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Das macht die Trockenheit mit Sachsens Gewässern

Die ersten Bäche in Sachsen liegen schon wieder trocken, andere werden binnen Minuten zu reißenden Strömen. Teil 3 unserer Serie "Sachsens trockene Jahre".

Schon im letzten Jahr führte die Schwarze Elster wie hier bei Senftenberg kein Wasser mehr. In diesem Jahr könnte das wieder der Fall sein.
Schon im letzten Jahr führte die Schwarze Elster wie hier bei Senftenberg kein Wasser mehr. In diesem Jahr könnte das wieder der Fall sein. © picture-alliance/ dpa/A.Franke (Archiv)

Elbe und Neiße. Die großen Flüsse strömen voll bis an den Rand hinab. Völlig unbeeindruckt davon, dass das Land ringsum seit Monaten unter Trockenheit leidet. Die haben auch die Gewitter nicht hinweggespült. Die ersten Bäche liegen schon wieder trocken. Die Quellen einiger Bäche tröpfeln seit Wochen nur noch. Wieder andere Bäche sind binnen weniger Minuten unter den letzten Gewitterzellen schnell zu einem stattlichen Fluss gewachsen. Und waren danach ebenso schnell wieder klein.

Hochwasser und Dürre, es sind die zwei Seiten ein und derselben Witterung. Zeitgleich können die sich zeigen. Wenn im Isergebirge und Riesengebirgsvorland die Wolken ihren Starkregen ausquetschen, dann muss hier nicht ein Tropfen Regen fallen. Die Flüsse von dort sind trotzdem voll. Gleiches gilt fürs Erzgebirge und das Lausitzer Bergland. Wenn sich dort wie in den vergangenen Tagen Starkregen festsetzen, dann können auch Spree und Triebisch schnell mal als wilder Strom ins sonnige Vorland strömen.

Doch so schnell die Pegel steigen, so rasch sind sie auch wieder unten. Die Spree und die Triebisch sind sogar an vielen Pegeln auf Niedrigwasser.

Aus Grün wird Braun

Die Signale im Landeshochwasserzentrum stehen derzeit auf Braun und Grün. Auf der interaktiven Karte sind alle Pegelmessstellen Sachsens online. Grün bedeutet dabei Normalzustand und Braun Niedrigwasser. Im Flussgebiet der unteren Weißen Elster stehen derzeit fünf der sechs Pegel auf Niedrigwasser. Sie ist momentan in Sachsen am stärksten betroffen. Auch die Nebenflüsse der Elbe sind vergleichsweise trocken. Jeder dritte hat hier die kritische Niedrigwassermarke bereits erreicht. Die Schwarze Elster hat ebenfalls jeden zweiten Pegel auf Braun. Und im Spreegebiet ist es jeder dritte.

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In ganz Sachsen stehen 75 Pegel derzeit auf Grün, aber 30 trotz der Regenfälle der vergangenen Tage sind bereits auf Braun und damit im Niedrigwasser angekommen. Damit beginnt in diesem Jahr schon wieder, was im vergangenen bereits da war, und auch im Jahr davor. Nur zeitiger fängt die Wasserknappheit diesmal an. Im vergangenen Jahr waren drei Wochen lang die Pegel von 40 Prozent aller Messstellen im Niedrigwasser. 2018 war dies acht Wochen lang an 76 Prozent aller Messstellen der Fall, berichtet Uwe Müller, Abteilungsleiter für Wasser und Boden vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Der prinzipielle Wassermangel in Sachsen schleppt sich somit auch in Bächen und Flüssen von Jahr zu Jahr fort.

© ReKIS LfULG

Niedrigwasser hat nicht nur Folgen für das Leben im Fluss. Auch Anwohner bekommen es zu spüren. Seit Anfang Juni gilt nahezu flächendeckend ein Wasserentnahmeverbot. So soll zumindest noch so viel Wasser in den Flusssystemen bleiben, damit diese Ökosysteme nicht ganz zusammenbrechen. Weniger Wasser im Fluss und dazu Sonne satt wie jetzt, das treibt die Wassertemperaturen nach oben. Im Gewässer ist dadurch weniger Sauerstoff gelöst. Algen vermehren sich deutlich schneller. Die Natur gerät unter Stress.

