überall ist noch massenweise zu tun. Das fängt bei der „Stube“ im Erdgeschoss an. Durch das Hochwasser am 9. Juni ordentlich mitgenommen, sieht sie nicht besonders wohnlich aus. Hier stehen die Kisten, für deren Inhalt noch die neuen Möbel fehlen, und überhaupt muss der Raum erst mal richtig renoviert werden. Ganz zu schweigen von draußen. Rund um Leonhards knapp 20 Jahre altes Haus gibt es keine richtigen Außenflächen mehr, Garage und Schuppen sind im heftigen Regen einfach weggeschwommen. „Aber das wird alles wieder hübsch, Stück für Stück“, sagt Frau Leonhard zuversichtlich. Wichtig sei, dass die vom Hagel zertrümmerte Dachrinne wieder ganz sei und eine mobile Spundwand ihr Heim schütze, erzählt sie.

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Neben der Stube wären als Nächstes auch die anderen Zimmer im Erdgeschoss dran. Doch die Handwerker, bei denen die Hausbesitzer angefragt haben, bitten um Geduld. Zu viel haben sie da draußen zu tun. „Das ändert sich wahrscheinlich erst, wenn das Wetter wieder schlechter wird und die Firmen Zeit für Innenausbauten haben“, schätzt Frau Leonhard. Schließlich war ihr Mann vor seiner Krankheit auch einmal beim Bau. Die Oderwitzerin zeigt sich geduldig. „Solange wir die wichtigsten Räume wie Schlafstube und Kinderzimmer wieder nutzen und so ein halbwegs geregeltes Leben führen können, ist es okay.“

Während sich Privatleute wie die Leonhards besonders gedulden müssen, können sich die Baufirmen über prall gefüllte Auftragsbücher freuen. Thomas Schulz von Pflaster- und Landschaftsgestaltung Eibau berichtet zum Beispiel, dass die Firma etliche Aufträge ins nächste Jahr mitnehmen muss, weil sie bis zum Winter gar nicht zu schaffen sind.

Des einen Freud, des anderen Leid: Neben Privatleuten sehen sich auch die Gemeinden vor Probleme gestellt. Der Großschweidnitzer Bürgermeister Jons Anders (parteilos) geht sogar davon aus, dass es 2014 eher schlimmer als besser wird. Denn er fürchtet die Kehrseite der Ankündigung, dass es nach den Starkregen-Schäden vom Juni dieses Jahres nun schnell Geld für den Wiederaufbau geben soll. Das werde sich mit den Zusagen überlagern, auf die viele Orte noch warten, um die Schäden von 2010 zu beseitigen. Schon jetzt sei es schwierig, Firmen zu finden, die sich der Winterschäden auf den Straßen annehmen könnten. Und Großschweidnitz, das derzeit ein neues Feuerwehrdepot baut, merkt an den jetzt eingegangenen Angeboten für die Gestaltung der Außenanlagen, wie gut die Auftragslage der Firmen ist: Denn die Kosten steigen. „Was soll mit den Preisen passieren?“, fragt Anders. „Das sind Abwehrangebote“, ist er überzeugt. Und eine Firma, die schon zugesagt hat, im Ort einen Weg zu asphaltieren, wird vorläufig dazu nicht kommen.

So stoßen die Baufirmen an ihre Kapazitätsgrenzen. Erste Zulieferer informieren, dass es beim Material unter Umständen zu Engpässen kommen könnte. Zum Beispiel beim Asphalt. Wie Sabine Faßl vom Mittelherwigsdorfer Bauamt bestätigt, habe die Zittauer Baufirma Osteg erst kürzlich den Landkreis Görlitz und die Gemeinde wissen lassen, dass sich die Arbeiten an der Kreisstraße von Oberherwigsdorf nach Niederoderwitz verzögern könnten. Grund: Auf der neuen B 178 wird derzeit sehr viel Asphalt gebraucht.

Ob Material- oder Personalmangel – was den Gemeinden Kopfzerbrechen bereitet, lässt private Hausbesitzer hoffen: der Winter. Denn dann geht es auch für Leonhards weiter im Haus. Den entscheidenden Moment wollen aber auch sie nicht verpassen, sagt Heike Leonhard schmunzelnd: „Wir melden uns immer wieder bei den Firmen – und die sich auch bei uns.“