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Meißen

Das Mekka der Terence-Hill-Fangemeinde

In Lommatzsch öffnete am Sonnabend das Museum für den Schauspieler. Auf einen wartete man aber vergebens.

Riesenandrang zur Eröffnung des Terence-Hill-Museums am Sonnabend in Lommatzsch. Trotz des Regens waren hunderte Fans gekommen.
Riesenandrang zur Eröffnung des Terence-Hill-Museums am Sonnabend in Lommatzsch. Trotz des Regens waren hunderte Fans gekommen. © Claudia Hübschmann

Lommatzsch. Petrus muss ein Terence-Hill-Fan sein. Jedenfalls ein bisschen. Pünktlich kurz vor 13 Uhr lässt am Sonnabend der Regen in Lommatzsch nach. Da wird das Terence-Hill-Museum eröffnet. Manch einem dauert die Eröffnungszeremonie dennoch zu lange. Günter Kanau zum Beispiel.

Der 65-jährige ist mit seiner Frau extra zur Eröffnung des Museums für den italo-amerikanischen Schauspieler von der Insel Usedom nach Lommatzsch gereist. Angesichts der vielen Besucher, die sich am Markt eingefunden hatten, bangt er um seine rechtzeitige Rückreise. „Wir haben über 400 Kilometer vor uns, müssen heute noch zurück“, sagt der Mann aus Kölpinsee. „Ich bin seit vielen Jahren ein Fan von Terence Hill, mein Schwiegersohn auch. Das hier ist für mich eine Pflichtveranstaltung“, sagt er.

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Das ist sie auch für Enrico Langer aus Leipzig. Er ist das zweite Mal in Lommatzsch, zuletzt war er im August vorigen Jahres hier, zum Spencer-Hill-Festival. Damals wie heute doubelt er den schwergewichtigen Filmpartner von Terence Hill. Schwarzes Basecap, dichter Vollbart, große Hände, dicker Bauch – er sieht dem Schauspieler tatsächlich sehr ähnlich. Wer ihn sieht, muss lächeln. Langer lächelt zurück. „Die Leute wollen den Kult“, sagt er. Bud Spencer hat er nie persönlich getroffen, Terence Hill schon. Und zwar erst vor wenigen Monaten in einem Kino in Berlin, wie er sagt.

Enrico Langer sieht aus wie Bud Spencer. Die Eröffnung des Terence-Hill-Museums war für ihn ein Pflichttermin. 
Enrico Langer sieht aus wie Bud Spencer. Die Eröffnung des Terence-Hill-Museums war für ihn ein Pflichttermin.  © Claudia Hübschmann

Auf den 80-jährigen Terence Hill wartet man am Sonnabend vergeblich, die Hauptperson ist nicht da. Er war auch nicht angekündigt, doch der eine oder die andere hatten wohl im Stillen darauf gehofft, dass er doch zur Eröffnung des Museums erscheint. 1995 und 1998 war er schon in der Stadt, in der er von 1943 bis 1945 mit einer Familie unter seinem bürgerlichen Namen Mario Girotti lebte. 

Carl Menzel, der Gründer der Lommatzscher Glasindustrie, ist sein Urgroßvater. „Wir sind unwahrscheinlich stolz auf den Sohn unserer Stadt“, sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) zur Eröffnung. „Ich bin ein Lommatzscher, mein Herz schlägt hier“, hatte Terence Hill 1995 bei einem Besuch vor tausenden begeisterter Leute gesagt in Anlehnung an das „Ich bin ein Berliner“ des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy.

Terence Hill spendete damals 10 000 Dollar für die Rutsche im Lommatzscher Freibad. Die dümpelt jetzt allerdings vor sich hin, das Freibad ist seit Jahren geschlossen. Das Bad erhielt damals den Namen des Schauspielers, im Schützenhaus gibt es eine Terence-Hill-Bar, und an dem Haus, in dem er mit seiner Familie wohnt, erinnert eine Gedenktafel daran. Zudem wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Lommatzsch ernannt.