An die 15.000 Kilometer Flussläufe und Bäche schlängeln sich durch Sachsen. 178 Kilometer hat davon die Elbe. Durch all die verlässt in normalen Jahren etwa ein Drittel des Niederschlags den Freistaat, sagt Uwe Müller. Momentan sind die Niederschläge aber viel geringer als üblich und die Verdunstung ist zudem größer. Deshalb sind die Gewässer weniger voll. In normalen Jahren fließen etwa 470.000 Liter Wasser pro Sekunde in Flüssen und Bächen aus dem Land. Das entspricht etwa 3.100 Badewannen. Der Anteil der Elbe ist mit 71 Prozent relativ groß. Mitte Juni waren es in ganz Sachsen aber lediglich noch 39 Prozent vom normalerweise um diese Zeit üblichen Wasserabfluss aus Sachsen. Das war nicht einmal so viel, wie die Elbe in ganz normalen Jahren allein an Wasser davonträgt.

Verlorenes Wasser

Starkregen fließt zu mehr als 50 Prozent sofort ab. Er geht in die Regenbilanz zwar komplett mit ein, bleibt aber ohne Wirkung für Bodenfeuchte und Grundwasser. Letztlich profitieren noch nicht einmal die Flüsse davon, mal abgesehen von der schnellen Welle. 

„Was wir normalerweise in den Flüssen und Bächen sehen, ist ja mehr als Regenwasser“, sagt Thomas Wöhling, Wissenschaftler an der Hydrologie der TU Dresden. Was Bäche und Flüsse eigentlich brauchen, ist ein konstanter Zufluss aus Quellen und diffus aus dem Untergrund zuströmendes Wasser. Beides ist Grundwasser. „Es kann Wochen, oder aber mehrere Jahre bis Jahrzehnte dauern, ehe der Regen als Grundwasser durch den Boden den Fluss erreicht.“ 

Das Grundwasser hat somit ein ewig langes Gedächtnis. Es speichert die Dürre praktisch auf Wochen bis Jahre und nimmt sie mit. Anders als oberirdisch lässt sich mit Staudämmen da unten nichts regulieren. Außer, die Grundwassernutzung zu beschränken. Das Brunnenbohren betrifft dies zum Beispiel. 2016 gab es im gesamten Jahr in ganz Sachsen 256 solche Anträge. Allein in den ersten vier Monaten diesen Jahres gibt es schon 1.878 Bohranträge. 

© ReKIS LfULG

Ob ein solcher Brunnen letztlich gebohrt werden darf oder nicht, das hängt entscheidend vom bereits in der Region genutzten Grundwasser ab. Seit 2013 mangelt es an neuem Grundwasser. Seit drei Jahren wurde so gut wie nichts mehr neu gebildet. Wenn es jetzt mal einen Monat regnen würde, käme immer noch nichts dort an, viel zu ausgetrocknet ist der Boden und würde erst einmal für lange Zeit alles aufsaugen.

Die Grundwasserdürre, so heißt das offiziell, wird noch auf Jahre bleiben. Besonders sensibel sind dann jene Gebiete, in denen das frisch gewonnene Grundwasser besonders schnell abfließt. An steilen Hängen, durch groben Sand und Geröll. Auch deshalb sind manche Gebirgsbäche schnell mal wieder trocken, wenn aus dem Boden nichts diffus nachfließt. Selbst größere Flüsse trifft es. 

Trocken wird noch trockener

Die Gewitter haben für zwei Tage ein paar braune Punkte auf der Gewässerkarte grün gefärbt, aber schon geht es wieder in die andere Richtung. Vor allem wenn man hinter die Zahlen blickt. Wo Grün dran steht, muss nicht fettes Grün drin sein. Fast die Hälfte der jetzt noch grünen Punkte steht ebenfalls kurz vor Braun. „Die Niedrigwasserperiode, die wir jetzt gerade durchleben, ist extremer als die von 2003 und 2015“, sagt Uwe Müller vom Landesumweltamt. Das waren die bisherigen Rekordjahre mit Wärme und Trockenheit.

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Lesen Sie morgen in der Serie „Sachsens trockene Jahre“ Teil 4, wo wir künftig Trinkwasser herbekommen. 

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