SZ +
Merken

Das letzte schwarze Schaf

Der Szeneladen „Black Sheep“ kämpft gegen die großen Online-Händler ums Überleben.

Teilen
Folgen

Von Felix Keßler

Die Schaufenster sind großflächig zugeklebt, von Ausverkauf und einem Rabatt-Inferno ist die Rede. Man könnte vermuten, dass für den Skate-Shop „Black Sheep“ in der Louisenstraße das letzte Stündchen geschlagen hat. Dem ist nicht so, das zeigt sich im Laden selbst, hier ist alles in Ordnung. „Wir bauen nur um, modernisieren ein bisschen, tauschen Licht und Regale“, sagt Inhaber Michael Adam, der in der Szene unter dem Namen „Adams“ bekannt ist. Dafür ist das Geschäft eine Woche lang geschlossen, am 1. März steht dann die Wiedereröffnung an.

Der Laden ist eine Institution im Dresdner Skate- und Graffitimilieu, seit 1995 gibt es das Geschäft in der Neustadt. Ein riesiges, nun verblichenes Graffito an einer Hauswand in der Jordanstraße etwa stammt noch aus dieser Anfangszeit. Mittlerweile macht die immer größer werdende Konkurrenz durch Versandhändler aus dem Internet allerdings schwer zu schaffen. Die übermächtigen Webseiten und deren Kampfpreise im Netz bedrohen die Existenz des lokalen Einzelhandels. „Wir haben uns auch mal mit einem Online-Auftritt versucht, aber die Kosten für Versand und Rückversand zu übernehmen – selbst, wenn die Kleidung offensichtlich einige Tage getragen wurde – war zu viel.“, so Adam.

Ohnehin würden bei den Online-Händlern oft günstigere Preise vermutet, obwohl das unterm Strich kaum zutreffe. Als Gegenentwurf habe man sich früh auf besondere Artikel spezialisiert und versuche, selbst Trends zu setzen, sagt Adam. Die Geschäftsidee war von Anfang an, sich von ähnlichen Läden zu unterscheiden, daher auch der Name. Momentaner Verkaufsschlager: Socken mit möglichst bunten und ausgefallenen Motiven.

„Wichtig ist, die Leute auf die Notwendigkeit von lokalen Unternehmen aufmerksam zu machen“, erklärt Adam. „Wenn es hier nur noch Imbissbuden gibt, verliert das ganze Viertel nach und nach seinen Charme“, glaubt er. Wie erfolgreich der Zusammenhalt zwischen den Geschäften vor Ort sein kann, zeigt die Unterstützung für die angeschlagene Videothek „Phase IV“ an der Königsbrücker Straße. Viele Neustädter Szeneläden hatten um Unterstützung für den Filmverleih geworben und so die Schließung verhindert.