merken
PLUS Döbeln

Das Leben genießen, so lange es geht

Todkrank sein und feiern? Dass beides möglich ist, erleben Gäste und Besucher im Leisniger Hospiz „Lebenszeit“.

Thomas Born aus Riesa bezauberte die Gäste beim Sommerfest im Hospiz „Lebenszeit“ mit seinen Tricks. Zum ersten Mal hatte die Einrichtung dazu eingeladen. Es soll zur Tradition werden.
Thomas Born aus Riesa bezauberte die Gäste beim Sommerfest im Hospiz „Lebenszeit“ mit seinen Tricks. Zum ersten Mal hatte die Einrichtung dazu eingeladen. Es soll zur Tradition werden. © Dietmar Thomas

Von Helene Krause

Leisnig. Zum ersten Mal hat der Verein „Lebenszeit“ im Hospiz ein Sommerfest organisiert. „Wenn es gut angenommen wird, soll es zur festen Tradition werden“, sagt Mitarbeiterin Susann Thoma, und Geschäftsführer Eiko Weber ergänzt: „Es soll dazu dienen, miteinander ins Gespräch zu kommen und das Hospiz bekannt zu machen.“

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Geboten wird den Gästen und den Besuchern am Freitag einiges. Der Chor der Einrichtung singt, Thomas Born aus Riesa begeistert mit Zaubertricks. An einem Stand können Kräuteressig, verschiedene Konfitüren, Häkeltiere und andere Dinge erstanden werden. Deren Erlös kommt dem Hospiz zugute. Während der Feierlichkeiten überreicht der Präsident des VfB Leisnig Jörg Lippert dem Hospiz einen Spendencheck in Höhe von 1500 Euro. Das Geld war beim Vereinsfest gesammelt worden.

Mitten unter den Feiernden ist Thomas Schließ. Er wohnt erst seit letzten Dienstag im Hospiz. Der 58-Jährige hat Krebs im Endstadium. „Ich bin mit allem hier zufrieden“, sagte er. „Ich kann nichts Negatives sagen. Ich wollte in ein Hospiz und nicht in ein Pflegeheim.“ Der Tumor hat schon Lunge, Bauchspeicheldrüse und andere Organe angegriffen. 

Trotzdem raucht Schließ. „Warum soll ich damit aufhören?“, fragt er. „Ich möchte meine letzten Tage genießen.“ Thomas Schließ ist gelernter Baufacharbeiter. Die Tätigkeit führte er 17 Jahre aus. Nach einiger Zeit der Arbeitslosigkeit war er, bevor die Krankheit ausbrach, zehn Jahre als Hausmeister eines Roßweiner Kindergartens tätig. „Meine Chefin merkte Veränderungen an mir“, schildert er. Als er Schmerzen in der Brust feststellte, ging der 58-Jährige zum Arzt. Der schickte ihn zu verschiedenen Untersuchungen. Dabei wurde der Tumor festgestellt. Die Krankheit war da schon weit fortgeschritten. 

Seine Frau arbeitet, wie Schließ schildert, in der Altenpflege im 14-Tage-Rhythmus. „Sie konnte mich hier noch nicht besuchen“, sagt er. Angst vorm Sterben hat Thomas Schließ nicht. „Der Tod gehört zum Leben“, meint er. „Ich hatte ein wunderschönes Leben. Ich genieße es, so lange es noch geht.“

Schon seit Februar 2019 wohnt Ursula Rudat in der Einrichtung am Leisniger Hasenberg. „Ich habe Lungenfibrose“, sagt sie. „Mir gefällt es hier gut. Besser kann man es nicht haben.“ Die 83-Jährige hat drei Töchter, sieben Enkel und zwei Urenkel. „Meine Familie ist froh, dass ich hier sein kann.“

Daniele Zaspel aus Döbeln ist Besucherin im Hospiz. „Meine Freundin und eine Bekannte, die hier arbeitet, lockten mich her“, sagt sie. „Mich interessierte die Anlage. Sie ist ganz toll, ansprechend, sauber und gepflegt.“ Wie Zaspel findet, ist es eine gute Sache, dass den Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, die Unterbringung in einem Hospiz geboten wird. 

Regina Schreiber aus Leisnig hilft dort ehrenamtlich. „Ich komme aus der Pflege“, sagt sie. „Ich hatte meinen Beruf beendet und hörte, dass ein Hospiz gegründet wird. Seit dem sind mein Mann und ich dabei. Wir verschenken unsere Zeit.“ Gemeinsam mit ihrem Mann arbeitet sie in einer Gartengruppe, die das Grundstück in Ordnung hält. Außerdem bereitet sie das Frühstück zu. „Wir unterstützen die Schwestern, damit sie genug Zeit für die Gäste haben“, sagt sie.

Annegret Kotte aus Waldheim ist Mitglied im Verein „Lebenszeit“. Sie verfolgte, wie das Hospiz ins Leben gerufen wurde und sich der Verein gründete. „Ich hatte Kontakt zu einem ambulanten privaten Hospizdienst“, schildert sie. „Die haben meine Mutter begleitet. Das war für mich ein Grund, in den Verein einzutreten und mich ehrenamtlich zu engagieren.“ Gegenwärtig absolviert sie einen Kurs zur Sterbebegleiterin.

Mehr zum Thema Döbeln