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Das Loch am Wetterberg soll größer werden

Noch für fünf Jahre reicht im jetzigen Steinbruch die Grauwacke. Nun soll erweitert werden – möglichst schnell.

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Von Udo Lemke

Das einzige Donnerwetter, das es kürzlich im Ebersbacher Gasthof Freund gab, kam vom Sturm, der an die Scheiben donnerte. Dabei ging es um ein brisantes Thema: die geplante Erweiterung des Grauwacke-Steinbruchs am Wetterberg zwischen Kalkreuth und Niederebersbach. Dass es so sachlich, ja fast gelassen zuging, hat zwei Gründe. Zum einen wird der neue Tagebau von allen umliegenden Orten weiter entfernt liegen als der derzeitige, ausgenommen Niederebersbach. Zum anderen gehen die Steinbruchbetreiber von Anfang an auf die betroffenen Bürger zu.

„Alles soll auf den Tisch, wenn wir etwas aufdrücken, bringt das keine Punkte“, erklärte Jens Gerisch. Er ist seit Anfang des Jahres Geschäftsführer der Steinbruch- wie der Asphaltfirma am Wetterberg. Und Wilhelm D. Kern, Geschäftsführer des Mutterunternehmens Lukas Gläser GmbH & Co. KG mit Sitz im baden-württembergischen Aspach, ergänzte: „Dass die umliegenden Bewohner nicht in Jubel ausbrechen ist unstrittig, deshalb ist es sehr wichtig für uns, dass offen damit umgegangen wird.“

Gerisch erläuterte was sein Betrieb vorhat. Um acht bis zehn Hektar in südlicher Richtung soll die Abbaufläche des Steinbruchs erweitert werden. Das Areal war bereits 2009 bei Erkundungen gefunden worden. Es zeichnet sich durch eine Abraumschicht aus, die weniger als zehn Meter beträgt, außerdem ist die dort anstehende Grauwacke nicht so stark verwittert wie an anderen Stellen.

Normalerweise braucht ein solches Vorhaben –  alle Behördengänge eingeschlossen –  acht bis zehn Jahre, so der Geschäftsführer. Von 2009, von den ersten Erkundungen an, wäre dies 2017. Doch die alte Geschäftsführung am Wetterberg habe es versäumt, für die Zukunft des Unternehmens zu sorgen, kritisierte Gerisch.

Das Ziel 2017 soll trotzdem erreicht werden, ja es muss aus Sicht der Geschäftsführung erreicht werden, denn „der Restvorrat im jetzigen Steinbruch beträgt noch etwa drei Millionen Tonnen Grauwacke, das reicht beim derzeitigen jährlichen Abbauvolumen von rund 600 000 Tonnen noch vier bis fünf Jahre“. Danach wäre Schluss mit dem Betrieb am Wetterberg.

Gerisch ging auf die in der Vergangenheit immer wieder geäußerte Kritik von Bürgern der umliegenden Orte an den Sprengungen im Tagebau ein, die zu Rissen in Gebäuden führten. Er listete alle 14 Sprengungen des vergangenen Jahres auf. Die unabhängig vorgenommenen Messungen hätten ergeben, dass dabei „maximal 30 Prozent des erlaubten Erschütterungswertes erreicht worden sind“. Erst ab 100 Prozent könne es zu Schäden an Gebäuden kommen. „Bürger, die sich bedroht fühlen, können jederzeit zu uns kommen.“

Oliver Schmidt, der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Ebersbach, kritisierte, dass die Gemeinde bislang fast keine Steuern von der Produktion am Wetterberg bekommen habe. Geschäftsführer Kern erklärte, dass man das Unternehmen so wirtschaftlich gestalten werde, „dass wir wieder Gewinne erwirtschaften und dann fallen auch Steuern an“. Man werde für 2013 und 2014 Steuern bezahlen, „es gibt keine Verrechnungen mit der Muttergesellschaft“.