Wenn die Hauptperson schon nicht da ist, dann wenigstens seine deutsche Synchronstimme. Thomas Danneberg ist es zu verdanken, dass die Filme durch die Synchronisation sehr witzig geworden sind. Am Sonnabend eröffnet der Synchronsprecher das Museum. Dort und auf dem Außengelände ist einiges zu sehen.

Thomas Danneberg eröffnete das neue Museum. Er lieh Terence Hill in unzähligen Filmen seine Stimme.
Thomas Danneberg eröffnete das neue Museum. Er lieh Terence Hill in unzähligen Filmen seine Stimme. © Claudia Hübschmann

Der originalgetreue Nachbau eines Ford Escort, mit dem Bud Spencer in dem Film „Zwei wie Pech und Schwefel“ das Rennen um den Buggy gewann. Später demolierten die beiden mit diesem Auto das Restaurant des Bosses. 

Auf dem Tankdeckel findet sich übrigens ein Autogramm von Terence Hill. Auch ein Hut, ein Hemd mit Einschusslöchern und ein Reitsattel sind ausgestellt. Am Eingang zum Museum stehen zwei amerikanische Polizeiwagen mit eingeschaltetem roten und blauen Signallicht. Die sind nur zur Eröffnung zu sehen.

Der Ford Escort, ein originalgetreuer Nachbau aus dem Film "Zwei wie Pech und Schwefel", war am Eröffnungstag ein beliebtes Foto-Objekt.  
Der Ford Escort, ein originalgetreuer Nachbau aus dem Film "Zwei wie Pech und Schwefel", war am Eröffnungstag ein beliebtes Foto-Objekt.   © Claudia Hübschmann

Die wohl weiteste Anreise hatte Rainer Hüglin. Der 68-Jährige hat über 600 Kilometer aus dem Schwarzwald zurückgelegt. Er ist ein Verwandter von Terence Hill. Der Schauspieler und er haben mit Carl Menzel den gleichen Urgroßvater. „Meine Mutter und meine Großmutter haben Terence Hill früher als Kind gepflegt“, sagt er. 

Er kennt sich gut aus in der Familie Girotti. Mit Hills jüngerem Bruder Piero Girotti hat er Kontakt. Durch ihn und den 80. Geburtstag von Terence Hill ist er mit dem berühmten Verwandten auch wieder in Kontakt gekommen. Yess Hill, der 54-jährige Sohn von Terence Hill, betreibe heute ein Eiscafé in Amelia in Italien, erzählt er. 

Der Schauspieler hatte auch noch einen Adoptivsohn, der im Alter von 16 Jahren bei einem Verkehrsunfall starb. „Das hat ihn damals sehr mitgenommen“, sagt Rainer Hüglin. Dass sein Verwandter nicht zur Eröffnung gekommen ist, kann er verstehen. „Im Gegensatz zu seinen Rollen ist er ein sehr ruhiger, zurückhaltender Typ“, sagt er.

Im Neuen Museum in Lommatzsch dreht sich alles um den Schauspieler Terence Hill - zu sehen sind auch viele Film-Sequenzen.
Im Neuen Museum in Lommatzsch dreht sich alles um den Schauspieler Terence Hill - zu sehen sind auch viele Film-Sequenzen. © Claudia Hübschmann

Günter Kanau aus Kölpinsee kommt übrigens rechtzeitig ins Museum. Im August will er wieder nach Lommatzsch kommen. Vom 29. bis 31. August findet im neuen Mekka der Fangemeinde zum zweiten Mal das Spencer-Hill-Festival statt.

Das Terence-Hill-Museum, Am Markt 14 in Lommatzsch, ist bis Oktober an den Wochenenden sowie an Feiertagen von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Blick ins neue Terence-Hill-Museum Lommatzsch.
Blick ins neue Terence-Hill-Museum Lommatzsch. © Claudia Hübschmann