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Das lesbische Paar und der geplatzte Tanzkurs

Zwei Frauen wollten in einer Tanzschule die richtigen Schritte lernen. Doch in den Anfängerkurs kamen sie nicht.

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© Jörn Haufe

Von Tobias Wolf

Es ist die perfekte Idee für Verliebte: ein gemeinsamer Kurs in einer Tanzschule. Das dachten Maria Bauch und Monique Schlegel zumindest, als sie eine Rabattkarte vom Anbieter „Dresden for friends“ unter dem Weihnachtsbaum fanden. Mit der Karte können zwei teilnehmen, nur einer muss bezahlen. „Wir wollen den Kurs machen, damit wir bei Familienfeiern auch mal zu Klassikern wie Tango und Walzer tanzen können“, sagt die 28-jährige Monique Schlegel. Seit sieben Monaten leben die Frauen als Paar zusammen. Den Traum vom preiswerten Partnertanzkurs müssen sie nun wohl begraben, weil die einzige Tanzschule im Rabattprogramm ablehnt.

Dabei schien alles ganz einfach zu sein. Auf der Internet-Seite von „Dresden for friends“ finden Bauch und Schlegel die Tanzschule Eichhorn aus der Johannstadt. Die Bewertungen von Kunden überzeugen. Auf ihrer Internetseite wirbt die Schule mit dem Motto: „Jeder kann tanzen lernen“. Über ein Online-Formular buchen die beiden Frauen den Anfängerkurs, können den ersten Termin kaum erwarten. Per E-Mail kommt die Bestätigung. „Wir haben uns richtig darauf gefreut“, sagt die 24-jährige Maria Bauch. Bis Tage später ein Anruf von der Tanzschule kommt. „Eine Dame fragte, ob uns bei der Buchung ein Fehler unterlaufen sei“, sagt Schlegel. Im Formularfeld für den Namen des Herren stehe ein Frauenname. „Man konnte aber nur Dame und Herr als Partner eintragen.“ Schlegel erklärt der Anruferin, dass die Angaben korrekt sind, es sich bei ihnen um zwei Frauen handele, die den Kurs belegen wollen. „Die Dame am Telefon war etwas irritiert und teilte uns daraufhin mit, dass dieser Kurs leider nicht für gleichgeschlechtliche Paare ausgelegt ist, sondern nur für Mann-Frau-Kombinationen“, sagt Schlegel.

Die Anmeldung müsse deshalb storniert werden, erinnert sich Schlegel an das Gespräch. „Wenn von uns gewünscht, könnte sie uns jedoch dafür zwei männliche Tanzpartner vermitteln“, sagt Schlegel. „Aber wir wollen ja zusammen Tanzen lernen.“ Unter Umständen wäre eine Teilnahme an einem anderen Tanzkurs möglich. Welcher dies sein sollte, sagte die Anruferin Schlegel zufolge nicht. Das Paar lehnt ab. Per E-Mail sollen sie eine Stornierung ihrer Buchung erhalten. „Die Schule hat uns abgelehnt, weil wir an dem Kurs als lesbisches Paar teilnehmen wollten und das offenbar nicht vorgesehen ist, da bin ich sicher“, sagt Schlegel. „Das hat mich richtig verletzt.“ Eine derartige Ablehnung hätten sie und ihre Partnerin noch nicht erlebt. „Unsere Familien und Freunde haben damit überhaupt kein Problem“, sagt Maria Bauch. „Ganz selten gucken mal Leute komisch, wenn sie uns zusammen sehen, aber mehr nicht.“ Selten müssten sie sich blöde Sprüche anhören. Auch die Eltern hätten es akzeptiert, denen die gebürtige Freibergerin schon im Alter von 14 Jahren von ihrer Homosexualität erzählte. Monique Schlegel war 20, als sie sich Mutter und Vater offenbarte. „Meine Eltern sind ein bisschen altmodisch und haben deshalb etwas gebraucht“, sagt Schlegel. „Jetzt ist das selbstverständlich.“ Auch in Studium und Job habe es nie Probleme mit ihrer sexuellen Orientierung gegeben.

Unverständnis bei anderen Schulen

Nur die Johannstädter Tanzschule hat in ihrem Standardkurs anscheinend ein Problem mit dem Paar. Doch worin das Problem besteht, wollte die Schule nicht mitteilen. Sie ließ der SZ über Anwälte ausrichten, man werde keine Stellungnahme abgeben. Die Redaktion gehe von falschen Voraussetzungen aus und sei fehlerhaft informiert worden.

Philipp Sauer vom Anbieter „Dresden for friends“ zeigt sich erstaunt: „Aus unserer Sicht sollte es möglich sein, dass ein gleichgeschlechtliches Paar an solch einem Tanzkurs teilnehmen kann.“ Kritik kommt auch vom Dresdner Verein Gerede, der sich für Homo-, Bi- und Transsexuelle einsetzt. Die Haltung der Tanzschule zeuge von mehr als antiquierten Familien- und Beziehungsbildern, die es so nicht mehr gibt, sagt Vorstand Alexander Bahr. Es gebe glücklicherweise viele Tanzschulen in Dresden, die aufgeschlossen und in der Wirklichkeit angekommen seien. Das bestätigt eine nicht repräsentative SZ-Umfrage unter Dresdner Tanzschulen. „Das ist überhaupt kein Problem, bei uns sind alle willkommen“, sagt beispielsweise Mathias Fischer vom Tanzstudio Fischer. Kersten Nebl leitet die von den Eltern gegründete Tanzschule Nebl in der Schäferstraße. „Bei uns darf jeder mitmachen“, sagt der 54-Jährige. „Wir hatten auch schon ein schwules Paar im Standardkurs.“ Andere Kunden hätten sich nicht daran gestört. Derselbe Tenor ist aus dem Tanzhaus Friedrichstadt zu hören. „Warum sollten wir ein Problem haben, wenn es darum geht, miteinander zu tanzen“, sagt Inhaber Falk Schönfelder. „Ich verstehe nicht, warum es solche Konflikte gibt.“ Yvette Kühl vom Anbieter Tanzschule und Ballhaus ego findet es peinlich, dass es nach 40 Jahren Kampf um Gleichberechtigung noch Diskussionen gibt. „Ich denke, dass die Gesellschaft heute so offen ist, dass man diesem Thema ganz normal gegenüberstehen sollte“, sagt die 42-Jährige.

Von acht befragten Schulen machen nur zwei Einschränkungen. „Für uns ist das zwar kein Problem“, sagt beispielsweise Tanzschulinhaber Tassilo Lax. Gebe es jedoch Beschwerden von anderen Kursteilnehmern, müsse er Prioritäten setzen, weil 99 Prozent seiner Kunden heterosexuelle Paare seien. Maria Bauch und Monique Schlegel warten immer noch auf die Stornierung durch die Johannstädter Tanzschule. Auf Akzeptanz hoffen sie nicht mehr, aber sie erwarten eine Entschuldigung.