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Das Leubnitzer Schach-Hotel

Wer vom Ramada in die Stadt will, sitzt 20 Minuten im Bus. Leer sind die Zimmer dennoch nicht. Dank dem Sport.

Von Annechristin Kleppisch

Das Schachspiel steht bereit. Bauern, König und Dame haben ihren Platz gefunden. Nun fehlen nur noch zwei Spieler und die Partie könnte beginnen. Dabei sind die Figuren auf dem schwarz-weiß karierten Feld nur Deko. Das übergroße Schachspiel steht vor dem Ramada-Hotel auf der Wilhelm-Franke-Straße. Gerade haben dort 80 internationale Spieler die Schachweltmeisterschaft für Menschen mit Behinderung ausgetragen. Sogar aus Indien reiste ein Teilnehmer mit seiner Familie an.

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Hoteldirektor Jan Burghardt freut sich über diese Gäste. Ungewöhnlich sind sie in dem Hotel schon lange nicht mehr. Mehrmals im Jahr verwandeln sich die Konferenzräume in dem 1993 erbauten Hotel in die Spielstätten für den Denksport. Auch die 21. Offene Sächsische Senioren-Einzelmeisterschaft sowie die 20. Offene Familienmeisterschaft Sachsen finden in diesem Jahr hier statt. Die Schachspieler sind fester Bestandteil unter den Gästen geworden. „Die Ruhe bei uns ist gut für die Schachspieler“, sagt Jan Burghardt. Das Hotel liegt nahe des alten Leubnitzer Dorfkerns. Die Wilhelm-Franke-Straße ist wenig befahren.

Konferenzen füllen das Hotel

Dabei würde sich nicht jeder Hotelier über diese Ruhe freuen. Wer in die Dresdner Innenstadt will, muss von Leubnitz aus 20 Minuten mit dem Bus fahren. Kein Standortvorteil, wenn es um Touristen auf Städtereise geht, die in kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten besichtigen wollen. Doch Jan Burghardt hat keine schlechten Erfahrungen mit dem Standort seines Hotels fern der City gemacht. Seit 2002 ist er Direktor in dem Haus, das seit 2006 den Namen Ramada trägt und zur Gruppe Gran City Hotels gehört. Die verwaltet auch die Villa Weltemühle in Briesnitz, das Radisson Blu Park Hotel in Radebeul, das Days Inn auf der Strehlener Straße und das Tryp Hotel in der Neustadt.

Der Leubnitzer Hotelier hat sich eine Nische gesucht, die ihm sein Hotel gut füllt. Denn neben den 262 Zimmern gibt es im Ramada einen 585 Quadratmeter großen, fünfteiligen Konferenzsaal und acht Tagungsräume. Firmen aus der Wirtschaft, Industrie, Pharma- und Versicherungsbranche kommen hier für Mitarbeiter- und Vertreterversammlungen zusammen. Allerdings will er nichts dazu sagen, wie viele Konferenzen pro Jahr es in Leubnitz gibt. Fakt ist jedoch, dass die Gäste seine Zimmer füllen. „Im Vergleich zu den Wettbewerbern sind wir ganz zufrieden“, sagt er. Auch einen Rückgang an Gästen nach dem Juni-Hochwasser habe es nicht gegeben.

Damit sich die Konferenzgäste wohlfühlen, wurde das Hotel in den vergangenen Jahren auch umgebaut. Die Lobby ist jetzt größer und mit einer langen Glasfront versehen. Das Restaurant wurde renoviert, genauso wie die Tagungsfläche. Und auch der Wellnessbereich ist neu. Alles ist kompakt zusammen. Wer sich hier zur Tagung trifft, hat keine langen Wege. „Trotzdem fahren unsere Gäste gern in die Innenstadt und kommen auch abends nach dem Besuch der Oper gut mit dem Bus zurück“, sagt der Direktor.

Internationales Flair beim Sport

Die Schach spielenden Gäste bringen dagegen kaum spezielle Anforderungen mit. Zwar müsse das Essen in den Restaurants an andere Kulturen angepasst werden. „Unser Haus ist bei den Turnieren so international wie nie“, sagt er. Unter den Gästen sind dann 20 Prozent Ausländer. Die 63 Mitarbeiter und zwölf Azubis sind darauf gut vorbereitet. „Schach mitspielen müssen wir aber nicht“, sagt Jan Burghardt. Obwohl er gern mit seinen Kindern zu Hause die Figuren auf dem Brett schiebt.

Bauern, König und Dame vor dem Ramada-Hotel werden jetzt aber erst einmal wieder weggeräumt. Bis zum nächsten Schachturnier. Nun naht der Advent, und die Weihnachtstouristen kommen. Vor dem Hotel steht dann der geschmückte Weihnachtsbaum.